Wegen Nord Stream 2 US-Drohungen gegen Sassnitz

Der Fährhafen Mukran in Sassnitz ist ins Visier von US-Politikern geraten. Drei republikanische Senatoren drohen den Hafenbetreibern mit harten Sanktionen. Grund ist der Bau der Ostsee-Pipeline Nordstream 2.

Das russische Verlegeschiff €žAkademik Tscherski“ liegt im Hafen Mukran auf der Insel Rügen.
Das russische Verlegeschiff €žAkademik Tscherski“ liegt im Hafen Mukran auf der Insel Rügen. Bildrechte: dpa

Drei US-Senatoren haben dem Fährhafen Mukran in Sassnitz auf der Insel mit Sanktionen gedroht. In einem Brief verweisen sie auf die Rolle des Hafens beim Bau der Ostsee-Pipeline Nord Stream 2.

Harte Maßnahmen angedroht

Die republikanischen Senatoren Ted Cruz, Tom Cotton und Ron Johnson werfen den Hafenbetreibern vor, bei der Verlegung von Rohren zu helfen und russische Schiffe zu beherbergen. Sollte der Hafen seine Hilfe für die Pipeline nicht einstellen, müsste er mit harten Maßnahmen rechnen, die ihn kommerziell und finanziell abschneiden würden.

Verweis auf bestehende US-Sanktionen

Die Senatoren verweisen auf bereits bestehende US-Sanktionsgesetze zu Nord Stream 2 als rechtliche Grundlage ihrer Drohungen. Diese würde ermöglichen, dass beteiligte Personen und Firmen bestraft würden. Ihnen würde die Einreise in die USA untersagt und ihr Eigentum in den USA eingefroren. Amerikanischen Staatsbürgern und Firmen würde zudem verboten, mit dem Hafen zusammenzuarbeiten.

Rohre und Wohnschiff im Hafen

Im Hafen Mukran lagern die für die Fertigstellung der Ostsee-Pipeline benötigten Stahlrohre. Sie sind vor Jahren in einer Fabrik in Mukran mit Beton ummantelt worden. Die Fabrik hat ihre Arbeit mittlerweile eingestellt. Zwei russische Schiffe, die bereits im Hafen Mukran liegen, sollen die Pipeline vollenden. Zudem liegt dort ein Wohnschiff für rund 140 Arbeiter. Es wird vermutet, dass die an Bord lebenden Arbeiter mit dem Weiterbau der Gastrasse zu tun haben.

Warnung vor Europas Abhängigkeit von Russland

Die US-Regierung, aber auch osteuropäische Länder sowie die Ukraine kritisieren Nord Stream 2. Durch die Pipeline soll russisches Erdgas noch Europa gepumpt werden. US-Präsident Donald Trump erklärt seit Jahren, damit mache sich Europa abhängig von Russland. Er hatte Ende 2019 Sanktionen gegen Unternehmen verhängt, die am Bau der Leitung beteiligt sind.

Kritiker werfen ihm vor, die Pipeline nur verhindern zu wollen, um mehr amerikanisches Flüssiggas in Europa verkaufen zu können. Befürworter von Nord Stream 2 halten die Pipeline notwendig, weil in den kommenden Jahren immer weniger Erdgas in Europa produziert werde, der Bedarf aber annähernd gleich bleibe.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 06. August 2020 | 18:00 Uhr