Container stehen im Hafen von Buenos Aires.
Container im Hafen der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires. Bildrechte: dpa

Handelsabkommen EU und Mercosur einig über Freihandel

Mitten im Zollstreit der USA mit China und Europa setzen Europäer und Südamerikaner ein Zeichen für Zusammenarbeit: Die EU und die Mercosur-Staaten wollen die größte Freihandelszone der Welt schaffen. Doch im Detail müssen noch einige Fragen geklärt werden.

Container stehen im Hafen von Buenos Aires.
Container im Hafen der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires. Bildrechte: dpa

Die EU und der südamerikanische Staatenbund Mercosur wollen gemeinsam die größte Freihandelszone der Welt aufbauen. Nach jahrelangen Verhandlungen wurde nun eine Einigung erzielt. Zum Mercosur gehören Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay.

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker sprach von einem "historischen Moment" und großartigen Nachrichten für Unternehmen und Arbeitnehmer auf beiden Seiten des Atlantik.

Dies wird eines der wichtigsten Handelsabkommen aller Zeiten sein und unserer Wirtschaft enorme Vorteile bringen.

Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro auf Twitter.

Deutsche Autobauer hoffen auf Schub

Das Abkommen betrifft nach Angaben der EU-Kommission 780 Millionen Menschen in beiden Staatengruppen. Es soll Unternehmen in der EU jährlich vier Milliarden Euro an Zöllen ersparen und so Exporte ankurbeln. So wurden bisher zum Beispiel 35 Prozent Zoll auf Autos fällig, die in den Mercosur geliefert wurden. Auch die Abgaben auf landwirtschaftliche Produkte sollen verringert werden.

Die Exporte von EU-Unternehmen in die vier Mercosur-Staaten beliefen sich 2018 auf rund 45 Milliarden Euro, in die andere Richtung waren es Ausfuhren im Wert von 42,6 Milliarden Euro. Für den lateinamerikanischen Staatenbund ist die EU bereits heute der wichtigste Handels- und Investmentpartner.

"Herausforderung" für EU-Bauern

EU-Landwirtschaftskommissar Phil Hogan räumte "Herausforderungen" für die europäische Bauern ein. Doch würden die Märkte für Produkte aus dem Mercosur nur mit "sorgsam gemanagten Quoten" geöffnet.  

Auch hohe Umweltstandards würden gesichert, betonte die Kommission, um das Pariser Klimaschutzabkommen umzusetzen. Beide Seiten hatten seit dem Jahr 2000 verhandelt.

Agrarländer und Umweltschützer skeptisch 

Rinder auf Weide stehen im Schlamm
Brasilien und Argentinien zählen weltweit zu den größten Rindfleischexporteuren. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Das Abkommen muss noch einige Hürden nehmen. Umweltschützer befürchten, dass die neuen Absatzmärkte für Fleisch und Soja aus Brasilien zur stärkeren Abholzung des Amazonas-Regenwaldes führen könnten. Frankreich und andere Länder fürchten etwa eine starke Zunahme der Rindfleischimporte und sinkende Preise. Alle EU-Mitglieder sowie das Europäische Parlament müssen dem Vertrag zustimmen.

Signal an Trump

Neben der wirtschaftlichen Dimension hat das geplante Abkommen auch eine politische. Die EU will angesichts der aktuellen Politik der USA ein Zeichen für freien und fairen Handel setzen.  

Inmitten internationaler Handelsspannungen senden wir das starke Signal, dass wir für regelbasierten Handel stehen.

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker.

 

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 28. Juni 2019 | 22:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 29. Juni 2019, 00:30 Uhr

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2 Kommentare

29.06.2019 12:41 Michael Möller 2

also ein neues Freihandelsabkommen, Frage warum erfahren die Völker bzw. die Bürger der EU erst jetzt davon und warum hat auch die Presse geschwiegen. es lässt nach meiner Meinung sehr tief blicken, wer in der EU das sagen hat nämlich die Lobbyisten und nicht das Volk wie es eigentlich die Gesetze vorgeben.

29.06.2019 11:07 Lisa 1

„Die EU und die Mercosur-Staaten wollen die größte Freihandelszone der Welt schaffen.“

Und es wurde vorher peinlich genau darauf geachtet das nicht wieder Details bekannt werden?

LOL