Wende Fiat Chrysler zieht Fusionsangebot an Renault zurück

Erst Ende Mai hatte der Autokonzern Fiat Chrysler seine Fusionspläne mit dem französischen Konkurrenten Renault öffentlich gemacht. Jetzt sind sie schon wieder vom Tisch. Grund sind Bedenken der Regierung in Paris.

Die Zentrale von Fiat Chrysler in Auburn Hills, Michigan, USA.
Fiat Chrysler hat sein Angebot an Renault zurückgezogen. Bildrechte: dpa

Fiat Chrysler legt die Fusionspläne mit dem französischen Hersteller Renault auf Eis. Der italienisch-amerikanische Autobauer zog sein Angebot an die Franzosen nach eigenen Angaben "mit sofortiger Wirkung" zurück. Zur Begründung hieß es, die politischen Voraussetzungen für einen Zusammenschluss seien in Frankreich derzeit nicht gegeben.

Französischer Staat stellte Bedingungen

Die Spitze von Renault hatte sich grundsätzlich offen für eine Fusion gezeigt. Der Verwaltungsrat vertagte allerdings eine Entscheidung über einen möglichen Zusammenschluss mit Fiat Chrysler auf Drängen der französischen Regierung. Der französische Staat ist mit rund 15 Prozent an Renault beteiligt. Paris macht eine Arbeits- und Standortgarantie zur Bedingung für eine Zustimmung zur Fusion. Zudem heißt es, es solle nichts überstürzt werden.

Drittgrößter Autokonzern der Welt

Fiat Chrysler hatte Ende Mai sein Angebot an Renault öffentlich gemacht. Vorgesehen war, dass beide Unternehmensgruppen jeweils die Hälfte an der neuen Gesellschaft halten sollten. Zusammen sollten sie auf rund 8,7 Millionen Fahrzeuge im Jahr kommen. Durch einen Zusammenschluss wäre der drittgrößte Autokonzern der Welt entstanden, nach Volkswagen und Toyota. Fiat Chrysler erklärte, man sei fest überzeugt, dass eine Fusion für beide Seiten vorteilhaft gewesen wäre.

Ghosn-Affäre belastet Renault

Renault ist bereits in einer Allianz mit den japanischen Autobauern Nissan und Mitsubishi. Die Allianz wird allerdings überschattet von der Affäre um den früheren Spitzenmanager Carlos Ghosn. Ihm wird unter anderem vorgeworfen, gegen Börsenauflagen in Japan verstoßen zu haben. Auch in Europa wird gegen Ghosn ermittelt. So hatte Renault bei einer Tochtergesellschaft in den Niederlanden zweifelhafte Ausgaben in Höhe von rund elf Millionen Euro entdeckt. Dabei soll es unter anderem um Kosten für Flugreisen des früheren Konzernchefs Ghosn gehen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 06. Juni 2019 | 06:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. Juni 2019, 08:42 Uhr