EU-Austritt Großbritannien bucht Fähren für möglichen Chaos-Brexit

Bei einem EU-Austritt Großbritanniens ohne Vertrag wird ein Chaos an den Kanalhäfen befürchtet. Um die Versorgung der Insel nicht zu gefährden, hat die Regierung in London jetzt Fähr-Kapazitäten angemietet.

Fähren im Hafen der englischen Stadt Dover an der Kanalküste.
Die britische Regierung hat zusätzliche Ladekapazitäten auf Fähren gebucht, um im Falle eines harten Brexits die Versorgung der Insel zu gewährleisten. Bildrechte: dpa

Die britische Regierung hat für den Fall eines ungeordneten Brexits Ladekapazitäten auf Fähren angemietet. Nach Angaben des Verkehrsministeriums in London soll die Versorgung des Landes gesichert werden, sollte Großbritannien ohne Abkommen die EU verlassen.

111 Millionen Euro für Fähren

Die Regierung zahlte dafür mehr als 111 Millionen Euro an mehrere Fährunternehmen. Die BBC berichtet, die Charter-Verträge seien mit französischen, dänischen und britischen Unternehmen abgeschlossen worden.

Die gemieteten Fähren könnten rund 4.000 Lastwagen aufnehmen. Das entspreche etwa zehn Prozent des derzeitigen Verkehrs am Hafen von Dover.

Die zusätzlichen Fähren sollen Häfen in Südengland wie Portsmouth, Poole oder Plymouth anlaufen sowie die Häfen Immingham oder Felixstowe an der Ostküste.

Riesenstaus bei "Chaos-Brexit" befürchtet

Die britischen Behörden befürchten Riesenstaus von Lastwagen in der Nähe der Häfen, sollten bei einem Chaos-Brexit wieder Grenzkontrollen eingeführt werden.

Derzeit verkehren täglich etwa 16.000 Lastwagen zwischen dem nordfranzösischen Calais und Dover in Südengland. Sie transportieren unter anderem Lebensmittel, Medikamente oder Industriegüter.

Ministerium spricht von dringender Notlage

Die Verträge mit den Fährunternehmen wurden ohne die übliche Ausschreibung ausgehandelt. Das Verkehrsministerium begründete das mit der äußerst dringenden Notlage aufgrund unvorhergesehener Ereignisse.

Opposition spricht von völligem Wahnsinn

Der Chef der oppositionellen Liberaldemokratischen Partei, Vince Cable, nannte das Vorgehen völligen Wahnsinn. Die Regierung könne den ungeordneten Brexit jederzeit stoppen, stattdessen würden auf den letzten Drücker öffentliche Gelder in Millionenhöhe ausgegeben.

Parlament lehnt ausgehandelten Vertrag ab 

Großbritanniens EU-Austritt ist für den 29. März vorgesehen. Einen ungeregelten Brexit wollen sowohl London als auch Brüssel vermeiden, weil ein harter Schnitt der jahrzehntelang gewachsenen Verbindungen unabsehbare wirtschaftliche und soziale Folgen hätte. Dem fertig ausgehandelten Austrittsabkommen will das britische Parlament bislang aber nicht zustimmen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 29. Dezember 2018 | 16:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 29. Januar 2020, 09:24 Uhr