Chinas Präsident Xi Jinping und U.S. Präsident Donald Trump
Zölle auf chinesische Waren könnten China enorm schaden, analysiert Gunther Schnabl vom Institut für Wirtschaftspolitik der Uni Leipzig. Chinas Premier Xi Jinping sitze in Donald Trumps Falle. Bildrechte: dpa

Handelskonflikt zwischen USA und China "Der chinesische Drache sitzt in Trumps Falle"

Das große Handelsdefizit der Amerikaner gegenüber China erzürnt US-Präsident Trump. Mit Zöllen könnte Trump China allerdings in große Schwierigkeiten bringen, sagt Gunther Schnabl, Professor für Wirtschaftspolitik an der Uni Leipzig, im Interview.

von Piet Felber, MDR AKTUELL

Chinas Präsident Xi Jinping und U.S. Präsident Donald Trump
Zölle auf chinesische Waren könnten China enorm schaden, analysiert Gunther Schnabl vom Institut für Wirtschaftspolitik der Uni Leipzig. Chinas Premier Xi Jinping sitze in Donald Trumps Falle. Bildrechte: dpa

Das amerikanische Handelsdefizit gegenüber China betrug 2017 375 Milliarden Dollar. Inwiefern ist das schlecht für die USA?

Man muss wissen, dass ein Handelsdefizit nur möglich ist, wenn ein Land Kredite vom Handelspartner erhält, um das Mehr an Importen zu finanzieren. Die Bürger und der Staat in den USA können aufgrund der großen Kapitalzuflüsse aus China viel mehr Güter konsumieren als im Inland produziert werden. Das ist gut für die USA.

Gunther Schnabl
Gunther Schnabl ist Professor für Wirtschaftspolitik und Internationale Wirtschaftsbeziehungen an der Universität Leipzig und leitet dort das Institut für Wirtschaftspolitik. Bildrechte: Gunther Schnabl

Aber müssen diese Kredite nicht zurückgezahlt werden? Immerhin stehen die USA mit fast neun Billionen Dollar beim Ausland in der Kreide.

Theoretisch schon, aber die USA haben - wie Charles de Gaulle es nannte - ein "exorbitantes Privileg": Da ihre Auslandsschulden in Dollar festgeschrieben sind, können sie die Verschuldung durch das Drucken von Dollars einfach entwerten. Nachdem die "Fed", die Zentralbank der USA, die Zinsen gegen null gedrückt hat, können die USA bei China fast zinslos ohne Rückzahlungspflicht anschreiben lassen. Bequemer geht es nicht!

Aber warum ist dann Präsident Trump so erzürnt?

Es leiden einzelne Branchen. Wenn die Kredite aus China für den Kauf von chinesischem Stahl, Aluminium oder Solarkollektoren verwendet werden, dann leidet die US-amerikanische Konkurrenz. Die Arbeiter aus diesen Branchen haben Trump zum Präsidenten gemacht. Denen muss Trump etwas liefern. Das sind vor allem Beleidigungen gegenüber den Handelspartnern und die publikumswirksame Ankündigung von Strafzöllen in einigen Branchen.

Gibt es nicht auch Profiteure in den USA – etwa der Finanzsektor?

Die Kapitalimporte der USA werden von den großen amerikanischen Investmentbanken abgewickelt, die prächtig verdienen. Das gilt sowohl für die immensen Käufe von US-Staatsanleihen durch die chinesische Zentralbank als auch für die Übernahmen von US-Unternehmen durch chinesische Konkurrenten. Schließlich profitiert auch der hoch verschuldete US-amerikanische Staat, weil die Staatsanleihekäufe der chinesischen Zentralbank dessen Zinslasten niedrig halten.

Nicht zuletzt amerikanische Unternehmen haben Arbeitsplätze nach China ausgelagert, Apple etwa lässt in China viele Komponenten seiner Produkte produzieren. Würden Zölle oder andere ähnliche Maßnahmen somit nicht auch amerikanische Unternehmen schädigen?

Angestellte von Foxconn arbeiten in einer Halle.
Das taiwanesische Unternehmen Foxconn unterhält zahlreiche Fabriken in China, es ist Chinas größter Exporteur. Foxconn ist der wichtigste Zulieferer für Apple. Allein in dem abgebildeten Werk in Shenzhen arbeiten Medienberichten zufolge 300.000 Menschen. Bildrechte: dpa

Richtig! Die Politik des billigen Geldes, die die Fed seit 2000 verfolgt, hat dazu geführt, dass viel Kapital nach China abgeflossen ist. Dort wurden damit große Überkapazitäten in der Industrie aufgebaut, die viele US-Unternehmen in Bedrängnis gebracht haben. Viele Vorprodukte, die in den USA verbaut werden, werden heute in China (und anderen Ländern) produziert. Würden Zölle auf diese Vorprodukte erhoben, dann würden die Preise der eigenen Produkte steigen. Das käme weder bei den Produzenten noch den Konsumenten in den USA gut an.

Die wirtschaftlichen Verflechtungen Chinas mit den USA sind also sehr komplex. Welche Vor- und Nachteile hätten Zölle auf chinesische Warenimporte für die Amerikaner?

Von den Zöllen würden vor allem die geschützten Industrien profitieren. Ob davon die Arbeiter in Form höherer Löhne oder die Manager in Form höherer Boni profitieren würden, bleibt offen. Allerdings würden für alle Bürger die Preise steigen. Zudem würden die Exporterlöse der Chinesen sinken, so dass diese weniger US-Güter nachfragen würden. So könnten beispielsweise Strafzölle auf Computer dazu führen, dass weniger chinesische Touristen kommen. Zölle sind damit immer auch eine Umverteilung zwischen den inländischen Branchen.

Mit Zöllen auf welche Produkte könnte Trump China treffen, ohne die eigene Wirtschaft zu schädigen?

Auf den ersten Blick erscheint es besser, Endprodukte wie Schuhe oder Lebensmittel mit Zöllen zu belegen als Vorprodukte wie Autoteile oder Computerchips. Zölle machen die geschützten Branchen träge, so dass deren Produktivität nachlässt. Produktivitätsgewinne sind aber die Grundlage für Lohnerhöhungen, so dass am Ende vor allem die Bürger in Form sinkender Löhne und/oder steigender Preise geschädigt werden.

Mit welchen Maßnahmen könnte China reagieren – Zölle auf US-Waren?

Container mit der Aufschrift China Shipping im Containerhafen Shanghai
Waren werden im Hafen von Shanghai für den Export vorbereitet. Bildrechte: dpa

China könnte Zölle auf die Importe von Edelstahl, Rindfleisch und Soja aus den USA erheben. Chinas Fluglinien könnten die Flugzeuge nur noch von Airbus statt von Boeing kaufen. Das würde aber noch lange nicht die US-Wirtschaft ins Wanken bringen.

Und wenn Kapital aus den USA abgezogen würde?

Der Abzug des chinesischen Kapitals aus den USA wäre sehr schmerzhaft, weil die Zinsen steigen würden. Insbesondere die politisch sehr einflussreiche Finanzbranche würde leiden. Aber der Kapitalabzug würde den chinesischen Yuan stark aufwerten lassen, so dass sich alle chinesischen Produkte in den USA verteuern würden. Arbeiter in den meist staatlich kontrollierten chinesischen Exportunternehmen müssten entlassen werden. Die kommunistische Partei fürchtet den Verlust von Arbeitsplätzen wie der Teufel das Weihwasser. Chinas Zentralbank wird deshalb wohl einen Großteil der chinesischen Devisenreserven in den USA belassen müssen.

Sitzt Trump am längeren Hebel?

Ja, der chinesische Drache sitzt in Trumps Falle. China hat zwischen 2001 und 2014 mit den Kapitalzuflüssen aus den USA riesige Überkapazitäten in der Industrie geschaffen, die seit 2014 nun wie ein Mühlstein das Wachstum nach unten ziehen. Weil die meisten Menschen dort immer noch arm sind, ist China auf den großen Markt der USA angewiesen, um diese Überkapazitäten zumindest noch teilweise loszukriegen. Deshalb kann sich vor allem China keinen Handelskrieg mit den USA leisten. Das gebetsmühlenartig wiederholte Plädoyer für Freihandel ist nur ein Zeichen von Hilflosigkeit.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 14. März 2018 | 11:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. März 2018, 11:30 Uhr

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7 Kommentare

18.03.2018 01:36 Rainer 7

Finde den Artikel auch relativ sachlich, allerdings stimmt es nicht das die FED noch Anleihen aufkauft, das QE Programm wurde schon lange eingestellt. Stattdessen verkauft sie diese nun langsam wieder.

16.03.2018 23:53 Max W. 6

@16.03.2018 21:35 Muhamed_lee (Mal schauen was in den nächsten Jahren so passiert. Ich denke der chinesische Markt selbst wird den export Überschuss kompensieren)

Bei Alu- und Stahlhalbzeugen, Investitionsgütern und Industrie- und Rohprodukten?
Träumen sie weiter...

16.03.2018 21:35 Muhamed_lee 5

Mal schauen was in den nächsten Jahren so passiert. Ich denke der chinesische Markt selbst wird den export Überschuss kompensieren das war auch 2008 in der finanzkrise der Fall. Eine andere Variante was in der Regel auch für china immer funktioniert hat sind exporte über mittelsländer wie Kanada oder Mexiko in die USA zu exportieren. Auch bin ich der Meinung das ein handelskrieg eher zugunsten für china aus geht statt der USA da china schon längst überall auf der welt politische Zugeständnisse mit Ländern abgeschlossen hat so dass sie bei überkapzitäten in der Wirtschaft ein leichtes wäre diese einfach abzusetzen wie zb in Afrika oder Südamerika im schlimmsten Fall für mich persönlich in der EU. Da wir gerade bei der EU sind die seit Jahrzehnten keine einheitliche china Politik verfolgt rate ich dringend: entweder verhaltet euch so unglobalisiert wie und unserer trans atlantischer Partner der nicht zuvergessen auch gegen uns schießt oder investiert mehr in Bildung und Forschung. 4 Kids

16.03.2018 19:47 Max W. 4

@16.03.2018 11:30 Michael Möller (dann kommt die Frage auf wieso lassen unsere Politiker es zu das China unsere Firmen kaput macht siehe Solarindustrie und andere.)

Da fragen sie am besten den Genossen Steinbrück, jetzt bei der DiBa erreichbar. Er hat sich nach vollbrachtem Werk im Auftrag der Banken aus dem politischen Betrieb auf einen lukrativen Posten bei der DiBa zurückgezogen. Das vermeidet praktischerweise auch unangenehme Fragen zu seiner politischen Agenda, die sehr sehr leicht zum berühmten K-Wort führen könnten. Und dem hätten Genosse Steinbrück et al. wenig bis garnichts entgegenzusetzen. Der Name Steinbrück ist dabei nur ein Platzhalter für die gesamte politische Klasse Schlands, da können sie ganz sicher sein - da reicht ein Blick auf den VW-Betrug.

16.03.2018 19:42 Max W. 3

Guter Artikel, der sich wohltuend von dem moralisierenden staatsaffinen Geschrei üblicher medialer Machart unterscheidet. Denn genau das ist natürlich das Hauptziel möglicher US-Zölle: China. Und solche Handelseinschränkungen würden die chinesische Wirtschaft in's Mark treffen und zugleich Europa in Schwierigkeiten stürzen, denn das nächste Exportziel nach dem dann einfuhrzollbewehrten US-Markt wäre die EU.
Das kommt davon, wenn man eine Merkel und ihre willenlos marktaffine "Wirtschaftspolitik" wiederholt wiederwählt. Die relevanten Prozesse vollziehen sich subjektiv langsam - dafür aber mit unerbittlicher Logik. Die Schröderlinge haben vor knapp 20 Jahren die politische und staatliche Kontrolle der Märkte und vor allem der Kapitalmärkte für 30 Silberlinge faktisch verkauft - jetzt macht uns jemand vor, was man tun muss und auch kann(!), wenn die Schieflage zu gross wird. Und wir werden die Zeche zahlen...

16.03.2018 18:26 Sabine Sonntag 2

Danke für den guten Artikel. Das erste mal, das jemand erklärt, dass T nicht blöd ist.

16.03.2018 11:30 Michael Möller 1

also ich muß sagen sehr gut erklärt und sehr informativ dieser Artikel , wieso schaffen das nicht alle Journalisten und zwar ohne große Worte damit auch jeder versteht was wirklich Sache ist. und dann kommt die Frage auf wieso lassen unsere Politiker es zu das China unsere Firmen kaput macht siehe Solarindustrie und andere.