Carlos Ghosn, Renault-Nissan-Chef, gestikuliert bei einem Interview.
Auto-Manager Carlos Ghosn. Bildrechte: dpa

Carlos Ghosn Neue Vorwürfe gegen inhaftierten Auto-Topmanager

Mit eiserner Hand konstruierte der Manager Carlos Ghosn die Konzern-Allianz aus Renault, Nissan und Mitsubishi. Doch seit Ende letzten Jahres sitzt Ghosn in Japan in Haft. Die dortigen Behörden werfen ihm Untreue vor.

Carlos Ghosn, Renault-Nissan-Chef, gestikuliert bei einem Interview.
Auto-Manager Carlos Ghosn. Bildrechte: dpa

Die japanische Staatsanwaltschaft hat neue Vorwürfe gegen den ehemaligen Nissan-Chef Carlos Ghosn erhoben. Der Automanager müsse sich nun auch wegen zu niedriger Angaben seines Einkommens zwischen 2015 und 2018 verantworten, teilte das zuständige Gericht in Tokio am Freitag mit. Während der Finanzkrise soll Ghosn zudem gegen weitere Unternehmensgesetze verstoßen haben, indem er Verluste aus Devisen-Geschäften auf den japanischen Konzern übertragen habe.

Ghosn war am 19. November 2018 festgenommen worden. Am 10. Dezember wurde Anklage erhoben, weil Ghosn auch in den Jahren 2010 bis 2015 ein zu niedriges Einkommen deklariert haben soll. Zudem soll er sich persönlich an Firmenkapital von Nissan bereichert haben.

Richter sieht Flucht- und Verdunklungsgefahr

Ghosns Anwälte erklärten am Freitag, eine Freilassung Ghosns auf Kaution fordern zu wollen. Sie räumten aber ein, dass eine Freilassung des 64-jährigen Managers, der einen brasilianischen, einen libanesischen und einen französischen Pass besitzt, bis zu Beginn eines Prozesses unwahrscheinlich sei. Der Richter begründete die lange Untersuchungshaft des Managers damit, dass Fluchtgefahr bestehe und Ghosn Beweismittel vernichten könnte.

Der Fall des schillernden Topmanagers erregt in Frankreich und Japan große Aufmerksamkeit. Bei Renault ist Ghosn formell immer noch Vorsitzender des Verwaltungsrats. Bei Renault seien in Bezug auf die Gehälter des Managers bisher keine Unregelmäßigkeiten festgestellt worden, teilte das Unternehmen mit.

Fieber in Haft

Ghosn sitzt in dem berüchtigten Tokioter Gefängnis Katsushika ein. Den Inhaftierten stehen dort nur extrem kleine und spartanisch eingerichtete Zellen zur Verfügung. Wie die Anwälte des Managers mitteilten, war Ghosn zuletzt gesundheitlich angeschlagen, er soll unter Fieber gelitten haben.

Tokyo Detention House, in dem Carlos Ghosn, der abgesetzteVorsitzende der Nissan Motor Co., einsitzt, nachdem er am 19. November wegen mutmaßlichen finanziellen Fehlverhaltens festgenommen worden war.
Furchteinflößendes Gefängnis: das "Tokyo Detention House" in Katsushika, Tokio. Bildrechte: dpa

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 31. Dezember 2018 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. Januar 2019, 08:49 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

1 Kommentar

11.01.2019 15:56 Fragender Rentner 1

Na da haben sie aber lange benötigt um uns einen Sündenbock zu präsentieren. :-(