Der LNG (Liquefied Natural Gas) Frachter Arctic Voyager liegt im Hafen von Rotterdam.
Ein LNG-Tankschiff im Hafen von Rotterdam. Bildrechte: dpa

Fragen und Antworten Der Kampf um den deutschen Gas-Markt

Durch den Kohleausstieg wird Gas für Deutschland an Bedeutung gewinnen, gleichzeitig sorgt es aber für Konflikte. Die USA wollen in Europa Flüssiggas aus Schiefervorkommen verkaufen, Russland konventionelles Erdgas herpumpen. Die wichtigsten Fragen zum deutschen Gas-Markt.

Der LNG (Liquefied Natural Gas) Frachter Arctic Voyager liegt im Hafen von Rotterdam.
Ein LNG-Tankschiff im Hafen von Rotterdam. Bildrechte: dpa

Die USA wollen den europäischen Gasmarkt mit Flüssiggas in Form von "LNG" beliefern. Dafür müssten bestimmte Voraussetzungen geschaffen werden.

Was ist LNG?

LNG ist superkaltes Erdgas, das bei einer Temperatur von minus 162 Grad Celsius nur noch einen Bruchteil des gasförmigen Volumens ausmacht. Europa gilt als interessanter Absatzmarkt, doch bisher hält sich die Nachfrage noch in Grenzen: In Deutschland gibt es bislang keinen LNG-Terminal, Anlagen in anderen europäischen Ländern sind nicht ausgelastet. Der Hunger nach Gas wird durch die bestehenden Gaspipelines - etwa aus Russland - gestillt. Hier wird kein LNG, sondern CNG, also durch Druck komprimiertes, aber noch immer gasförmiges Erdgas transportiert.

Das will Deutschland:

In erster Linie will Deutschland günstiges Gas. Da die Gasquellen in Deutschland und Europa in den kommenden Jahren weiter zurückgehen werden, muss immer mehr importiert werden. Gas gehört in Deutschland zu den wichtigsten Brennstoffen beim Heizen, wo der Anteil bei etwa 50 Prozent liegt. Auch in der Stromproduktion spielt Gas im Zuge der Energiewende eine immer wichtigere Rolle. Zuletzt lag der Anteil bei etwa 13 Prozent.

Beim geplanten Kohleausstieg sollen weniger klimaschädliche Gaskraftwerke einspringen. Ein eigenes LNG-Terminal wäre dabei hilfreich, auch weil es die Abhängigkeit von Russland verringert. Ideen für ein Terminal gibt es für Wilhelmshaven, Rostock, Stade und Brunsbüttel.

Das wollen die USA:

In den USA wird durch Fortschritte in der Fracking-Technologie seit Jahren mehr und mehr Erdgas gefördert. Die USA suchen daher verstärkt nach Abnehmern von Gas. Durch Fortschritte im Transport von LNG mit großen Tankschiffen ist Europa ein interessanter Wachstumsmarkt für die USA geworden. Daher auch die ablehnende Haltung gegenüber der Gaspipeline Nord Stream 2 aus Russland nach Deutschland.

Das will Russland:

Eine Anlage für verflüssigtes Erdgas in Sabetta.
Eine Anlage für verflüssigtes Erdgas im russischen Sabetta. Bildrechte: imago/ITAR-TASS

Russland will weiterhin sein Erdgas nach Europa und Deutschland verkaufen. Daher hat es kein Interesse daran, dass Deutschland über ein eigenes LNG-Terminal direkten Anschluss an den LNG-Markt bekommt. Für Russland ist Deutschland als weltweit größter Brutto-Importeur von Gas ein wichtiger Handelspartner. Rund 125 Milliarden Kubikmeter werden laut neuester Zahlen der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe jährlich importiert. Die einzigen Konkurrenten für russisches Gas sind in Deutschland die Niederlande, mit einem LNG-Terminal in Rotterdam, und Norwegen.

Das will der Rest Europa:

Kritiker in der EU befürchten ohne eine stärkeren LNG-Anteil am Gasmix eine immer größere Abhängigkeit von Russland, das unter Präsident Wladimir Putin Gas auch schon als politisches Druckmittel eingesetzt hat. So hatte Putin im Streit mit der Ukraine bereits mehrfach den Gas-Hahn abgedreht.

Die Ukraine zählt seit jeher zu den größten Gegnern von Nord Stream 2, hat aber auch wenig Interesse an einem LNG-Terminal in Deutschland. Als derzeitiges Gas-Transitland fürchtet die Ukraine um Einnahmen in Milliardenhöhe, sollte Russland Gas künftig hauptsächlich durch die Ostsee nach Westen liefern und Deutschland zudem LNG aus Übersee bekommen.

Auch Polen fühlt sich in Sachen Nord Stream 2 übergangen, denn auch hier drohen Verluste bei Transitzahlungen. Polen hat daher bereits in ein eigenes LNG-Terminal investiert und dürfte wenig Interesse daran haben, mit einem deutschen Terminal auch auf diesem Markt Konkurrenz im Westen zu bekommen.

Treffen: Merkel und Putin Nord Stream 2: Die Interessen

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Die Gaspipeline Nord Stream 2 von Russland durch die Ostsee nach Deutschland spaltet die Welt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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Die Gaspipeline Nord Stream 2 von Russland durch die Ostsee nach Deutschland spaltet die Welt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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Russland und auch Deutschland profitieren von dem Projekt. Die einen wollen mehr Gas exportieren,... Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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...die anderen (Deutschland) wollen zum zentralen Empfänger- und Verteiler von russischem Gas weltweit werden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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Allerdings will Deutschland seinen ukrainischen Partner nicht verärgern und macht sich daher für den Transitstatus der Ukraine stark. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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Doch die Ukrainer sehen das äußerst skeptisch. Schließlich geht es für das devisenarme Land um viel Geld - jährlich zwei Milliarden Euro. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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Auch das Baltikum ist gegen das russisch-deutsche Projekt. So hat Estland einen Stopp der Gaspipeline gefordert. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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Ebenfalls kritisch sieht die EU das Projekt... Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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...und verweist auf mögliche Konflikte und die Abhängigkeit Europas von Russland. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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Davor warnt auch US-Präsident Trump. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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Er fürchtet einen russischen Machtgewinn und schließlich will sein Land selbst Flüssiggas nach Europa verkaufen,... Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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...zum Beispiel nach Polen. Die haben reagiert und ein Flüssiggas-Terminal gebaut. (Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL am 17.08.18, 17.45 Uhr) Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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Die Gaspipeline Nord Stream 2 von Russland durch die Ostsee nach Deutschland spaltet die Welt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 12. Februar 2019 | 06:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. Februar 2019, 07:06 Uhr