Unkrautvernichter Monsanto soll Glyphosat-Studien mitfinanziert haben

Wie gefährlich ist der Unkrautvernichter Glyphosat? Darüber gibt es ganz unterschiedliche Untersuchungen. Brisant: Einen Teil davon bezahlte der Hersteller Monsanto selbst, wie interne Dokumente zeigen.

Ein Landwirt besprüht mit einer Feldspritze ein Feld.
Ein Landwirt besprüht ein Feld mit Unkrautvernichter. Bildrechte: dpa

Der Hersteller des Unkrautvernichters Glyphosat, Monsanto, hat offenbar sowohl in den USA als auch in Deutschland Studien über die vermeintlichen ökonomischen und ökologischen Vorteile des Mittels selbst finanziert. Wie das ARD-Magazin "Monitor" und der Verein LobbyControl herausfanden, hat Monsanto in Deutschland mindestens zwei Studien mitbezahlt.

Darin gehe es um Untersuchungen des Agrar-Ökonomen Michael Schmitz, der 20 Jahre lang Sachverständiger des Bundeslandwirtschaftsministeriums gewesen sei und bis 2015 an der Universität Gießen gelehrt habe.

Studie laut Urheber "nicht zu beanstanden"

In der ersten der beiden Studien von 2011 erkannte Schmitz eine wirtschaftlichen Nutzen von Glyphosat. Ein Verzicht auf Glyphosat käme Deutschland und die EU teuer zu stehen. In der zweiten Studie von 2015 kam er mit Kollegen zu dem Schluss, dass der Glyphosat-Einsatz ökologisch von Vorteil sei. Er schone den Ackerboden und senke den CO2-Ausstoß. 

Dass Monsanto die Studien finanziell unterstützte, gab Schmitz bei der Veröffentlichung nicht an. Er betonte nun, die Arbeiten seien wissenschaftlich nicht zu beanstanden. Ulrich Müller von LobbyControl hält die verdeckte Finanzierung laut "Monitor" für gefährlich. "Die Studien liefern den Glyphosat-Herstellern zentrale Argumente, die sie in ihrer Lobbyarbeit verwendet haben", sagt er.

Monsanto seit 2018 Teil von Bayer

Monsanto ist der Produzent von Glyphosat, das im Verdacht steht, krebserregend zu sein. Das US-amerikanische Unternehmen war 2018 für 63 Milliarden Dollar vom deutschen Chemiekonzern Bayer gekauft worden. Bayer teilte auf ARD-Anfrage mit, es gebe keinen Anlass, am Studieninhalt zu zweifeln.

Es ist nicht das erste Mal, dass Monsanto für die Art und Weise seiner Einflussnahme auf die Glyphosat-Debatte Kritik einstecken muss. So war in diesem Frühjahr bekannt geworden, dass Monsanto in den Jahren 2016 und 2017 geheime Listen von Glyphosat-Gegnern geführt hatte. Dafür entschuldigte sich Bayer später.

Firmenzentrale Bayer 6 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Im Streit um Glyphosat sammelte Monsanto weit über das übliche Maß hinaus Informationen zu Politikern, Forschern und Journalisten.

FAKT Di 21.05.2019 21:45Uhr 05:52 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 05. Dezember 2019 | 13:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 05. Dezember 2019, 13:54 Uhr