OPEC Haus
Die Macht der Opec hängt immer davon ab, wie hoch ihr Anteil am Rohölmarkt ist. Bildrechte: IMAGO

Das Öl-Kartell Wie mächtig ist die Opec?

Der Preis für Rohöl aus den Opec-Ländern ist zuletzt wieder gestiegen – auf gut 76 US-Dollar je Barrel. Um den Preis zu stabilisieren, hatten die Opec-Staaten sowie Russland und Saudi-Arabien bereits Ende 2016 die Fördermengen gedrosselt. Nun kommt hinzu, dass der Iran nach dem Ausstieg der USA aus dem Atomdeal weniger Öl exportieren kann. Welche Macht hat die Opec heute über den Ölmarkt?

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Die Macht der Opec hängt immer davon ab, wie hoch ihr Anteil am Rohölmarkt ist. Bildrechte: IMAGO

Die Organisation Erdöl exportierender Länder (Organization of Petroleum Exporting Countries - Opec) wurde am 14. September 1960 von Saudi-Arabien, Kuwait, dem Irak, Iran und Venezuela gegründet. Später schlossen sich die Vereinigten Arabischen Emirate, Qatar, Algerien, Libyen, Angola, Nigeria, Gabun und Ecuador an - aktuell sind es 13 Mitglieder.

Ziel des Bündnisses war damals, den internationalen Ölkonzernen entgegenzuwirken, die das Geschäft dominierten und die Preise diktierten. Sitz der Organisation ist Wien.

Die Opec-Staaten produzieren etwa 40 Prozent des globalen Rohölangebots und verfügen über zwei Drittel aller nachgewiesenen Ressourcen. Hauptaufgabe ist es, die Erdölpolitik der Mitgliedsländer zu koordinieren und den Ölpreis zu stabilisieren. Das soll vor allem über die Festlegung von Förderhöchstmengen erreicht werden, also durch eine Verknappung des Angebots.

Erdölproduktion 2017 (Quelle: Statista.com)
Land Ölförderung in Mio. Barrel pro Tag
1. USA 13,1
2. Saudi-Arabien 12,0
3. Russland 11,3
4. Iran 5,0
5. Kanada 4,8
6. Irak 4,5
7. VAE 3,9
8. China 3,8

Allerdings waren sich die Opec-Länder in der Vergangenheit häufig nicht einig, was die Wirkung des Kartells schmälerte. Hinzu kam, dass der Westen verstärkt selbst Öl förderte, etwa in der Nordsee, und damit seine Abhängigkeit vom Opec-Öl reduzierte.

Inzwischen sind auch die USA durch den Ausbau der Schieferölförderung wieder zum Großproduzenten geworden. Dennoch spielt die Opec weiter eine große Rolle in der Weltwirtschaft. Und ihre Bedeutung könnte angesichts großer Ölreserven wieder steigen.

Das Kartell und seine Organe

Die Opec besteht aus drei Gremien: der Konferenz, dem Direktorium und dem Sekretariat. Die Konferenz als höchstes Organ formuliert die allgemeine Politik der Organisation. Jedes Mitgliedsland hat unabhängig von der Größe und Ölfördermenge eine Stimme. Entscheidungen werden einstimmig gefällt. Jedoch gibt es keine interne Regelungen zur Sanktionierung von Mitgliedern, die der gemeinsamen Strategie nicht folgen.

Welche Ölmenge die Mitgliedsstaaten innerhalb eines bestimmten Zeitraums produzieren dürfen, wird mithilfe eines Quotensystems festgelegt. In der Regel finden zweimal im Jahr Treffen der Mitglieder statt, bei denen die Förderquoten den Entwicklungen des Ölmarktes angepasst werden.

Ölkrisen und Preisfaktoren

In der Vergangenheit nahm die Opec wiederholt Einfluss auf die internationale Politik und die Weltwirtschaft. Aus Protest gegen die Unterstützung westlicher Staaten für Israel während des Jom-Kippur-Krieges drosselten alle arabischen Mitgliedsstaaten 1973 die Produktion und den Export von Erdöl um rund fünf Prozent. Innerhalb kürzester Zeit stieg der Preis für ein Barrel (159 Liter) von rund drei auf über fünf US-Dollar; 1974 dann sogar auf zwölf US-Dollar. Es kam zu einer weltweiten Rezession.

Ende der 1970er-Jahre drosselte die Opec die Förderung erneut, der Ölpreis stieg bis 1981 auf 38 US-Dollar je Barrel. Die Ölkrise und Rezession in den 80er-Jahren war durch den Krieg zwischen den Opec-Ländern Iran und Irak und später durch die Finanzkrise in Japan geprägt.

Nach der Jahrtausendwende stabilisierte sich der Ölpreis und stieg auf den Rekordpreis von knapp 150 Dollar je Barrel. Doch mit der weltweiten Finanzkrise 2008 brach die Nachfrage wieder ein. Der Ölpreis erholte sich in der Folge dann wieder auf Preise oberhalb 100 Dollar, sackte 2015 jedoch auf unter 50 und 2016 sogar auf unter 30 Dollar ab. Seitdem schwanken die Preise um die 50 Dollar.

Einflussverlust oder Taktik?

Trotz des massiven Ölpreisverfalls senkte die Opec ihre Förderquoten jahrelang nicht. Dafür gibt es verschiedene Erklärungsansätze. Zum einen drohte der Opec bei einer Drosselung ihrer Förderung der Verlust von Marktanteilen an andere Produzenten. Außerdem versuchen die Opec-Staaten möglicherweise, kostenintensivere alternative Förderquellen wie das Fracking aus dem Markt zu drängen.

Ende 2016 einigten sich die Opec-Staaten dann erstmals seit acht Jahren wieder auf eine Reduzierung der Ölproduktion. Das Kartell vereinbarte zunächst für sechs Monate die Gesamtförderung um etwa drei Prozent auf 32,5 Millionen Barrel täglich zu begrenzen. Inzwischen vereinbarten auch Russland und Saudi-Arabien eine weitere längerfristige Drosselung der Förderung, um den Preis zu stabilisieren.

Zuletzt aktualisiert: 03. Mai 2018, 13:55 Uhr