Illegales Müllgeschäft Deutschland exportiert Plastikmüll in ärmere Länder

Vom Milchkarton oder der Zahnpastatube bis hin zu Ölflaschen oder Elektroschrott – jährlich werden Millionen Tonnen Müll aus reichen westlichen Nationen in ärmere Länder geschifft, der dort die Umwelt ruiniert. Dabei ist der Export zum Beispiel von verunreinigtem oder verdrecktem Plastikmüll eigentlich verboten. Länder wie Malaysia oder Indonesien wehren sich nun aber offenbar mit schärferen Kontrollen dagegen. Welche Folgen könnte das haben?

Im Hafen der indonesischen Stadt Batam stehen zurzeit zehn Container mit Müll aus Deutschland. Mit Schuhen, Windeln, verdreckten Dosen und Bechern. In neun Containern befänden sich auch giftige Abfälle, sagt ein Mitarbeiter der indonesischen Zollbehörde. Mitte Juni waren die Container per Schiff angekommen und dem Zoll durch ihren Gestank aufgefallen.

Wer den Müll trotz internationalen Verbots nach Indonesien verschifft hat, weiß der indonesische Zoll noch nicht. Es werde noch ermittelt, sagt der Mitarbeiter. Auch die deutschen Behörden haben keinerlei Informationen. Harald Junker vom Umweltbundesamt will zu den Containern nichts sagen: "Weil uns die Behörden in diesen Ländern noch nicht informiert haben."

Kein Einzelfall

Bis zu eine Million Tonnen Plastikmüll werde jährlich aus Deutschland in ärmere Länder exportiert, meist nach Südostasien und Indien, schätzen Naturschützer. Dort sind saubere Kunststoffabfälle begehrt, weil sie sich legal aufbereiten und weiter verkaufen lassen.

Doch offenkundig blüht auch das illegale Müllgeschäft. Das heißt: Deutsche Firmen bezahlen dafür, ihren verdreckten und giftigen Müll in ärmeren Ländern loswerden zu können, wo er meist in freier Natur abgekippt oder verbrannt wird.

Das ist offenbar billiger, als den Müll in Deutschland aufzubereiten. Wie das trotz regelmäßiger Kontrollen möglich ist, kann Harald Junker vom Umweltbundesamt nicht erklären. "Es ist allerdings so, dass alle Exporte, die über die EU-Grenzen hinausgehen, vom Zoll kontrolliert werden. Es wird schon eine ganze Menge kontrolliert."

Maßnahmen dagegen

China hat den Müllimport kürzlich generell verboten und nun landet verdreckter Müll auf illegalen Wegen immer häufiger in anderen asiatischen Ländern. Und die wehren sich laut Michael Jedelhauser vom Naturschutzbund Deutschland zunehmend durch bessere Kontrollen und schärfere Gesetze.

"Das ist etwas, was wir tatsächlich momentan beobachten. Dadurch, dass Länder wie Malaysia oder Indien nun auch zunehmend ihre Grenzen dichtmachen wollen, sucht sich der Plastikmüll sofort wieder den neuesten günstigsten Weg," erklärt Jedelhauser. Seiner Ansicht nach werden das in Zukunft vor allem die Türkei oder afrikanische Länder zu spüren bekommen.

Verstärkt werden sich die Bundesrepublik oder andere europäische Länder aber auch selbst um ihren Müll kümmern müssen, glaubt Michael Jedelhauser. Mit anderen Worten: Verdreckter Restmüll wird nicht mehr so einfach exportiert werden können und müsste dann stattdessen in Deutschland verbrannt werden.

Müllverbrennung in Deutschland

Das wäre auch kein Problem: Laut Umweltbundesamt sind die deutschen Müllverbrennungsanlagen kaum ausgelastet. Ironischerweise müssen auch sie jährlich Millionen Tonnen Müll aus anderen Ländern importieren, um wirtschaftlich arbeiten zu können. Peter Kurth, der Präsident des deutschen Verbands der Entsorgungswirtschaft BDE, sagt daher:

"Sollten jetzt einige Mengen nicht mehr nach Asien gebracht werden können, dann würden sie in der Tat verbrannt werden. Das ist aber auch nicht wirklich problematisch. Ich sehe hier keine Situation, die uns überfordern würde. Aber dass wir hier über nennenswerte Größenordnungen reden, halte ich für völlig ausgeschlossen."

Der Zoll in der indonesischen Hafenstadt Batam hat übrigens bereits angekündigt, die zehn Container nach Abschluss der Ermittlungen nach Deutschland zurückzuschicken.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 18. Juli 2019 | 06:54 Uhr

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19 Kommentare

18.07.2019 21:36 Jürgen Förster 19

Man darf das nicht so negativ sehen.
Wenn wir Mio. Tonnen Müll um die Welt schippern und gleichzeitig Mio. Tonnen Müll importieren sichert das schließlich auch Arbeitsplätze im Frachtgewerbe.
Das ist doch wieder einmal der Beweis, das der Kapitalismus das beste und effektivste aller denkbaren Wirtschaftssysteme ist.

18.07.2019 20:29 Mane 18

Nr.17. Wir trennen Plaste auch ,aber es wird jedes Jahr teurer.

18.07.2019 17:37 Fragender Rentner 17

Was ist da nur neu daran?

Machen sie doch schon über sehr viele Jahre so !!! :-(((

Dafür sollen wir doch auch die Plaste trennen.

18.07.2019 13:48 Mane 16

Es müßte doch jeden auffallen, was Deutschland für ein Land ist,mit dieser Regierung.

18.07.2019 11:17 Ekkehard Kohfeld EU - Wahl NRW SPD -14,5 % Ihr werdet immer weniger :-) 15

@ Klartext 13 Zehn!!! Container, wegen dem stinkenden Geruch erst aufgefallen..... Mit ZEHN!!! Containern will man uns wiedermal eine SCHULD einreden!
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ZEHN die man entdeckt hat,schon mal die Bericht über das verschieben von alten Autos gesehen,oder wo unser angeblich recycelter Elektronikschrott landet oder gar ganze Ozeanriesen zum ausschlachten und wie pro­fes­si­o­nell das dann gemacht wird,aber hier den Retter der Umwelt spielen,was für eine verarsche.Und in Afrika der Welt auf links drehen für E-Autos mit Kinderarbeit.Ihr seid wirklich Umweltschützer vom Feinsten.Oder sollte ich lieber Lemminge sagen die sich ständig hinters Licht führen lassen?

18.07.2019 10:41 Michael Möller 14

interessanter Artikel der einmal mehr auf zeigt wie hier der Staat und seine Behörden total versagen. denn wie kann es ein das diese Container bzw. das betreffende Schiff eine Erlaubnis erhalten hat werden diese nicht kontrolliert oder warum zahlen wir Bürger für diesen Gelben Sack wenn diese Müll dann illegal verschifft wird. da muss man sich als Bürger mal Fragen was treiben die Behörden und die Politiker in der Regierung eigentlich wirklich .

18.07.2019 10:36 Klartext 13

Zehn!!! Container, wegen dem stinkenden Geruch erst aufgefallen..... Mit ZEHN!!! Containern will man uns wiedermal eine SCHULD einreden! So wie jetzt schon mit dem Klima, besser Wetter (In Afrika ist es warm! OJE!!!!) die kommenden regelmäßigen "Flüchtlings"ströme nach DEUropa erklärt. Für wie dumm haltet IHR uns eigentlich?! Wenn ein Schuldiger gesucht wird, sollte man erstmal bei Nestle und Co. anklopfen, die in der Dritten Welt den Zugang zu natürlichem Wasser systematisch be- und verhindern, damit der Kauf ihres überteuerten Plastikwassers ungehindert läuft. Der meiste Plastikmüll in den Meeren kommen den Mekong, den Nil und Amazonas hinunter. Ohne Plastik, auch aus der Gelben Tonne, hätten unsere überdimensionierten Müllverbrennungen keine Heizmasse. Nebenbei: Wie ist eigentlich die CO2-Bilkanz des mio.-fachen Zuzuges von Dritteweltlern nach DEU???

18.07.2019 10:06 Jan 12

Das beste ist es, wenn man so wenig Plastikmüll produziert.
Und der Müll, den ein Land produziert, sollte es auch selber entsorgen und nicht exportieren dürfen.

18.07.2019 09:44 Mane 11

Es gibt genug,die daran verdienen.Was wird dagegen gemacht ,da es ja bekannt ist? Nichts! Aber Steuern auf Umwelt ,Klima usw.Fangt hier an in Deutschland an und nicht in andere Länder ,die Ursachen zu beseitige.Geht aber nicht,keine Kohle.

18.07.2019 09:34 Ekkehard Kohfeld EU - Wahl NRW SPD -14,5 % Ihr werdet immer weniger :-) 10

@ Ureinwohner 6
ILLEGALES MÜLLGESCHÄF -TDeutschland exportiert Plastikmüll in ärmere Länder.Bitte genauer .Wer soll in diesem Fall Deutschland sein ? Seit wann übernimmt der Staat die Müllentsorgung ?
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In welcher Filterblase leben sie den,in vielen Gemeinden
obliegt die Müllentsorgung der Gemeinde (dem Staat)
so auch die Aufsicht darüber,oder was machen die sonst den lieben langen Tag bei uns im Rathaus nennt sich das z.B. Abfall / Umwelt.