Anzeigetafel am Flughafen Tegel mit gestrichenem Niki-Flug.
Anzeigetafel am Flughafen Tegel mit gestrichenem Niki-Flug. Bildrechte: dpa

Insolvenz von Air-Berlin-Tochter Insolvenzverwalter: Entschädigung für fast alle Niki-Kunden

Nach dem Aus für den österreichischen Ferienflieger Niki hängen tausende Passagiere im Ausland fest, hunderttausende Tickets drohten zu verfallen. Doch laut Insolvenzverwaltung gibt es für die meisten Kunden eine Lösung.

Anzeigetafel am Flughafen Tegel mit gestrichenem Niki-Flug.
Anzeigetafel am Flughafen Tegel mit gestrichenem Niki-Flug. Bildrechte: dpa

Für die meisten Kunden der insolventen Fluggesellschaft Niki zeichnet sich eine Lösung ab. Wie Insolvenzverwalter Lucas Flöther am Donnerstagnachmittag mitteilte, sollen fast alle Ticketkäufer den gezahlten Flugpreis zurückerhalten oder umgebucht werden. Das betreffe Kunden, die ihre Tickets direkt bei Niki oder über ein Flugportal gekauft haben.

Demnach wird der Preis voraussichtlich voll erstattet, sofern die Tickets nach dem Insolvenzantrag von Air Berlin Mitte August erworben wurden. Hintergrund ist, dass die Einnahmen von Niki seitdem auf ein Treuhandkonto geflossen sind und somit zurückgezahlt werden können.

Mehrere Airlines wollen helfen

Auch für Niki-Kunden in ihren Ferienorten gibt es Hoffnung. Mehrere Fluggesellschaften haben angekündigt, Betroffenen kurzfristig Sonderkonditionen für noch verfügbare Sitzplätze in Rückflügen anzubieten. Das gilt für Reisende, die ihren Flug selbst gebucht haben. Sie können sich an die Informationsschalter der Fluglinien an den Flughäfen oder an die Telefon-Hotlines wenden.

  • Condor: www.condor.com / Tel. +49(0)180 6 767767
  • Eurowings: www.eurowings.com / Tel. +49 (0)180 6 320 320
  • Germania: www.flygermania.com / Tel. +49(0)30 92033242
  • Lufthansa, Austrian Airlines, Swiss: www.lufthansa.com / Tel. +49 (0) 69 86 799 799  
  • TUIfly: www.tuifly.com / Tel. +49(0)180 6 000120

Für Pauschalreisende, die Flug und Hotel im Paket gebucht haben, sind die jeweiligen Reiseveranstalter zuständig. Sie müssen den Rückflug organisieren. Dafür müssten die Veranstalter neue Maschinen chartern - was in der Vorweihnachtszeit jedoch schwierig wird, wie der Branchenverband BDL warnt. Wurden die Flugtickets in einem Reisebüro oder als Teil einer Pauschalreise erworben, so sind sie in aller Regel über Reisesicherungsscheine versichert.

Hunderttausende Kunden betroffen

Bis zum 31. Dezember haben nach Angaben des vorläufigen Insolvenzverwalters Flöther knapp 40.000 Passagiere ihren Heimflug mit Niki geplant. Rund 15.500 von ihnen haben selbst gebucht, rund 25.500 über Reiseveranstalter und Reisebüros. Rund 200.000 Einzeltickets wurden für Flüge bezahlt und ausgestellt, die noch nicht stattgefunden haben. Hinzu kommen mehr als 210.000 über Reiseveranstalter und Reisebüros gebuchte Flug-Tickets.   

Zuvor hatte die österreichische Tageszeitung "Die Presse" berichtete, rund 800.000 bereits verkaufte Tickets seien nun wertlos. Laut österreichischem Verkehrsministerium werden in den kommenden zwei Wochen rund 5.000 Niki-Reisende zunächst ohne Rückflug dastehen. Die Regierung in Wien kündigte staatliche Hilfen für den Rücktransport der Betroffenen an. Man wolle notfalls die Lufthansa-Tochter Austrian Airlines mit Charterflügen beauftragen, erklärte ein Sprecher des Verkehrsministeriums.

EU-Kommission verhindert Übernahme

Nach der gescheiterten Übernahme der Air-Berlin-Tochter Niki durch die Lufthansa hat die österreichische Fluggesellschaft einen Insolvenzantrag gestellt und den Flugbetrieb eingestellt. Die Lufthansa zog wegen kartellrechtlicher Bedenken der EU-Kommission ihr Angebot zurück. Die Kranich-Airline begründete den Schritt damit, dass eine schnelle Freigabe des Erwerbs durch die Brüsseler Behörde nicht zu erwarten sei. Der im Oktober geschlossene Kaufvertrag könne deshalb nicht vollzogen werden.

Kritik an Brüssel

Niki und ihr Mutterkonzern Air Berlin kritisierten die EU-Kommission für ihre Haltung. Niki-Geschäftsführer Oliver Lackmann bezeichnete das Ende der Airline als "nationales Desaster für Österreich". Air Berlin-Generalbevollmächtigter Frank Kebekus sagte: "Die Position der Europäischen Kommission ist nicht nachvollziehbar."

Laut Kebekus wurde nach dem geplatzten Verkauf erneut Kontakt zu anderen potentiellen Interessenten aufgenommen. Der österreichische Unternehmer und Niki-Gründer Niki Lauda erklärte erneut sein Interesse, wieder bei Niki einzusteigen. Allerdings bräuchte die Airline einen Neustart.

Von der Niki-Insolvenz sind etwa 1.000 Mitarbeiter betroffen. Der Mutterkonzern Air Berlin ist seit August insolvent und hat den eigenen Flugbetrieb bereits Ende Oktober eingestellt.

Niki Luftfahrt GmbH Die Niki Luftfahrt GmbH ist eine österreichische Fluggesellschaft mit Sitz in Wien. Sie wurde 2003 durch Formel-1-Legende Niki Lauda gegründet. Der Unternehmer übernahm damals die österreichische Tochtergesellschaft der in Konkurs gegangenen deutschen Fluggesellschaft Aero Lloyd.  Mit zwei Airbus 320 und einem Airbus 321 bot die Airline zunächst Flüge von Wien und Salzburg auf die Kanarischen Inseln, Madeira und nach Ägypten an. Flotte und Streckennetz vergrößerten sich schnell. Auch von Deutschland und der Schweiz wurden Urlaubsziele rund ums Mittelmeer angeflogen. 2004 stieg Air Berlin bei Niki ein. 2011 übernahm die deutsche Airline die Anteilsmehrheit.  Der Name Niki aber blieb erhalten.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 14. Dezember 2017 | 17:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. Dezember 2017, 13:13 Uhr

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9 Kommentare

15.12.2017 07:15 Wo geht es hin? 9

@Peter - Zitat von Ihnen: "Wie war das noch vor ein paar Tagen: Nach dem Aus von Air Berlin stiegen die Ticketpreise für Inlandsflüge massiv an.
Genau das sind die Auswirkungen, wenn ein quasi Monopolist den Markt beherrscht.
Die Reaktion der EU ist durchaus verständlich. Marktbeherrschung führt zu Nachteilen für die Verbraucher." Zitat Ende. Und das ändert sich - weil? Sie verstehen wie meist den Zusammenhang nicht. Lufthansa ist so oder so der Gewinner und wird durch Brüssel auch weiter in der Monopolstellung gestärkt. Niki ist weg, ein Konkurrent weniger und die Lufthansa stockt nun die eigene Flotte auf, um die entstandene Lücke zu füllen. D.h. - noch mehr Lufthansa. Die EU - Kommission hätte den Weg frei machen müssen, um auch andere Bieter wie die Lufthansa zum Zuge kommen zu lassen. Hat sie aber nicht! Lauda hat auch ein Angebot abgegeben - das hätte aber erneute Konkurrenz für die Lufthansa bedeutet - sehen Sie jetzt die Zusammenhänge?

14.12.2017 18:10 Peter 8

Wie war das noch vor ein paar Tagen: Nach dem Aus von Air Berlin stiegen die Ticketpreise für Inlandsflüge massiv an.
Genau das sind die Auswirkungen, wenn ein quasi Monopolist den Markt beherrscht.
Die Reaktion der EU ist durchaus verständlich. Marktbeherrschung führt zu Nachteilen für die Verbraucher.
Übrigens: Die Lufthansa ist nicht schuld, dass Air Berlin inklusive Niki Pleite sind. Also bitte, jetzt den finanziellen Schaden der Frühbucher der Lufthansa anhängen zu wollen, ist zwar einfach, aber unredlich.

14.12.2017 15:28 esSKaa 7

Es ist gut, dass EU-Behörden darauf achten, Oligo- oder gar Monopole zu vermeiden. Das schadet langfristig und wiegt mehr als 1000 Niki-Mitarbeiter. Im Zweifel wären langfristig viel mehr Menschen betroffen. Die EU ist nicht Schuld an schlechtem Wirtschaften bei Air Berlin, allerwerteste EU-Basher. Ihr macht euch lächerlich...Mal wieder

14.12.2017 13:07 OHNEWORTE 6

800.000 Tickets verlieren ihren Wert......... Das muss man sich mal reinziehen,was fuer einen Gewinnbetrag man daraus trotz allem noch gezogen hat .

Warum wird in Deutschland nicht ein Gesetz erlassen,dass die Fluggesellschaften nur berechtigt ,ueber den Ticketpreis zu verfuegen,wenn die vertragliche Leistung erbracht wurde...... Vorabkasse bei Fluggesellschaften ist richtig die legale Gebrauchsmoeglichkeit fuer Betrug.

14.12.2017 13:01 OHNEWORTE 5

Bei der Pleite Gesellschaft werden die Anteilseigner aber ein feuchtfroehliches Weihnachten und Neujahr feiern. Kasse stimmt auch bei offizieller Negativ Bilanz .....

Deutschland macht es moeglich. Man muss nur rechtzeitig den Sack legal dicht machen,und puenktlich Konkurs anmelden.Und wenn es moeglich war,noch ausreichende Foerdermittel abgreifen .....

14.12.2017 11:53 Spottdrossel 4


Zehntausende können sich also über unvorhergesehene Weihnachtstage im Ausland freuen und Tausende über genügend Freizeit zur Vorbereitung des Festes. Der EU sei es gedankt.

14.12.2017 10:12 Anton 3

So ist zu sehen, dass EU für uns mehr Schaden bringt als nutzt. Die Engländer haben Recht.

14.12.2017 10:03 Michael Möller 2

die EU verhindert die Übernahme von Niki-Air mit der Begründung wegen Wettbewerbsverzerrung . wo wird dann gegen die Wettbewerbsverzerrung durch die US-Firmen vorgegangen , die eine Monopolstellung einnehmenn ( Appel;Googel u.s.w) die auch noch nicht einmal Steuernzahlen oder nur 1%. wo ist da der Wettbewerb. das einzige was ich seh ist das 1000 Arbeiter ihren Arbeitplatz verlieren und Kunden gestrandet sind oder der Kunde sein Geld nicht mehr wieder bekommt für eine Leistung dioe er nicht mehr bekommt. das ist in meinen Augen Diebstahl durch den Staat bzw. hier durch die EU. genau wie bei den Sparern da werden wir ja auch bestollen durch die EZB und keine tut was dagegen.

14.12.2017 09:05 Prugger Maximilian 1

EU lehnt die Übernahme der Niki-air durch Lufthansa wegen Wettbewerbsverzerrung ab. Nun geht Niki-air in die Insolvenz - über 1000 Personen werden arbeitslos und 800.000 Tickets verlieren ihren wert. Die von Niki-air - Kunden voll bezahlten Ticketpreis - also Gelder für nicht erbrachte Leistungen - werden nicht zurückbezahlt sondern wandern letztlich in die Konkursmasse. Man bedient sich aus Treuhandgelder. Erneut liefert die EU eine bodenlose Schweinerei.