Die schwedische Flagge weht vor blauem Himmel im Wind.
Schweden bekämpft ungleiche Gehälter von Frauen und Männern mit Transparenz. Bildrechte: dpa

Gehälter in Schweden Schweden hat gleiche Löhne dank absoluter Transparenz

Schweden geht den Kampf gegen ungleiche Gehälter von Frauen und Männern mit Transparenz an: So dürfen nicht nur Unterlagen von Regierung, Behörden oder Gerichten öffentlich eingesehen werden, sondern auch private Daten wie die Höhe des Einkommens oder die Summe aller gezahlten Steuern.

von Carsten Schmiester, ARD-Studio Stockholm für MDR AKTUELL

Die schwedische Flagge weht vor blauem Himmel im Wind.
Schweden bekämpft ungleiche Gehälter von Frauen und Männern mit Transparenz. Bildrechte: dpa

Transparenz ist in Schweden seit mehr als 250 Jahren als "Öffentlichkeitsprinzip" in der Verfassung festgeschrieben. Es gilt für nahezu alle Unterlagen von Regierung, Behörden oder Gerichten, die jede und jeder einsehen darf - aber auch für viele private Daten wie die Höhe des Einkommens oder die Summe der gezahlten Steuern. Man kann individuelle Anfragen ans "Skatteverket" richten, ans Finanzamt, oder man macht es sich leicht und nutzt Datendienste.

Katalog verrät Einkommen und Bonität

Karin Wanngard
Die ehemalige Stockholmer Bürgermeisterin Karin Wanngard. Bildrechte: imago/PanoramiC

Im sogenannten "Ratsitkatalog" erfährt man das Einkommen und die Bonität aller Schweden. Und so weiß jeder, der es wissen will, dass es in diesem Land durchaus weibliche Spitzenverdiener gibt wie Karin Wanngård. Die 43-Jährige Sozialdemokratin war bis zur Wahl im vergangenen Herbst Bürgermeisterin von Stockholm und verdiente knapp 14.000 Euro brutto im Monat.

Sie galt als eine der Vorzeigefrauen des neuen Schwedens, wo 2016 zum ersten Mal Frauen mehr verdient haben als Männer, jedenfalls in den Topjobs öffentlicher Verwaltungen und Unternehmen. Im Schnitt bekommen Frauen umgerechnet knapp 6.500 Euro brutto, damit also etwa 100 Euro mehr als Männern in gleichen Positionen gezahlt wird.

Rund ein Drittel aller Chefsessel sind mit Frauen besetzt

Staffan Isling ist Vorsitzender der Vereinigung schwedischer Führungskräfte in öffentlichen Unternehmen und Einrichtungen. Er beschreibt die Entwicklung wie folgt:

In den vergangenen Jahren sind immer mehr Frauen auf diese Topjobs gekommen. Und das ist ja auch logisch. Etwa 70 Prozent aller öffentlichen Mitarbeiter sind weiblich.

Staffan Isling

Inzwischen sind landesweit etwa 30 Prozent der öffentlichen Chefsessel mit Frauen besetzt. Keine 50, aber immerhin drei Mal so viele wie noch vor 20 Jahren. Schweden ist also noch nicht ganz am Ziel, ihm aber doch näher als andere Länder. Das sagt unter anderem die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung OECD. Die traditionelle Transparenz der schwedischen Gesellschaft hat dazu beigetragen, dieses Problem unübersehbar zu machen. Und die "erste feministische Regierung der Welt" arbeitet weiter an der Lösung des Problems.

Kampf gegen Diskriminierung

Stefan Löfven, Ministerpräsident von Schweden, äußert sich bei einer Pressekonferenz
Stefan Löfven, schwedischer Ministerpräsident. Bildrechte: dpa

Regierungschef Stefan Löfven von den Sozialdemokraten würde seinen Job nicht freiwillig an eine Frau abgeben, aber er hat klare Vorstellungen: "Wir müssen gegen Diskriminierung und Mythen ankämpfen, die sagen, dass Frauenarbeit weniger wert ist und Frauen eigentlich ja gar keine Karriere machen wollen. Denn das stimmt einfach nicht." Löfven selbst hat aktuell jedoch andere Sorgen.

Er kämpft mit seiner nach der Wahl im Herbst deutlich geschwächten rot-grünen Minderheitsregierung im politischen Alltag gegen den Widerstand einer starken konservativen Opposition und vor allem gegen die rechtspopulistischen Schwedendemokraten.

Den Kampf für Frauen überlässt er deshalb seiner noch ziemlich neuen nationalen Gleichstellungsbehörde, der "Jämställdhetsmydigheten". Sie gehört zum Sozialministerium, soll Regierungsinitiativen effektiver machen und setzt selbst ein deutliches ein Zeichen: Mit einer Generaldirektorin, vier Abteilungsleiterinnen und damit einer komplett männerfreien Chefetage.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 17. März 2019 | 20:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. März 2019, 12:32 Uhr

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6 Kommentare

20.03.2019 07:03 kleinerfrontkaempfer 6

Gleichstellungsbeauftrage hat das glorreiche Doitschland auch. Ist halt ein zahnloser Tiger. Gut für Mäxchen Meier und Lieschen Müller auf der Straße.

18.03.2019 18:04 ewa 5

Die Regelung gilt nicht nur in Schweden. Die Skandinavier können allgemein einsehen wer was verdient.

18.03.2019 16:35 Fragender Rentner 4

Na da wird es bestimmt bald heißen, wollen wir uns nach anderen richten, wir wissen doch was die Frauen wollen!

18.03.2019 16:18 Gerd Müller 3

Danke für die Info, ich traue sie mir aber nicht anzuschauen, weil ich sonst Depressionen bekomme.

18.03.2019 14:46 Sachse 2

Spiegel-online: Frauen verdienen 21 Prozent weniger als Männer - allerdings berücksichtigt dieser allgemeine Gender Pay Gap weder Qualifikationen noch Tätigkeiten. 

D.h. dann wohl, in Schweden ist die Qualifikation,Tätigkeit und Arbeitszeit egal wenn, alle gleich verdienen.

18.03.2019 14:07 Gerd Müller 1

Was verdienen die Angestellten beim MDR, ZDF uns ARD Rundfunk?
Bitte alles öffentlich machen.
Dafür bezahlen wir doch die GEZ-Steuer, ergo haben wir doch ein Recht darauf.
Ich glaube mir kommen dann bestimmt die Tränen.

Sehr geehrter Herr Müller,
Gehälter und Vergütungen ausgewählter Berufsgruppen in den Landesrundfunkanstalten der ARD finden Sie hier: http://www.ard.de/home/die-ard/fakten/Gehaelter_und_Verguetungen_in_der_ARD/4127124/index.html
Viele Grüße, Ihre MDR.de-Redaktion]