Ein Arbeiter platziert in einer Fabrik mithilfe eines Krans eine Rolle Aluminium in einer Lagerhalle
Aluminium-Einfuhren in die USA sollen nach dem Willen von US-Präsident Trump mit zehn Prozent Zoll belegt werden. Bildrechte: dpa

Fragen & Antworten US-Schutzzölle – Auswirkungen auf die deutsche Stahlindustrie?

US-Präsident Donald Trump versucht über Schutzzölle auf alle Stahl- und Aluminiumimporte die US-amerikanische Industrie zu fördern. Die EU und China drohen mit Gegenmaßnahmen. Ein Handelskrieg hat nicht nur negative Folgen für den europäischen Markt, sondern auch für die amerikanische Wirtschaft selbst.

Ein Arbeiter platziert in einer Fabrik mithilfe eines Krans eine Rolle Aluminium in einer Lagerhalle
Aluminium-Einfuhren in die USA sollen nach dem Willen von US-Präsident Trump mit zehn Prozent Zoll belegt werden. Bildrechte: dpa

Welches Ziel verfolgt Trump mit der Einführung von Schutzzöllen?

Die Stahl- und Aluminiumproduktion in den USA ist wegen der günstigeren Auslands-Importe nicht ausgelastet. US-Präsident Donald Trump hat nun Strafzölle auf Stahl in Höhe von 25 Prozent und zehn Prozent auf Aluminium beschlossen. Mit der Einführung dieser Schutzzölle versucht er, die ausländische Konkurrenz auszubremsen. Die Idee: Durch den höheren Preis greifen US-Unternehmen wieder eher auf die Rohstoffe im Inland zurück. Trump hofft, dass dadurch die eigene Industrie wieder wächst. Die Stahl- und Aluminiumproduktion sei "das Rückgrat Amerikas" und müsse zur Sicherheit der Vereinigten Staaten geschützt werden.

Was löst Trump mit den Schutzzöllen aus?

Trumps Dekret löst derzeit eine Kette von Gegenreaktionen anderer WTO-Mitgliedsstaaten und Handelspartner aus. Die EU und zahlreiche andere Wirtschaftsnationen kündigten bereits Gegenmaßnahmen an. Die EU will zum Beispiel Zölle auf amerikanische Produkte wie Erdnussbutter, Jack Daniels und Harley-Motorräder verhängen. Trump antwortete bereits mit Vergeltungszöllen auf deutsche Autos.

Zugleich ist die EU aber an einer Ausnahmeregelung, wie es sie zum Beispiel für Kanada und Mexiko geben soll, interessiert. Ein erstes Treffen zwischen der EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström und dem US-Handelsbeauftragten Robert Lighthizer am vergangenen Wochenende brachte dazu aber kein Ergebnis. Auf Twitter forderte Malmström anschließen: "Als enger Sicherheits- und Handelspartner der USA muss die EU von den angekündigten Maßnahmen ausgenommen werden." 

Auch China protestiert gegen die geplanten Schutzzölle. Peking werde nicht "tatenlos zusehen, wenn die USA Maßnahmen ergreifen, die chinesischen Interessen schaden", sagte der Sprecher des Nationalen Volkskongresses, Zhang Yesui, Anfang März vor Journalisten in Peking.

Welche Folgen hätte Trumps Vorgehen auf den europäischen Markt?

Das gegenseitige Überbieten mit Importbeschränkungen kann in einem Handelskrieg enden. Dann müssten die Europäer nicht nur mehr für Jack Daniel's und Harley-Davidson bezahlen, sondern auch um ihre Jobs in der Stahlindustrie fürchten. Die Branche kämpft ohnehin mit Überkapazitäten und Stahlimporten zu Dumpingpreisen aus China. Durch Trumps Schutzzölle drohen große Mengen Billigstahl aus China in die EU zu fließen. Das könnte die Stahlpreise hierzulande drücken, warnt die Deutsche Stahllobby.

Trump selbst erklärte, er werde alle Vergeltungsmaßnahmen bekämpfen. Die EU habe "schreckliche Barrieren und Zölle für US-Produkte". Wenn sie diese fallen ließe, würden auch die USA ihre Handelsschranken abbauen. Wenn nicht, erklärte Trump weiter, würden auch andere Güter, darunter insbesondere europäische Autos, mit Abgaben belegt. Das wäre für deutsche Autobauer besonders heikel. Die USA sind neben China eines der wichtigsten Exportländer für deutsche Luxuswagen.

Wie sieht der Stahlmarkt in Mitteldeutschland aus?

Die Stahlerzeugung ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor in Mitteldeutschland. Zwar exportieren die Stahlwerke in Unterwellenborn, Gröditz, Riesa und Freital teilweise gar nicht oder nur sehr wenig Stahl in die USA. Sie befürchten aber indirekte Folgen durch Trumps Schutzzölle. Bricht der US-Markt weg, bekommen die mitteldeutschen Stahlwerke starke Konkurrenz – auch aufgrund der Importe aus China.

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Stahlwerke in Mitteldeutschland: Unterwellenborn, Gröditz, Riesa und Freital. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Insgesamt arbeiten fast 4.000 Menschen in der mitteldeutschen Stahlindustrie. Dazu gehören auch Unternehmen, in denen Stahl nur verarbeitet wird, wie beispielsweise in Brehna in Sachsen-Anhalt. Ob diese auch von Trumps Schutzzölle betroffen sind, ist noch unklar.

Tut Trump seinem Land damit wirklich einen Gefallen?

Amerikanische Hersteller von Autos, Haushaltsgeräten, Maschinen und Getränkedosen fürchten eine Verteuerung ihrer Produkte. US-Firmen, die bisher auf günstige ausländische Stahl- und Aluminium-Zulieferungen zurückgreifen, werden Kostensteigerungen verkraften müssen. Durch die hohen Schutzzölle werden sie gezwungen sein, den teureren Stahl und Aluminium der heimischen Hersteller zu kaufen. "Die Preise werden steigen", sagt der Verbandspräsident der Dosenfabrikanten, Robert Budway, voraus. "Dies würde am Ende die Verbraucher in den USA schädigen, die mehr für Dosengetränke und in Dosen verpacktes Essen zahlen müssten." Darüber hinaus müssten US-Firmen tiefer bei der Herstellung ihrer Produkte in die Tasche greifen. Das könnte sie weniger wettbewerbsfähig machen und langfristig auch Jobs kosten.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 09. März 2018 | 07:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. März 2018, 05:00 Uhr

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