Deutsche Automobile am Autoterminal Bremerhaven vor ihrem Export nach Übersee.
Deutsche Pkw für den Export in Bremerhaven. Bildrechte: imago/Eckhard Stengel

Handelskonflikt eskaliert Trump will 20 Prozent Zoll auf Autos aus Europa

Der Handelsstreit zwischen den USA und der EU schaukelt sich weiter hoch. Nach den europäischen Gegenmaßnahmen für die US-Sonderzölle auf Stahl und Aluminium droht US-Präsident Trump nun mit einer Zollerhöhung auf 20 Prozent für Auto-Importe aus Europa - was besonders Deutschland treffen würde.

Deutsche Automobile am Autoterminal Bremerhaven vor ihrem Export nach Übersee.
Deutsche Pkw für den Export in Bremerhaven. Bildrechte: imago/Eckhard Stengel

US-Präsident Donald Trump heizt den Handelsstreit mit Europa weiter an. Als Reaktion auf Einfuhrbarrieren für US-Produkte drohte er mit einem 20-Prozent-Einfuhrzoll auf alle europäischen Autos.

Seit Freitag gelten in der EU Sonderzölle auf bestimmte US-Produkte wie Jeans, Erdnussbutter, Whiskey und Motorräder im Gesamtwert von 2,8 Milliarden Euro. Damit reagierte Europa auf die von der US-Regierung verhängten Sonderzölle für Stahl und Aluminium.

Bei seiner Ankündigung weiterer Sonderzölle ignorierte Trump einmal mehr, dass Autos deutscher Marken in großer Stückzahl nicht nur in die USA importiert, sondern auch in den Vereinigten Staaten gebaut werden. So hat BMW sein weltweit größtes Werk in Spartanburg im US-Bundesstaat South Carolina, Mercedes-Benz hat eine große Fabrik in Tuscaloosa/Alabama, Volkswagen in Chattanooga/Tennessee.

Zoll-Differenz bei Autos ist Fakt

Trump beklagt seit Jahren die starke Präsenz deutscher Autos auf den Straßen seines Landes. In der vergangenen Woche sagte er bei einem Auftritt vor Anhängern im Bundesstaat Minnesota, Mercedes und BMW verkauften Millionen Autos in den USA. Die deutschen Konzerne würden kaum mit Zöllen belegt, während umgekehrt die EU "massive" Zölle auf US-Autos erhebe. 

Autos aus der EU werden in den USA bislang mit 2,5 Prozent Zöllen belegt, umgekehrt sind es für US-Automobile in der EU zehn Prozent. Allerdings erheben die USA 25 Prozent auf die in Amerika beliebten Pick-ups und auch auf Lkw, während diese in den EU mit durchschnittlich 14 Prozent belegt werden.

Im Herbst könnten die höheren Zölle kommen

Trump hatte im Mai beim Handelsministerium eine Prüfung in Auftrag gegeben, ob die Autoimporte aus Europa den nationalen Sicherheitsinteressen der USA schaden. Erste Ergebnisse erwartet Handelsminister Wilbur Ross Ende Juli oder im August. Bereits die Sonderzölle auf Aluminium und Stahl hatte Trump mit dem Schutz nationaler Sicherheitsinteressen begründet - was die Handelspartner für absurd halten.

Eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums verteidigte die seit Freitag geltenden Zollerhöhungen auf bestimmte US-Produkte. Der Schritt entspreche den Regeln der Welthandelsorganisation. Dagegen halte die Bundesregierung die US-Zölle "für nicht WTO-konform".  

Der französische Finanzminister Bruno Le Maire nannte die EU-Zollaufschläge eine logische Konsequenz auf den Kurs von Trump. Sie stünden für ein "entschlossenes" Europa, das seinen Prinzipien treu bleibe.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 22. Juni 2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. Juni 2018, 21:43 Uhr

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4 Kommentare

23.06.2018 01:19 Krause - "lieber nackt als rechtsextremistisch!" 4

Wenn Trump das will, dann kann er das auch machen:
er ist ja schließlich "Präsi"!

22.06.2018 22:28 Peter W. 3

Wenn man sich mal die Preispolitik deutscher Autokonzerne in den USA anschaut wird schnell klar, dass nicht die Zölle das Problem sind, sondern dass der getreue deutsche Kunde hierzulande mit im Vergleich überteuerten Neuwagenpreisen den Preiskampf auf dem US-Markt quersubventioniert. Da kostet das nahezu baugleiche US-Modell schon mal gern nur zwei Drittel des Preises in Deutschland.

22.06.2018 21:46 Markus 2

14 Prozent, 20 Prozent... Die Ziffer sind falsch, zufällig genommen wie vom Himmel. Macht lieber Zoll 100%, und zwar auf alles! Gute runde Zahl, sieht schön aus. Auch bequem zu rechnen.

22.06.2018 21:01 Wo geht es hin? 1

Bei Trump kann man sich im Gegensatz zu den meisten Politikern darauf verlassen, dass er das auch macht, was er sagt oder verspricht. Ob das nun jeweils gut oder schlecht ist, sei dahingestellt - glauben sollte man seine "Drohung" allemal. Und DANN geht es hierzulande langsam aber sicher ans Eingemachte. Aber D in seiner überall spürbaren Arroganz wähnt sich als Nabel der Welt und übersieht dabei stur, wie sich mehr und mehr Staaten von D abwenden. Es wird Zeit, dass die Notbremse gezogen wird, sonst endet das wie vor 85 Jahren. Auch damals waren Amerika und Russland zu Feinden geworden - Geschichte scheint sich doch zu wiederholen.

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