Donald Trump
US-Präsident Trump führt Schutzzölle auf Stahl und Aluminium ein – so will er die Wirtschaft des Landes schützen. Bildrechte: dpa

Höherer Zoll auf Stahl und Aluminium Nutzen oder schaden Trumps Schutzzölle der US-Wirtschaft?

Nun kommen sie also doch: die angedrohten Zölle in den USA auf Stahl und Aluminium. Donald Trump will damit seine eigene Industrie schützen. Diese, so argumentiert der US-Präsident, werde durch die weltweite Handelsordnung benachteiligt. Langfristig könnte er der US-Wirtschaft aber schaden.

von Ralf Geißler, MDR AKTUELL

Donald Trump
US-Präsident Trump führt Schutzzölle auf Stahl und Aluminium ein – so will er die Wirtschaft des Landes schützen. Bildrechte: dpa

Donald Trump hat Recht – zumindest wenn man weltweit alle Zölle vergleicht. So schlägt China zehn Prozent auf ausländische Waren drauf. Die Europäische Union erhebt im Durchschnitt fünf Prozent Zoll. Die USA begnügen sich mit dreieinhalb Prozent.

Wirtschaftsexperten sehen mehr Vorteile der USA

Trotzdem sei die amerikanische Industrie nicht im Nachteil, sagt Rolf Langhammer vom Institut für Weltwirtschaft Kiel. Man müsse sich für jedes Land die wirtschaftlich relevanten Zölle ansehen. "Wenn Sie die Industriegüterzölle nehmen, dann ist der Unterschied bei 3,2 Prozent in den USA und 3,9 Prozent bei der EU." Dieser Unterschied sei zu vernachlässigen, denn eine kleine Wechselkursänderung im Dollar könne diesen Unterschied absolut kompensieren.

Langhammer argumentiert: Die USA haben das internationale Zollsystem maßgeblich mit ausgehandelt – ein komplexes Regelwerk, überwacht von der Welthandelsorganisation. Es berücksichtigt auch, dass es neben Zöllen noch andere Handelsschranken gibt: länderspezifische Auflagen an die Produktsicherheit zum Beispiel.

Auch Oliver Holtemöller, Professor am Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle, sieht die USA unterm Strich nicht im Nachteil.

Die USA haben einige große Vorteile. Sie sind attraktiv für Kapitalzuflüsse. Sie sind attraktiv für gut ausgebildete Menschen, die dorthin wandern. Sie haben die herrschende Weltwährung: Der US-Dollar ist immer noch die dominante Handelswährung.

Oliver Holtemöller Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle

US-Präsident Trump fordert trotzdem bessere Chancen für seine Stahl- und Aluminiumindustrie. Der Schutzzoll auf ausländische Waren soll dieses Frühjahr kommen.

Kurzzeitige Hilfe, aber langfristiger Schaden

Kurzfristig dürfte das seiner Stahlindustrie sogar helfen, meint Holtemöller: "Sie werden in der Lage sein, höhere Preise auf dem heimischen Markt durchzusetzen, weil günstigere Konkurrenz aus dem Ausland etwas eingedämmt wird. Das bedeutet aber, dass für alle Produzenten in den USA, die Stahl und Aluminium einkaufen – beispielsweise Autobauer oder Rüstungsindustrie – der Stahl teurer wird. Das heißt, dadurch wird es attraktiver, das Auto nicht mehr in den USA zu bauen, sondern woanders." Langfristig schade Trumps Strafzoll also der US-Wirtschaft, sagt Holtemöller. Wenn andere Länder nun ebenfalls die Zölle erhöhen, wäre niemandem geholfen.

Auch Rolf Langhammer hält wenig von den geplanten Gegenzöllen der EU: "Das Problem lösen wir damit nicht. Denn das Problem sind ja die weltweiten Überkapazitäten bei Stahl, zu denen China im Wesentlichen beiträgt. Die Chinesen trifft man aber nicht." Man beeindrucke auch Trump nicht dadurch, dass man Zölle rein symbolisch auf Produkte erhebe, die in den Bundesstaaten produziert würden, in denen Trump seine Wähler habe.

Andere Wirtschaftsexperten empfehlen Senkung der Zölle

Stattdessen empfiehlt der Außenhandelsexperte: Reden, reden – und hoffen, dass sich der US-Präsident milder stimmen lässt. Andere Wirtschaftsexperten gehen noch weiter und empfehlen, die EU solle in einem bedeutsamen Sektor eine Senkung der Zölle anbieten. Würde Europa Trump hier entgegenkommen, so ein Wirtschaftsforscher, könne ein Handelskrieg vielleicht vermieden werden.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 12. März 2018 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. März 2018, 10:06 Uhr

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