Donald Trump, Präsident der USA, zeigt ein unterzeichnetes Präsidentschaftsmemorandum, nachdem er eine Erklärung zum Ausstieg aus dem Atomdeal mit dem Iran abgegeben hat.
Mai 2018: US-Präsident Donald Trump hält ein unterzeichnetes Memorandum zum Ausstieg aus dem Atomdeal mit dem Iran in die Kamera. Bildrechte: dpa

Wegen US-Sanktionen gegen Iran Droht an der Tankstelle ein neuer Preissprung?

Seit dem Frühjahr steigen die Kraftstoffpreise stetig, denn der Preis für Rohöl zieht kontiniuerlich an. Nun könnte sich die Situation weiter verschärfen. Zum Beginn der neuen Woche treten die Sanktionen der USA gegen den Iran in Kraft. Mit der sinkenden Rohölmenge auf dem Weltmarkt drohen weiter steigende Preise.

Donald Trump, Präsident der USA, zeigt ein unterzeichnetes Präsidentschaftsmemorandum, nachdem er eine Erklärung zum Ausstieg aus dem Atomdeal mit dem Iran abgegeben hat.
Mai 2018: US-Präsident Donald Trump hält ein unterzeichnetes Memorandum zum Ausstieg aus dem Atomdeal mit dem Iran in die Kamera. Bildrechte: dpa

Wer Auto fährt, wird es schmerzlich bemerkt haben: Das Tanken wird seit Monaten immer teurer. Die Preise für Diesel und Benzin steigen. Und möglicherweise kommt es in den nächsten Wochen noch dicker. Hintergrund sind die US-Sanktionen gegen den Iran und die Politik der Opec.

Bereits in den Jahren vor dem Abschluss des Atom-Akommens mit dem Iran im Jahr 2015 war der Ölpreis auf ein Rekordhoch gestiegen - und mit ihm der Preis für einen Liter Super-Benzin, nämlich auf durchschnittlich 1,65 Euro im Jahr 2012.

Im Mai angekündigte Sanktionen werden wirksam

Der im Mai angekündigte Ausstieg der Vereinigten Staaten aus dem mühsam mit dem Iran verhandelten Atomdeal stieß international auf Kritik. Doch US-Präsident Donald Trump ließ sich davon nicht beirren. Sein Hauptkritikpunkt: das Abkommen könne ein atomares Aufrüsten des Iran nicht verhindern.

Nun treten weitere mit dem Ausstieg verbundene Sanktionen gegen den Iran in Kraft. Ziel der USA ist es, das lukrative Ölgeschäft des Iran komplett zum Erliegen zu bringen. Mit einem markanten Tweet über die Sanktionen versuchte US-Präsident Trump im Kongress-Wahlkampf noch einmal zu punkten:

Für die Autofahrer in Europa könnte das einen weiteren Preissprung bedeuten. Im Zuge des Streits zwischen den USA und dem Iran stieg der Ölpreis in den vergangenen Monaten bereits rasant an, Benzin verteuerte sich zwischen Oktober 2017 und September dieses Jahres um knapp 20 Cent.

100 Dollar pro Barrel Anfang 2019?

Expertenschätzungen zufolge könnten pro Tag zwischen eine und anderthalb Millionen Barrel iranischen Öls vom Markt genommen werden. Extreme Prognosen gehen sogar von bis zu zwei Millionen Barrel aus. Der Preis für das Barrel Rohöl könnte damit bis Anfang kommenden Jahres auf 100 Dollar steigen. Im Moment liegt er um die 80 Dollar.

Es ist jedoch davon auszugehen, dass die anderen Opec-Staaten versuchen werden, die Fehlmengen des iranischen Öls auszugleichen. So haben Saudi-Arabien und der Opec-Verbündete Russland bereits eine Anhebung der Fördermengen angekündigt.

Die USA führen die Liste der erdölproduzierenden Länder übrigens inzwischen an. Mehr als 13 Millionen Barrel pro Tag produzierten die USA 2017, gefolgt von Saudi-Arabien und Russland mit rund zwölf und gut elf Millionen Barrel. Der Iran lag mit knapp fünf Millionen Barrel auf dem vierten Platz.

Heißer Herbst auf Ölmarkt

Ländern, die weiterhin mit dem Iran Geschäfte machen, drohen die Vereinigten Staaten mit einem Ausschluss vom US-Markt. Dabei soll es nach Aussage von US-Außenminister Mike Pompeo Ausnahmen für Staaten geben, die in hohem Maße von iranischem Öl abhängig sind. Medienberichten zufolge könnten dazu China, Indien, Japan, Südkorea und die Türkei zählen. Die EU sei nicht Teil der Ausnahmen, so Pompeo.

Wie groß die Öl-Ausfälle für den Weltmarkt nun tatsächlich sein werden, ist noch offen. Viele Investoren stellen sich jedoch auf Preissprünge und Versorgungsengpässe ein.

Keiner habe eine Ahnung, wieviel Öl dann noch aus dem Iran fließen werde, sagt Saudi-Arabiens Energieminister Chalid al-Falih. "Irans Ölexporte können nicht gestoppt werden", zitierte die Nachrichtenagentur Tasnim jedenfalls Irans Ölminister Bidschan Sanganeh. Und Vize-Präsident Eschak Dschahangiri sagte jüngst: "Trotz der Sanktionen wird der Iran nicht weniger als eine Million Barrel pro Tag exportieren."

Genaue Preis-Vorhersagen kaum möglich

Wieviel Öl der Iran tatsächlich pro Tag exportiert, ist nicht klar. Offizielle Zahlen aus Teheran gibt es nicht. Iranische Öltanker fahren im Wortsinn unter dem Radar: Sie schalten während der Fahrt die Ortungssysteme ab, so dass nicht nachvollziehbar ist, welches Schiff wann und wo welche Ladung aufgenommen hat.

Neueste Strategie des Iran ist es, Öl in Asien zu bunkern statt es auf den Weltmarkt zu liefern. Das hat den Vorteil, dass gelagertes Öl bei Marktanalysen nicht berücksichtigt wird. So könnte der Iran großen Kunden wie Indien und China Öl zur Lagerung und nicht zum direkten Verbrauch liefern. Dem Verbraucher in Europa hilft das naturgemäß wenig.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL FERNSEHEN | 04. November 2018 | 19:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. November 2018, 06:00 Uhr

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22 Kommentare

05.11.2018 03:35 Spottdrossel 22

Die Autobahn ist nach wie vor ein rollendes Warenlager. Da die LKW nun nicht von Pferden oder Eseln gezogen werden, muss davon ausgegangen werden, dass auch alle Warenpreise weiter steigen. Gut fürs Weihnachtsgeschäft: -(. Eins ist klar, die Preise steigen bis es auch hier in Europa knallt. Dann gehts von vorn los. Heisst wohl "zyklische Kapitalismuskrise".

04.11.2018 23:46 part 21

Der kalte Wirtschaftskrieg gegen Staaten die sich dem Diktat des Petro- Dollars entziehen möchten tobt nicht erst seit dem 5. November sondern wurde vorher schon gegen Venzuela und Rußland eröffnet ohne das die Presselandschaft davon besonders Notiz nahm. Anstatt Sanktionen gegen die Sauds zu verhängen, die nachweislich wirklich völkerechtlich geächtete Kriege führen und Morde begehen, wird hier der Feind von Interessensphären bekämpft. Dank Fracking- Öl darf nun die USA selbst Europa ihr Diktat aufzwingen ohne Reaktionen aus Brüssel oder Berlin. Während aber die Politik national begrenzt ist, sind es die Konzerne, Kartelle und Banken nicht.

04.11.2018 19:07 colditzer 20

Volker Pispers meinte einmal bezüglich ständig steigender Spritpreise zu Ferienbeginn
...ich weiß gar nicht, woher der Spritpreis immer weiß, wann bei uns die Ferien beginnen.
Aber die Entwicklung bezüglich Iran, Ölverknappung und Spritpreis bleibt interessant.
Aber da Trump jetzt schon Ausnahmen zugelassen hat, dann warten wir doch mal das Ergebnis vom Dienstag ab.
Bei einer Niederlage hat der Iran weiterhin Pech...
Bei einem Sieg läßt er mit sich reden.

04.11.2018 18:08 Normalo 19

Zuerst liegts am Niedrigstand des Rhein, jetzt sinds die Sanktionen gegen den Iran. Dabei weiß doch jeder, dass der ÖlkonzernBoss von heute den Benzinpreis an der Stimmung des Schoßhündchens seiner Frau abliest. Oder kennt jemand noch ein Produkt des täglichen Bedarfs, dessen Preis mehrmals am Tag wechselt? :)

04.11.2018 17:47 noch 37 Tage (UNO-Migrationspakt) 18

Wer auf Arbeit fahren "muss", kann es sich ja zum Jahresende zurück holen vom Finanzamt.

04.11.2018 17:38 Anni 17

Der Preis ist ja schon sehr hoch. Kann also nicht am Iran liegen.....

04.11.2018 17:26 noch 37 Tage (UNO-Migrationspakt) 16

@Brennabor 14
"Übrigens, so billig wie jetzt
war der Kraftstoff noch nie."

können sie bitte die Quelle dieser (Fake)Nachricht benennen!

04.11.2018 16:44 Sachse43 15

Diese Hassberichterstattung gegenüber Trump kann man als chronisch krank bezeichnen.
Der Spritpreis ist seit über einem halben Jahr völlig überzogen, aber solche peinlichen Ausreden wie jetzt, oder daß Tankschiffe wegen Niedrigwasser nicht fahren können, sind stümperhaft peinlich.

04.11.2018 16:12 Brennabor 14

So lange wie Autofahrer Ihre Autos mit laufenden
Motor hinstellen, kann der Kraftstoff noch lange
nicht zu teuer sein. Übrigens, so billig wie jetzt
war der Kraftstoff noch nie.

04.11.2018 13:17 Andreas 13

Panikmache ist immer gut für das Geschäft. Es geht mir nicht mal so sehr um die Steuern für den Staat. Es sind die Spekulanten an Börsen die hier ihre Geschäfte machen. Wozu sind Banken und co. heute eigentlich noch gut.