Klimawandel Weltklimarat fordert Umdenken bei Essgewohnheiten und Landwirtschaft

Der Weltklimarat IPCC fordert ein radikales Umsteuern bei der Landnutzung. Die internationale Gemeinschaft müsse sofort handeln, um die wachsende Erdbevölkerung zu ernähren und zugleich das Klima zu schützen. Dafür müssten unter anderem die Lebensmittelverschwendung und die CO2-Belastung in der Landwirtschaft eingeschränkt werden.

Dürre
Dürren werden in den nächsten Jahrzehten häufiger, länger und intensiver werden. Bildrechte: Colourbox.de

Die internationale Gemeinschaft muss beim Thema Landwirtschaft radikal umsteuern. Zu diesem Ergebnis kommt der Weltklimarat in seinem Sonderbericht "Klimawandel und Landsysteme". Der Bericht beschäftigt sich mit den Themen Klimawandel, Desertifikation (Wüstenbildung), Landdegradierung (Verschlechterung von Ökosystemen), nachhaltiges Landmanagement, Ernährungssicherheit und Treibhausgasflüsse in Ökosystemen.

Der Weltklimarat – oder Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) – rechnet in den kommenden Jahrzehnten mit mehr, längeren und stärkeren Hitzewellen sowie Dürrephasen rund um das Mittelmeer. In vielen Regionen werden wiederum häufiger extreme Regenfälle vorkommen.

Aufforstung als beste Lösung?

Die Land- und Forstwirtschaft steuere rund 23 Prozent der vom Menschen verursachten Treibhausgase bei. Die Landfläche werde bereits zu mehr als 70 Prozent mehr oder weniger intensiv durch sie genutzt. Dementsprechend empfiehlt der IPCC die Wälder und besonders die Moore zu schützen. Aufforstung und der Schutz der Regenwälder seien entscheidend, um den globalen Temperaturanstieg aufzuhalten. Dieser habe über den Landflächen bereits 1,53 Grad erreicht.

Die Co-Autorin der Studie, Almut Arneth vom Institut für Meteorologie und Klimaforschung aus Karlsruhe, warnt aber vor Aufforstung und dem Anbau von Bioenergie als Allheilmittel gegen die Klimaerwärmung. Dies könnte auch negative Nebeneffekte mit sich bringen, etwa Wasserknappheit durch Bewässerung, Nitratbelastung durch Überdüngung und weiterem Verlust von Biodiversität. Die gleiche Problematik existiert auch bei großflächiger Wiederaufforstung.


Stabilität der Lebensmittel in Gefahr

In dem Bericht wird auch eine radikale Veränderung der Essgewohnheiten und der Landwirtschaft empfohlen. Bevölkerungswachstum und ein verändertes Konsumverhalten hätten zu einem nie dagewesenen Verbrauch von Land und Wasser geführt. Dabei droht die Stabilität der Lebensmittelversorgung unsicherer zu werden, da Ausmaß und Häufigkeit von Extremwetter-Ereignissen die Lebensmittelproduktion beeinträchtigen.

Würde sich die Weltbevölkerung stärker von pflanzlichen und nachhaltig produzierten tierischen Lebensmitteln ernähren, könnten bis 2050 mehrere Millionen Quadratkilometer Land renaturiert werden, heißt es in dem Bericht. Prof. Dr. Helmut Haberl vom Institut für Soziale Ökologie in Wien betonte noch einen weiteres Aspekt des Berichts: "Der Bericht zeigt, dass das Ernährungssystem beinahe ein Drittel der gesamten anthropogenen Treibhausgasemissionen verursacht. Alleine die Vermeidung von Lebensmittelverlusten könnte bis zu 10 Prozent der Treibhausgasemissionen einsparen."

Doch die Wissenschaftler warnen auch vor einem Dilemma: Bei allen Bemühungen, Landwirtschaft und Ernährung klimafreundlich zu gestalten, stehe nur eine begrenzte Fläche an Land zur Verfügung, während die Weltbevölkerung in den nächsten Jahrzehnten auf zehn Milliarden Menschen anwachsen werde.

Schulze fordert mehr Anreize

Svenja Schulze (SPD), Bundesumweltministerin, kommt zur Sitzung des Bundeskabinetts im Kanzleramt.
Bundesumweltministerin Svenja Schulze wünscht sich bessere Anreize für eine ökologische Landwirtschaft. Bildrechte: dpa

Bundesumweltministerin Svenja Schulze hat angesichts des Berichts mehr Ökolandbau gefordert. Der Anteil von 20 Prozent sei schon lange das Ziel gewesen. 2018 hatte er lediglich bei 9,1 Prozent gelegen. Für eine Umsetzung des Ziels solle die Agrarförderung der EU andere Anreize setzen.
Als ein weiteres Problem nannte Schulze die landwirtschaftliche Nutzung von Mooren. Diese speicherten "enorm" viele Treibhausgase. Es müsse über eine Wiedervernässung geredet werden.

Im Zeichen des Pariser Klimaabkommens

Der Bericht des ICPP orientiert sich an den Zielen des Pariser Klimaabkommens. Zu den 2015 beschlossenen Zielen gehört unter anderem, die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu halten.

Der Weltklimarat IPCC wurde 1988 von der UN-Umweltorganisation und der Weltorganisation für Meteorologie gegründet. Er berichtet der Politik neutral über die wissenschaftlichen Erkenntnisse zu Klimaveränderung und über mögliche Gegenmaßnahmen. 195 Staaten, die zum Weltklimarat gehören, entsenden Experten, die eigenständig Berichte erstellen.

Dürre 1 min
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Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 08. August 2019 | 10:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. August 2019, 14:12 Uhr

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48 Kommentare

10.08.2019 17:39 Bernd L. 48

Eulenspiegel 47:
"...singt weltweit die Kohleverstromung ..."
Ich höre das Singen nicht.
Ihrem Beitrag liegt ein elementarer mathematischer Fehler zugrunde. Wenn die Anzahl der neu gebauten Kohlekraftwerke kleiner wird, heißt das nicht, die Kohleverstromung geht zurück. Es heißt, das Wachstum der Kohleverstromung geht zurück. (Wenn ich jede Woche 2 Bier mehr trinke als in der Vorwoche und ab jetzt nur noch 1 Bier mehr trinke, steigt mein Bierkonsum dennoch.)
Viele Staaten haben starke Atomkraftwerke (Frankreich).
Der gleichzeitige Ausstieg aus Kohle und Atom in einem Industrieland ist einzigartig und ein schwerer Fehler. Laut Wallstreet-Journal macht Deutschland derzeit die dümmste Energiepolitik der Welt- ich kann da nur zustimmen.

09.08.2019 17:59 Eulenspiegel 47

Hallo Meine Meinung 45
Ich zitiere:
"Greenpeace-Studie
­ 28. März 2019
Hamburg. - Die Zahl der weltweit geplanten Kohlekraftwerke ist 2018 das dritte Jahr in Folge zurückgegangen. Ans Netz ging ein Fünftel weniger Kohlekraftwerke verglichen mit dem Vorjahr. Beim Baubeginn waren die Rückgänge 2018 noch deutlicher: minus 39 Prozent zum Vorjahr. Dies sind die Ergebnisse einer neuen Studie von Greenpeace, Global Energy Monitor und dem Sierra Club. Sie zeigt auch, dass die Vorarbeiten für Kohlekraftwerke wie Planungsverfahren und Genehmigungsprozesse rückläufig sind.“
Wie sie sehen singt weltweit die Kohleverstromung sehr deutlich.

09.08.2019 14:38 Denkschnecke 46

@45 Meine Meinung:
Ein Konglomerat aus den bekannten Floskeln.
"Also für was sollen gerade das Deutsche Volk wieder mit Steuern belastet werden? Achja um den Klimawandel zu stoppen. Deutschland als Weltenretter. "
Zum letzten Mal: Um das einzuhalten, was Deutschland im Pariser Abkommen verbindlich zugesagt hat. So wie das Algerien, Kanada und Norwegen schon tun.
Und um eine Quelle für Ihre wilden Behauptungen muss ich jetzt doch nicht mehr bitten. Dank der Zahl 0,0004712 weiß ich jetzt auch, woher Sie das nehmen.

09.08.2019 12:31 Meine Meinung 45

Ach übrigens an die Klimaretter. Weltweit werden 1400 Kohlekraftwerke, 147 Atomkraftwerke neu gebaut. Weltweiter Anteil Deutschlands am co2-gehalt der Luft 0,0004712%. Na was nun ist eine Co2 Steuer und Erhöhung der MwSt für Fleisch damit gerechtfertigt und Verbote für Diesel Fahrzeuge und danach für den Benziner. Nein auf keinen Fall. Andere Länder was tun sie gegen den Klimawandel den es wie gesagt immer schon gegeben und auch in Zukunft geben wird und das die Evolution sich auch Weiterentwickelt. Stoppen kann man beides nicht genauso wie die Zeit sich weiter dreht. Mit Geld kann man fast alles bezahlen nur das Klima, die Zeit und die Evolution nimmt kein Geld um stehen zu bleiben und stoppen kann sie mit höherer MwSt und co2 Steuer auch nicht. Also für was sollen gerade das Deutsche Volk wieder mit Steuern belastet werden? Achja um den Klimawandel zu stoppen. Deutschland als Weltenretter.

09.08.2019 11:36 Meine Meinung 44

Denkschnecke, jeder weiß außer sie das die Steuern erstmal eingenommen werden und dann aufgeteilt werden. Egal was sie denken wie oder für was die kommende Co2 Steuer und die Erhöhung der MwSt auf Fleisch genutzt wird wird für die Verbraucher immer mehr Geld abgezockt. Irgendwann wird das System zusammen brechen weil sich keiner mehr was leisten kann außer den Reichen aber die Reichen wird es auch später treffen wenn nix mehr da ist. Eins ist Fakt die Armut wird steigen in unermessliche ohne wenn und aber. Leider ist das die Realität.

09.08.2019 09:27 Denkschnecke 43

@32 REXt "hat sich der Anteil des CO2,s in der Luft, nicht erhöht, seltsam, er ist so ziemlich stabil bei 0,04% und das weltweit?"
Auch das stimmt nicht. Der Anteil ist allein von 1960 bis 2010 von 0,0315% auf 0,0395% angestiegen, das sind 25%! Und die Kurve ist nach wie vor nach oben gekrümmt. (Quelle: Mauna Loa Observatory, NASA).

09.08.2019 09:14 Denkschnecke 42

@36 Meine Meinung:
WIe kommen Sie eigentlich dazu, mir zu unterstellen, was ich über eine CO2-Steuer denke? Habe ich dazu irgendetwas gesagt?
Und im Übrigen hat die Regierung Schröder damals VOR dem Beschluss der Ökosteuer sehr wohl laut darüber diskutiert, wofür die Einnahmen verwendet werden sollen - wie gesagt, darüber wäre die Koalition fast geplatzt. Das scheinen Sie nicht mehr zu wissen.

09.08.2019 08:46 Auf der Sonnenseite des Lebens 41

"Stabilität der Lebensmittel in Gefahr"

weltweit entstehen Megacitys mit 30, 40, 50, 60, 70, 80, 90, 100, .... Mio Einwohnern.

Die Lebensmittel der Zukunft kommen aus der Chemiefabrik!

Und die Grünen wollen weiterhin ökologischen Anbau. Die sind sowas von Weltfremd.

09.08.2019 08:00 frank d 40

@MDR Redaktion: Es würde ihre Glaubwürdigkeit deutlich erhöhen wenn der MDR auch beim eigenen zu radikalem Klimasparen bereit wäre. Gehen sie doch bitte mit gutem Beispiel voran, bei all den Klima engagierten in ihren Reihen die doch das Ende prophezeien Da können sie doch nicht zurückstehen, oder? Wäre es nicht an der Zeit für Klimasparen bei den öffentlich rechtlichen? Zum Beispiel all die Preisverleihungen und Galas zur Selbstbeweihräucherung die könnten doch gestrichen werden, in der Kantine nur noch Vegan und alle MDRler müssen mit dem Rad fahren, immer auch im Winter keiner darf mehr fliegen und damit das auch ganz sicher klappt wird einfach der Input auf 50% reduziert. Das wäre doch mal ein grober Plan um den Menschen im Land zu zeigen das sie den hären Worten auch eigene Taten folgen lassen, ansonsten könnten Spötter sie doch Pharisäer nennen, das wollen doch ihre höhst moralischen besten engagiertesten Klima & Sozialaktivisten aus der Redaktion doch sicher nicht

08.08.2019 23:12 Denkschnecke 39

@34 Meine Meinung
Sie lassen sich auch von Tatsachen nicht irritieren, was?
Ich habe das doch geschrieben: "Diese Länder" (falls Sie damit ganz Afrika meinen) erzeugen gemeinsam so viel CO2 wie Deutschland allein.
Und wenn Sie noch keine Rente erhalten, hält die Ökosteuer Ihre Rentenbeiträge noch halbwegs gering. Ist so, tut mir leid, wenn Ihnen das zu komplex ist.