Ifo-Institut Weltwirtschaftsklima trübt sich ein

Das Weltwirtschaftsklima leidet unter dem chinesisch-amerikanischen Handelskrieg. Das Ifo-Barometer sank auf den tiefsten Stand seit Anfang 2017. Experten sehen in Deutschland aber auch hausgemachte Gründe für die schwächelnde Konjunktur.

Container im Hamburger Hafen.
Weltweit haben sich die Konjunkturerwartungen eingetrübt. Bildrechte: IMAGO

Das Klima der Weltwirtschaft hat sich im dritten Quartal eingetrübt. Nach der vierteljährlichen Umfrage des Münchner Ifo-Instituts sank das Ifo-Barometer um 7,7 auf minus 10,1 Punkte. Die aktuelle Einschätzung ist so negativ wie seit Anfang 2017 nicht mehr. Auch die Erwartungen für die kommenden sechs Monate schrauben die Befragten herunter. Für die Umfrage werden regelmäßig fast 1.200 Experten aus 116 Ländern befragt.

Handelskrieg bremst Aussichten

Ifo-Präsident Clemens Fuest führt die Entwicklung auf den Handelskonflikt zwischen China und den USA zurück. Dessen Verschärfung belaste die Weltkonjunktur beträchtlich. Hinzu komme eine Abwertung des chinesischen Yuan, mit der ein Währungsstreit nicht ausgeschlossen werden kann.

"In den fortgeschrittenen Volkswirtschaften und den asiatischen Schwellen- und Entwicklungsländern revidierten die Experten sowohl die Lagebeurteilung als auch die Erwartungen nach unten", sagte Fuest.

In Lateinamerika, in der Gemeinschaft unabhängiger Staaten sowie im Nahen Osten und Nordafrika fiel dagegen nur die Lagebeurteilung ungünstiger aus, während die Einschätzungen für die kommenden Monate nahezu unverändert blieben.

IfW: Konjunkturschwäche hierzulande hausgemacht

Dabei ist die Konjunkturschwäche in Deutschland ist nach Ansicht des Präsidenten des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW), Gabriel Felbermayr, keine Folge der US-Handelspolitik. Am Wochenende sagte Felbermeayr, ein großer Teil der momentanen Probleme sei hausgemacht. Deutschland werde durch die Regulierung der Wirtschaft, die älter werdende Bevölkerung und die Frage, ob Deutschland im Herbst eine Regierung habe, belastet.

Arbeitgebernahe IW für Neuverschuldung

Der Direktor des arbeitgebernahen Instituts der Deutschen Wirtschaft Köln (IW), Michael Hüther, hatte in diesem Zusammenhang mehr staatliche Investitionen für die Konjunkturstärkung gefordert. Er sprach sich für einen Zehn-Jahres-Plan aus, der auch den Umbau der Klimapolitik berücksichtigen soll. Die Aufgaben müssten in ein Sondervermögen ausgegliedert und über neue Schulden finanziert werden. Diese seien dank Minuszinsen so billig wie nie.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 12. August 2019 | 09:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. August 2019, 13:28 Uhr