Demonstrantin mit Schild Alter, Sicherung!
Die Sorge um die eigene Altersvorsorge treibt viele Menschen um. (Symbolbild) Bildrechte: IMAGO

Altersvorsorge Was bringt die Reform der Betriebsrente?

Alt werden ohne finanzielle Sorgen. Das wünscht sich wohl jeder. Doch ob im Alter die staatliche Rente reicht, ist ungewiss. Seit Jahren mahnen Politiker, zusätzlich privat vorzusorgen oder eine Betriebsrente abzuschließen. Damit Letzteres attraktiver wird, hat die Bundesregierung das Betriebsrentenstärkungsgesetz beschlossen. Ob das hilft, die Anzahl der Betriebsrenten im Osten zu erhöhen?

von Ralf Geißler, MDR AKTUELL

Demonstrantin mit Schild Alter, Sicherung!
Die Sorge um die eigene Altersvorsorge treibt viele Menschen um. (Symbolbild) Bildrechte: IMAGO

Eigentlich hat jeder Angestellte Anspruch auf eine Betriebsrente. Über die sogenannte Entgeltumwandlung kann er von seinem Chef verlangen, dass ein paar Prozent seines Gehalts in eine Pensionskasse fließen. Im Alter gibt es das Geld dann als Betriebsrente zurück. Doch nur wenige nutzen das.

Das liegt auch daran, dass die Arbeitgeber diese Möglichkeit kaum bewerben, sagt Stefan Kühn, Geschäftsführer der auf Betriebsrenten spezialisierten BVUK: "Viele Arbeitgeber haben sich davor gescheut, das Thema anzufassen. Teilweise aus Haftungsgründen, teilweise aus Komplexitätsgründen, teilweise auch aus finanziellen Gründen. Denn es macht ja auch Arbeit. Und deshalb ist es auch selten eingefordert worden von Arbeitnehmern."

Mehr Zuschüsse für Geringverdiener

Mit dem Betriebsrentenstärkungsgesetz will der Staat die Betriebsrente attraktiver machen. Zunächst für die Angestellten. Denn der Chef muss nun mindestens 15 Prozent Zuschuss auf den Sparbetrag obendrauf legen. Fördert er Geringverdiener, kann er sich den Zuschuss teilweise zurückholen, sagt Klaus Stiefermann, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft für betriebliche Altersversorgung: "Ein Arbeitgeber, der für einen Arbeitnehmer eine betriebliche Altersversorgung einrichtet, der bekommt 30 Prozent der Aufwendungen, die er dafür hat, später vom Staat zurückerstattet." Der Begriff des Geringverdieners sei dabei weit gefasst. Die Grenze liegt bei 2.200 Euro im Monat und zwar unabhängig davon, ob jemand Teilzeit oder Vollzeit arbeitet.

Niedrigzinsen setzen Pensionskassen unter Druck

Doch Zuschuss hin oder her. Viele Angestellte schließen keine Betriebsrente ab, weil sie bezweifeln, dass sie das wieder herausbekommen, was sie und ihr Chef eingezahlt haben. Erst Anfang Mai warnte die Bafin, einige Pensionskassen könnten aufgrund der Niedrigzinsphase ihre Zusagen womöglich nicht halten. Die Sorge, die Betriebsrente werde deshalb gekürzt, sei aber übertrieben, sagt Stiefermann: "Sollte es dazu kommen, dass eine Pensionskasse nicht das leistet, was der Arbeitgeber versprochen hat, muss der Arbeitgeber die Lücke schließen." Der Arbeitgeber habe das Versprechen schließlich gegeben und müsse dafür auch einstehen.

Gewerkschaften könnten verhandeln

Das gilt allerdings nur für alte Verträge. Neuerdings können sich Arbeitgeber aus der Haftung befreien. Das geht, wenn sie gemeinsam mit einer Gewerkschaft Betriebsrenten vereinbaren. Im Tarifvertrag regeln dann beide, wie hoch der Zuschuss des Arbeitgebers sein muss – oder ob er die Beiträge sogar allein übernimmt. Die Zinsen auf das Ersparte müsste er dann nicht mehr garantieren.

Mitarbeiterinnen der Tafel verteilen Obst und Gemüse an Bedürftige
Die Altersarmut hat in den vergangen Jahren in Deutschland deutlich zugenommen. Viele Menschen sind auf Hilfsangebote angewiesen, zum Beispiel auf die Tafel. Bildrechte: dpa

Das Interesse der Gewerkschaften an entsprechenden Vereinbarungen ist bislang aber gering, sagt Stefan Kühn: "Die IG Metall hat das in den Tarifverhandlungen drin gehabt, hat sich aber entschieden, in den Verhandlungen anderen Parametern wie Entgelt oder flexiblen Arbeitszeiten den Vorrang zu geben. Nach meinem Wissen gibt es aktuell noch keine Tarifpartei, die ein funktionierendes Modell anbietet, das der Mitarbeiter derzeit abschließen kann."

Betriebsrenten als Wettbewerbsvorteil

Trotzdem sagt Kühn, gehe das Betriebsrentenstärkungsgesetz in die richtige Richtung. Vor allem, weil es Betriebsrenten für Geringverdiener attraktiver macht. Der Versicherungsmann geht davon aus, dass das Thema an Bedeutung gewinnen wird. Denn in Zeiten des Fachkräftemangels würden viele Arbeitgeber versuchen, mit Betriebsrenten neue Mitarbeiter zu locken.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 02. Juni 2018 | 09:17 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 02. Juni 2018, 09:07 Uhr

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24 Kommentare

03.06.2018 14:26 Pfeifer 24

Ja wer glaubt wird selig. Habe 1992 Direktversicherung abgeschlossen. Ulla Schmidt hat 2004 beschlossen Rückwirkend für alle Verträge das man Krankenkasse- und Sozialbeiträge bezahlen mus. Und der Hammer ich mus auch die von Arbeitgeber bezahlen .Bei 60000 sind 12000. Danke SPD . Nie wieder SPD das ist auch ein Grund warum die keiner mehr wählt

03.06.2018 09:29 Silvia Hofmann 23

Erst angelockt - dann abgezockt. Ich bin eine Direktversicherungsgeschädigte und warne alle Menschen den Versprechungen der Politik zu vertrauen. 1994 Direktversicherung abgeschlossen - 2004 GMG-Gesetz zur Schädigung des aus eigenem! Einkommen für das Alter vorsorgenden Menschen - jetzt werden mir ca. 18 Prozent meiner Altersvorsorge gestohlen/zwangsabgepreßt. Alles unter Federführung der SPD. Vertrauens- und Bestandsschutz gelten in diesem Staat für den sog. "kleinen Mann" nicht mehr.

03.06.2018 08:08 kleinerfrontkämpfer 22

Und je nach Kassenlage ändert die Regierung die Rechtslage.
Da sind die Finellen Mittel mal ganz schnell woanders. Nur nicht auf dem Konto des Betroffenen.

02.06.2018 21:07 Sabrina 21

@ 02.06.2018 14:21 Querdenker
Eine solche Bestätigung ist in diesem Staat wertlos.
Warum?
Weil dieser Staat dann einfach festlegen wird, dass solche Bestätigungen ihre Gültigkeit am Tag des Renteneintritts verlieren. So macht man das hierzulande.

02.06.2018 21:04 Sabrina 20

Ich denke mal Betriebsrenten oder Telekom-Aktien - es geht um das selbe:
Der Staat will in Wahrheit Einnahmen generieren - und behalten !

02.06.2018 20:56 Sabrina 19

Solange wie diese Altparteien regieren, würde ich keinen Cent in eine private Altersvorsorge stecken.

02.06.2018 18:17 Nadia 18

Vielen dank SPD, vielen Dank Frau Nahles.
Und unter anderen dafür, für Ihre gute Arbeit, wurde sie zur Parteivorsitzenden gewählt.
Ihr, die Wähler bekommt was ihr wählt, also regt euch nicht auf.

02.06.2018 16:44 Guter Schwabe 17

@13: Ich werde mit meiner Betriebsrente auch zufrieden sein, weil NIE einbezahlt. Das Geld liegt auf keiner Bank, also weg von der Steuer- und Abgabenlast durch den Staat. Ich kenne in meinem Umfeld keinen, der jemals die versprochenen Traumrenditen erhalten hat. Alle jammern nur.

02.06.2018 15:53 Fragender Rentner 16

Teilzitat von Oben: Der Versicherungsmann geht davon aus, ...!

Das wohl seine Provision steigen wird ! :-(

Es ist schon ein Geringverdiener und was soll er da noch von seinem Lohn abzwacken??? :-(((

Das kann nur etwas für die AN werden, wenn der AG den vollen Beitrag für ihn einzahlt und nicht nur z.B. 20,- €.

02.06.2018 15:39 Lisa 15

es war natürlich auch einfach der Ministerin (SPD) der letzten Legislaturperiode etwas unterzujubeln.
Jemand dessen größter Erfolg eine: Magisterarbeit mit dem Titel Funktion von Katastrophen im Serien-Liebesroman (siehe Wikipedia) war, bekommt da keine Lorbeeren von mir.

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