Nach Preissturz beim Rohöl durch Corona AvD fordert Senkung der Spritpreise

Tankstellenbetreiber geben Preisvorteil nicht vollständig an Kunden weiter

Der Automobilclub AvD fordert die Tankstellenbetreiber auf, die Spritpreise in dem Umfang zu reduzieren, wie die Rohölpreise seit Beginn der Corona-Krise gefallen sind. Die Rohölsorte Brent verbilligte sich um rund 60 Prozent. Nach Berechnungen der MDR-Wirtschaftsredaktion wurden Kraftstoffpreise an den Zapfsäulen nicht annähernd in diesem Umfang angepasst.

von Henry Rieck

Die Hand an der Zapfsäule
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Der Automobilclub von Deutschland (AvD) fordert die Mineralölwirtschaft auf, die gesunkenen Rohölpreise vollumfänglich an die Autofahrer und Autofahrerinnen weiterzugeben. Das erklärte der Verband der MDR-Wirtschaftsredaktion. Diese hatte zuvor berichtet, dass der Rohölpreis (Brent) seit Jahresanfang - dem Beginn der Corona-Krise - um rund 60 Prozent gefallen ist. Die Kraftstoffpreise an den Zapfsäulen wurden nicht annähernd in diesem Umfang angepasst. Nach den Berechnungen des MDR haben die Tankstellenbetreiber die Endverbraucherpreise je nach Sorte nur um 12 bis 16 Prozent reduziert. Lässt man die Steuern unberücksichtigt, liegen die Preissenkungen auch nur bei rund 25 Prozent.

AvD: unangenehmer Beigeschmack bei Preissenkungsstrategie

Nach Auffassung des AvD hat das Verhalten der Tankstellenbetreiber in der aktuellen Situation einen unangenehmen Beigeschmack, in dem dadurch „jene Menschen abkassiert werden, die weiterhin zur Arbeit fahren, ihre Aufgaben erfüllen und zum Beispiel als Arzt, Krankenschwester, Polizeibeamter oder auch als Mitarbeiter eines Supermarktes dafür sorgen, dass die Sicherheit und Versorgung von uns allen aufrecht erhalten bleibt“, sagt Herbert Engelmohr. Er ist Leiter der AvD-Unternehmenskommunikation.

Mineralölwirtschaft argumentiert mit Zusatzkosten in der Krise

Der Mineralölwirtschaftsverband (MWV) verweist auf MDR-Anfrage auf die derzeitige besondere wirtschaftliche Krisensituation, u.a. auf Personalausfall durch Quarantäne und zusätzliche Kosten. „Aufgrund eines sinkenden Verkehrsaufkommens bei gleichzeitig erhöhten Sicherheitsanforderungen an das Personal steht die Branche deutlich höheren kundenspezifischen Transport- und Vertriebskosten gegenüber, die gedeckt werden müssen. Nur wenn Tankstellen wirtschaftlich arbeiten, ist ihr Bestand gesichert. Diese Situation hat einen noch stärkeren Preisrückgang verhindert“, so MWV-Sprecher Alexander von Gersdorff.

Automobilclub kann erhöhten Aufwand nicht nachvollziehen

Das Argument der höheren Kosten erscheint dem AvD hingegen nur vorgeschoben. „Weder bei der Raffinierung, noch beim Transport oder an den Tankstellen ist ein erhöhter Aufwand nachvollziehbar erkennbar – wenn man einmal von der provisorischen Ausstattung der Kassenbereiche mit Plexiglas-Scheiben als Spuckschutz absieht“, so Engelmohr. Nach Auffassung des AvD sollte hingegen der Kraftstoff-Transport wegen der aktuell deutlich reduzierten Verkehrsdichte schneller und damit kostengünstiger möglich sein.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR aktuell | 26. März 2020 | 19:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 26. März 2020, 23:30 Uhr