Technische Mängel Defekte IC-Züge: Sächsische Bombardier-Werke betroffen

Die Deutsche Bahn verweigert die Abnahme von 25 neuen IC2-Zügen. Davon unmittelbar betroffen sind die sächsischen Bombardier-Werke in Görlitz und Bautzen. Die wirtschaftlichen Folgen für die Standorte sind unabsehbar. Im Mittelpunkt steht ein Rahmenvertrag zwischen Bahn und Bombardier. Danach kann die Bahn bis Ende 2020 mehr als 100 neue Fahrzeuge kaufen - muss aber nicht.

Die beiden sächsischen Bombardier-Werke in Görlitz und Bautzen sind unmittelbar von den Mängeln an den neuen Intercity-Zügen betroffen. Dort werden nach Informationen von MDR AKTUELL hauptsächlich Triebwagen und Waggons der beanstandeten IC2-Baureihe gebaut. Bombardier selbst hat auf Anfrage von MDR AKTUELL die Probleme eingeräumt. Eine Sprecherin sagte, die Doppelstockzüge vom Typ IC2 seien aktuell nicht mit der Zuverlässigkeit im Betrieb, die von der Deutschen Bahn und von Bombardier selbst erwartet werde. Bombardier arbeite daran, die Zuverlässigkeit der IC2-Züge zeitnah deutlich zu verbessern.

Unabsehbare Folgen für Bombardier in Sachsen

Die aktuellen Probleme können gravierende Auswirkungen auf die beiden Standorte haben. Die Deutsche Bahn und Bombardier haben einen Rahmenvertrag geschlossen,  der es der Bahn erlaubt, eine bestimmte Anzahl von Triebfahrzeugen und Waggons einzukaufen. In diesem Jahr handelt es sich nach MDR-Informationen um mehr als 100 Waggons und Triebwagen, die hauptsächlich in Görlitz und Bautzen produziert werden würden.

Zwar sind es nicht ausschließlich Fahrzeuge der jetzt beanstandeten IC2-Baureihe. Doch sollte die Bahn darauf verzichten, weitere IC2-Züge zu kaufen, wären die beiden Bombardier-Werke in Görlitz und Bautzen bis zu einem halben Jahr unausgelastet. Die wirtschaftlichen Folgen wären unabsehbar. Bombardier selbst wollte sich zu den möglichen wirtschaftlichen Konsequenzen nicht äußern.

Abnahme von 25 IC-Zügen verweigert

Die "Süddeutsche Zeitung" hatte berichtet, dass die Deutsche die Abnahme von 25 neuen IC2-Zügen verweigere. Grund seien Probleme mit der Steuerungssoftware. Die Zeitung beruft sich auf interne Bahn-Unterlagen. Demnach bricht das Betriebssystem regelmäßig zusammen. Lokführer müssten eine Stunde vor Abfahrt am Zug sein, um das System zu starten.

Ob die Software eine Entwicklung von Bombardier ist oder ob für die Fehler externe Dienstleister verantwortlich sind, blieb zunächst unklar. Nach Informationen von MDR AKTUELL soll es aber bei der Abnahme der Züge durch die Bahn zu "massiven Problemen" gekommen sein.

Das Bombardier-Werk in Görlitz gilt bei Bombardier seit Längerem als möglicher Streichkandidat. Bisher konnten sich Belegschaft und Geschäftsführung immer auf einen Fortbestand des Werkes einigen. Zuletzt hatte der kanadische Konzern mehrere Millionen Euro in den Standort investiert. Zuvor hatten Sachsens Regierung, die Gewerkschaft IG Metall und der Betriebsrat lange mit der Konzernspitze verhandelt.

Bahn fordert schnelle Mängelbeseitigung

Die Bahn ergänzt ihre Intercity-Flotte seit Ende 2015 mit den neuen Doppelstockwagen von Bombardier. Von den technischen Mängeln betroffen ist die zweite Bauserie des Zuges. Die Bahn hat laut dem Zeitungsbericht bei Bombardier eine schnelle Beseitigung der Mängel gefordert.

Die neuen IC-Züge lösen schrittweise die jahrzehntealten IC-Waggons ab. Die neuen Waggons bieten mehr Komfort und Sitzplätze. Eingesetzt werden sie unter anderem zwischen Dresden und Köln sowie Singen und Stuttgart. Langfristig will die Bahn nahezu alle Städte mit mehr als 100.000 Einwohnern an das Fernzugnetz anschließen.

Produktion an neun Standorten in Deutschland

Die Bombardier Transportation GmbH produziert an neun Standorte in Deutschland vor allem Fahrzeuge für den Schienenverkehr: neben Görlitz und Bautzen auch in Hennigsdorf, Kassel, Siegen, Mannheim, Frankfurt/Main, München und Berlin. Die Gesellschaft hatte im Jahr 2018 einen Umsatz von etwa 1,9 Milliarden Euro erwirtschaftet. Unter dem Strich steht ein Fehlbetrag von 54 Millionen Euro. 2018 hatte Bombardier in Deutschland 6.700 Mitarbeiter beschäftigt.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 28. Januar 2020 | 01:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 28. Januar 2020, 03:52 Uhr

2 Kommentare

Horst vor 9 Wochen

Die Schweizer Bahn hatte bereits erhebliche Probleme mit Bombardier bei der Lieferung von Doppelstöcker für den Fernverkehr. Bombardier scheint Probleme mit der Zuverlässigkeit zu haben.

Sonnenanbeter vor 9 Wochen

"Die neuen Waggons bieten mehr Komfort und Sitzplätze." Das sagt wer? Die Deutsche Bahn oder die Kunden? Das mit mehr Komfort würde fast jeder, der mit den Intercitys beider Generationen unterwegs war, wohl umgehend verneinen. Vielleicht sollte der MDR mal eine Testfahrt unternehmen, dabei versuchen Reisegepäck wie einen Koffer im IC2 zu verstauen und auf einer mehrstündigen Fahrt, das ist ja der Sinn und Zweck von Fernverkehrszügen, in den Sitzen des IC2 anschließend so etwas wie Komfort zu verspüren. Viel Spaß, eine Familie auf Urlaubsreise hätte ihn mit ihrem Gepäck ganz sicher. Und nicht nur die. Einen aufgehübschten Nahverkehrszug, und nichts weiter sind diese Dostos, dem Kunden als Fernverkehrszug unterzujubeln, da gehört schon einiges dazu. Nicht alles was neu(er) ist, ist auch besser. Im Falle der Intercitys trifft das ganz sicher zu...