Hilfsmaßnahmen der Banken Kreditschulden in Zeiten der Corona-Krise

In Betrieben, Geschäften und Restaurants gibt es Kurzarbeit. Freizeiteinrichtungen sind geschlossen. Im Zuge der Corona-Krise werden viele Menschen, sowohl privat als auch geschäftlich, in den nächsten Wochen ein geringeres oder gar kein Einkommen auf ihren Konten verbuchen. Was passiert in dieser Zeit mit Kreditschulden? Schließlich ist das Einkommensdefizit durch die aktuelle Lage nicht selbst verschuldet. So gehen die Banken in dieser Frage mit ihren Kunden um.

Egal ob es privat der Ratenkredit fürs Eigenheim ist oder geschäftlich die Investition ins Unternehmen für Maschinen – Hunderttausende Menschen in Deutschland müssen sich zur Zeit die Frage stellen, wie sie in den nächsten Wochen ihre Kreditschulden tilgen können. Eine Not, die die Banken erkannt haben und darauf reagieren. Die Commerzbank in Sachsen zeigt sich dabei vor allem Privatkunden gegenüber vorübergehend kulant.

Bei Privatkunden, die Liquiditätsengpässe oder Kreditbedarfe zum Beispiel bei Kurzarbeit haben, gewähren wir derzeit (...) bei Ratenkrediten eine dreimonatige Zahlungspause. Danach verzichten wir auf eine erneute Kreditwürdigkeitsprüfung.

Heike Ziegenbalg Sprecherin Commerzbank Sachsen

Bei Unternehmen und Mittelständlern sichere man die Liquiditäts- und Kreditversorgung, sagt Ziegenbalg weiter. Der Fokus der Commerzbank liege dabei auf dem neu aufgesetzten KfW-Corona-Programm.

Hilfsprogramm der Bundesregierung kommt an

Die Milliarden aus dem Programm, das die Bundesregierung aufgelegt hat, leiten die Kreditinstitute also an ihre Kundinnen und Kunden weiter. Jeder Fall wird aber von den Hausbanken einzeln entschieden.

Nach Auskunft des Bundesverbands Deutscher Banken werden die Bedingungen beziehungsweise Konditionen immer individuell gestaltet. Das betrifft sowohl die Kreditvergabe in der Corona-Krise als auch die Stundung von Ratenzahlungen. Sowohl Privat- als auch Geschäftskunden müssen also gezielt das Gespräch mit ihrer Bank suchen. Das bestätigt auch Gunnar Bertram, der Vorstandsvorsitzende der Volksbank Chemnitz, der zweitgrößten Genossenschaftsbank in Ostdeutschland.

Pauschale Lösungen machen keinen Sinn. Jeder Fall ist individuell, und jeder Fall will besprochen werden. Das tun wir und werden sehr zeitnah Lösungen zur Sicherung der Liquidität mit unseren Kunden treffen.

Gunnar Bertram Vorstandsvorsitzender Volksbank Chemnitz

Oberste Priorität als Bank sei es jetzt sicherzustellen, dass Privatpersonen wie Unternehmen über ausreichend Liquidität in schwierigen Zeiten verfügten, sagt Bertram.

Individuelle Lösungen mit der Hausbank finden

Die Risikoeinschätzung bei Kredit- und Stundungsanfragen obliegt dabei jeder Bank selbst. Somit haben jene Kunden die besseren Karten, die regelmäßige Einnahmen und positive Bilanzen in den zurückliegenden ein bis zwei Geschäftsjahren vorweisen können.

Gute Zusammenarbeit mit Kreditinstituten

Was die Bearbeitungszeiten aktueller Krisen-Anfragen betrifft, so braucht die KfW nach Angaben der Commerzbank Sachsen momentan circa vierzehn Tage. Volksbank-Chemnitz-Vorstand Bertram berichtet von ersten positiven Erfahrungen mit der regional zuständigen Bürgschaftsbank Sachsen. Dort seien gerade die ersten Fälle bestätigt worden. Man habe als Volksbank "Liquiditätsanträge von unseren Kunden weitergeleitet" und bereits die Rückbestätigung erhalten.

Mit KfW und anderen Instituten sei man dabei, Themen auszudiskutieren und zu testen. Auch da, zeigt sich Bertram sicher, werde es relativ bald gut funktionieren. Trotz allem gibt der Banken-Chef zu bedenken: "Im richtigen Leben braucht's natürlich immer einen kleinen Moment, bis politische Zusagen auch in der praktischen Arbeit ankommen."

Die Räder drehen sich also. Dennoch ist Geduld gefragt. Egal ob privat oder geschäftlich: Jeder sollte bei Zahlungsengpässen seine persönliche Lage gezielt mit seiner Bank besprechen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 22. März 2020 | 09:08 Uhr