Coronakrise Sachsen: 6.100 Anträge auf Darlehensprogramm

Auf das sächsische Darlehensprogramm "Sachsen hilft sofort" haben sich bisher 6.100 Unternehmen beworben. Wirtschaftsminister Martin Dulig sagte MDR AKTUELL, darunter seien auch Einzelunternehmer. Dulig kündigte zudem ein Zuschussprogramm für Unternehmen mit weniger als zehn Beschäftigen an.

Am Freitag den 13. März hatte der Leipziger Nachtclub "Ilses Erika" bislang zum letzten Mal geöffnet, sagt Inhaber Jörn Drewes. Seither ist der kleine Club in der Nähe des Connewitzer Kreuzes dicht – es gibt keine Feiern, keine Lesungen, keine Konzerte. Und Jörg Drewes weiß nicht, wann es weiter geht. "Vielleicht ist es möglich, dass wir im Mai unseren Biergarten wieder aufmachen. Aber ich denke, dass es noch dauern wird, bis wir zur Normalität zurückkommen", fürchtet er. 

Verschuldet aus der Krise?

Denn die Ausgaben, etwa für Miete und Krankenkassenbeiträge seiner Angestellten, laufen weiter. Einen Monat könne er das vielleicht durchstehen. Danach jedoch brauche er finanzielle Hilfe. Jörn Drewes begrüßt deshalb das Hilfsprogramm "Sachsen hilft sofort" der sächsischen Landesregierung. Ein Programm, das in Not geratenen Unternehmen zinsfreie Darlehen gewährt. Doch die Lösung sei dieses Programm nicht. 
 
"Man kann Darlehen bis 50.000 Euro aufnehmen, was die Lücken erstmal schließt", sagt er. Trotz der geschlossenen Lücken gingen Unternehmen mit Schulden aus der Krise.

Großer Ansturm auf sächsisches Hilfsprogramm

Dennoch ist der Ansturm auf das Programm "Sachsen hilft sofort" groß. In den vergangenen sechs Tagen haben 6.100 Unternehmen und Freiberufler bei der Sächsischen Aufbaubank einen Antrag auf ein Hilfsdarlehen gestellt, sagte Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig MDR AKTUELL. Die Förderbank des Freistaats ziehe alle Register, um mit der Bearbeitung der Anträge hinterher zu kommen, so Dulig. 

Die Sächsische Aufbaubank arbeitet unter Hochdruck. Sie haben über 500 Leute im Zweischichtsystem, die selbst am Wochenende arbeiten.

Martin Dulig,Wirtschaftsminister in Sachsen

Etwa jeder zwanzigste Antrag, ingesamt sind es ungefähr 300, wurde bisher bewilligt. Das heißt, 11,7 Millionen Euro können schon ausgezahlt werden, so Martin Dulig weiter. Dass bislang nicht mehr Anträge abgehakt werden konnten, liege aber nicht nur an der Sächsischen Aufbaubank, sondern auch an unvollständigen Unterlagen.

Sachsen bereitet zweites Hilfsprogramm vor

Bislang gibt es im Freistaat Sachsen nur ein Darlehensprogramm für coronageschädigte Unternehmen. Andere Länder wie Thüringen bieten dagegen schon Zuschüsse, die nicht zurückgezahlt werden müssen.

In Sachsen-Anhalt etwa kann ein Kleinunternehmer ab Montag bis zu 9.000 Euro abrufen. Möglich macht das ein Fördermittelprogramm des Bundes, das die Länder übernehmen und ergänzen können. Das Programm wurde erst am vergangenen Freitag endgültig vom Bundesrat beschlossen. Sachsen habe diese endgültige Entscheidung des Bundesrats abwarten wollen und werde laut Dulig nun nachziehen:

Damit wird es auch in Zukunft ein Zuschussprogramm für notleidende Unternehmen mit weniger als zehn Beschäftigten geben. Sobald die Bestimmungen des Bundes da sind, werden wir das auch in Sachsen umsetzen.

Martin Dulig, Wirtschaftsminister in Sachsen

Er hoffe, dass das Land Mitte der kommenden Woche soweit sei. Wie hoch die Zuschüsse in Sachsen sein werden, sagte Martin Dulig nicht. Jörn Drewes wird es freuen. Vielleicht kann sein Nachtclub "Ilses Erika" die Corona-Krise dadurch überstehen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 29. März 2020 | 08:09 Uhr

2 Kommentare

wo geht es hin vor 26 Wochen

Zitat aus dem Artikel: "Sachsen habe diese endgültige Entscheidung des Bundesrats abwarten wollen und werde laut Dulig nun nachziehen" Zitat Ende. Da fehlen einem die Worte. Hat Dulig erwartet, das das Programm etwa noch abgelehnt werden könnte? Und wieder wird wertvolle Zeit verschenkt. Das zieht sich wie ein roter Faden durch die GESAMTE Krisenpolitik. Jetzt und hier sind mutige Entscheidungen gefordert und eben nicht das Wiehern des Amtsschimmels. Dulig muss sich ja keine Sorgen machen - ihn betrifft Existenzangst ja nicht. Und wenn man sich die allgemeinen Bedingungen für die Hilfen so durchliest, kann man schnell zu dem Verdacht kommen, hier wurde bewusst verschleppt. denn in den Bedingungen steht drin, dass man nur EINE Hilfsmaßnahme in Anspruch nehmen kann. Wer jetzt schon einen Kredit hat, dürfte wohl der Gekniffene für die rückzahlungslosen Zuschüsse sein. Bravo Herr Dulig!

Bootsmann vor 26 Wochen

Schauen wir mal, wann der Nachrichtenreiter in Dresden eintrifft.
In die anderen Bundesländer müssen die Wege kürzer gewesen sein.
Vielleicht haben die aber auch das Internet benutzt...
Gab es denn Zweifel in der sächsischen Staatsregierung, das das Programm nicht "durchgeht"?
Wenn einem wie mir das Wasser schon im Maschinenraum steht, werden die Tage bis zur Rettung lang.
Kredite mit der vagen Aussage der Rückzahlung sind keine Alternative!
Wieso soll ich aus meinem jetzt lecken Kahn, der bis März ganz gut schwamm, in ein Boot mit Loch springen?
Weiß ich denn, welche Stürme und Strömungen in den nächsten 10 Jahren auf meinem Kurs liegen (und, ob ich den Zielhafen Rente überhaupt erreiche)) ?

ein nach Luft schnappender Bootsmann