Protestaktion Reisebranche demonstriert für Corona-Hilfen

In mehreren Städten wollen am Mittwoch Reisebüro-Inhaber, Reiseveranstalter und viele weitere kleine und mittelständische Tourismus-Betriebe auf ihre finanzielle Lage aufmerksam machen. Sie fordern Hilfen, um Umsatz- und Gewinneinbrüche durch das Coronavirus aufzufangen. In knapp 40 Städten sind Kundgebungen unter dem Motto "Wir Reisebüros zeigen Gesicht" geplant.

Sommer 2020 steht auf einem durchgestrichenen Bild von einem vollen Strand auf Mallorca
Der Urlaub 2020 droht wegen des Coronavirus auszufallen. Das Auswärtige Amt warnt vor unnötigen Urlaubsreisen - vor allem ins Ausland. Bildrechte: imago images/MiS

Reisen sind wegen der Corona-Pandemie bislang ins Wasser gefallen. Das ist nicht nur für die Betroffenen schmerzlich: Die gesamte Reisebranche ist derzeit lahmgelegt und beklagt allein in Deutschland Umsatzeinbußen in Milliardenhöhe. Besonders betroffen sind kleine und mittelständische Unternehmen, die um ihre Existenz bangen, ebenso die Menschen, die im Tourismus-Sektor arbeiten.

In zahlreichen Städten wollen deshalb Reisebüro-Inhaber und Reiseveranstalter am Mittwoch auf die Straße gehen und protestieren. Sie fordern finanzielle Hilfen, um die Corona-Krise zu überstehen, und warnen zugleich vor einem Kollaps.

Dresdner Reisebüro stößt bundesweite Protestaktion an

Die Initiative für die bundesweiten Proteste kommt aus Dresden. Dort hat der Reisebüro-Inhaber Rainer Maertens eine Kundgebung vor dem Dresdner Landtag angemeldet. Er sagte MDR AKTUELL, Tourismus sei mehr als TUI und Dehoga.

Maertens kritisierte die bislang von Bund und Ländern auf den Weg gebrachten Hilfen. Damit werde die Tourismusbranche nicht ausreichend unterstützt. "Reisebüros, Reiseveranstalter, Busunternehmen, Souvenirhändler und viele mehr arbeiten eng verzahnt", sagte Maertens. Es brauche daher eine Gesamtlösung für die Branche, keine Verteilung nach dem Gießkannen-Prinzip.

Als Soforthilfe müsse die KfW-Bank bei Krediten auch Unternehmen berücksichtigen, die weniger als zehn Mitarbeiter hätten. Für diese stünden derzeit keine KfW-Kredite ohne bankübliche Prüfungen bereit.

Proteste auch in Erfurt, Halle und Leipzig geplant

Ein Reisebus auf der Straße.
Mit Buskonvois wollen Reiseveranstalter auf die drastische Situation der Tourismusbranche in der Coronakrise aufmerksam machen. Bildrechte: imago images / Arnulf Hettrich

In weiteren knapp 40 Städten sind Kundgebungen unter dem Motto "Wir Reisebüros zeigen Gesicht" angemeldet, in Mitteldeutschland unter anderem in Erfurt, Halle, Magdeburg, Chemnitz und Leipzig. Die Zahl der genehmigten Teilnehmer kann je nach Stadt zwischen 10 und 50 liegen. Für Demonstrationen gelten zum Schutz vor dem Coronavirus derzeit strenge Vorschriften.

Auch die Allianz Selbständiger Reiseunternehmen (ASR), die Branchenvertretung für mittelständischen Tourismus in Deutschland, unterstützt die Proteste. Anke Budde vom ASR sagte MDR AKTUELL, es sei gut, dass die Demonstrationen von der Basis organisiert würden. Man müsse Druck machen und zeigen, dass Tourismus nicht nur Hotel- und Gaststättengewerbe sei.

Weiter erklärte Budde, die Branche sei sogar rückwirkend in die Krise geraten. Denn die Einnahmen, die seit Herbst generiert wurden, müssten wegen der Stornierung der Reisen zurückgezahlt werden. Damit sei neben dem finanziellen Verlust zudem ein enormer personeller Aufwand verbunden.

Dieses Thema im Programm: MDR MDR SACHSENSPIEGEL | 29. April 2020 | 19:00 Uhr