Coronavirus Schnelltests bisher nur für Labore und Mediziner

Eins vorab: Einen schnellen Selbsttest, mit dem jeder wie beim Schwangerschaftstest in kurzer Zeit auf eigene Faust herausbekommen kann, ob eine Infizierung mit dem Coronavirus vorliegt, gibt es noch nicht. Dennoch machen Nachrichten von Schnelltests die Runde. Dabei handelt es sich um Geräte für Mediziner und Labore. In Deutschland bietet Bosch einen solchen Test an. Doch hat das Verfahren noch einige Haken. Auch in den USA wurden bereits schnellere Testverfahren vorläufig zugelassen. 

Corona Abstrich Test
Selbsttests auf das Coronavirus gibt es noch nicht. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann

Vor wenigen Tagen hat Bosch einen ersten Schnelltest auf das Coronavirus vorgestellt. Er soll den Transport der Proben zum Labor überflüssig machen, zehn Atemwegserkrankungen auf einmal erkennen und eine Auswertung innerhalb von 2,5 Stunden ermöglichen. Das Unternehmen wirbt mit wegfallenden Transportwegen, schneller Gewissheit für den Patienten und kürzeren Wartezeiten auf Testergebnisse.

Ganz so einfach ist das aber nicht. So sind mit einem der Bosch-Analysegeräte dem Unternehmen zufolge jeweils nur bis zu zehn Tests am Tag möglich. Das ist vergleichsweise wenig. Ärzte, die das im eigenen Labor nutzen wollen, müssten also mehrere Analysegeräte beschaffen, Labore ebenso. Zum anderen ist die Kartusche für die Proben noch nicht vollständig zugelassen, wie ein Sprecher des Konzerns dem MDR sagte. Derzeit gibt es demnach eine sogenannte Research-use-only-Zulassung. Das bedeutet: Labore dürfen das Testverfahren zwar nutzen, müssen aber einen Referenztest machen – eine zusätzliche Hürde für den Einsatz.

"Nicht einmal ein Schimmer am Horizont"

Bevor der Test also überhaupt gewertet werden kann, muss er ein Labor erreichen – es sei denn, ein Arzt leistet sich eines oder mehre der preisintensiven Analysegeräte. Damit bleibt das Logistik-Problem weiter bestehen. Generell sei das System mit zehn Tests pro Tag für die Massenbewältigung nicht zu gebrauchen, sagt ein Sprecher des Berufsverbandes Deutscher Laborärzte: "Das ist nicht einmal ein Schimmer am Horizont."

Zu den Kosten: Dem Bosch-Sprecher zufolge werden die Testkartusche und das erforderliche Analysegerät von Vertriebspartnern verkauft. Der Preis der Kartuschen, die zehn Erreger gleichzeitig ermitteln können,  liege im höheren zweistelligen Euro-Bereich, ein Analysegerät selbst sei für einen Betrag im unteren fünfstelligen Bereich zu haben.

Erfolge auch aus den USA gemeldet

Bosch ist mit seiner Entwicklung nicht allein. Auch anderswo wurden bereits Schnelltests zugelassen, die eine längere Selbstisolierung von Nicht-Infizierten unnötig machen und im Falle einer Infektion eine schnelle Behandlung ermöglichen. Zuletzt meldete der amerikanische Konzern Abbott einen Erfolg. Er hat Testkits für handliche mobile Labore entwickelt, die binnen fünf Minuten Aufschluss darüber geben sollen, ob eine Person positiv und zehn Minuten, ob sie negativ ist. Von der amerikanischen Zulassungsbehörde FDA bis auf Widerruf zugelassen, will Abbott  in den kommenden vier Wochen rund fünf Millionen Tests herstellen.

Zuvor hatte die US-Firma Cepheid einen Test genehmigt bekommen, der das Virus binnen 45 Minuten nachweisen soll.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 24. März 2020 | 15:16 Uhr