Blumenhandel Der lange Weg der Rosen

Rosen aus dem Blumengeschäft kommen in der Regel nicht aus Gärtnereien aus der Region. Meist haben sie Tausende Kilometer hinter sich. Wir haben den Weg von Rosen aus Kenia nach Deutschland begleitet.

Rosen in einem Gewächshaus
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Eine der größten Rosenfarmen der Welt befindet sich am Lake Naivasha in Kenia. Das rund 120 Kilometer nordwestlich der Hauptstadt Nairobi gelegene Gelände umfasst eine Größe von 84 Fußballfeldern. Zwar sind die Niederlande Deutschlands wichtigster Rosenlieferant, doch gleich danach kommen die afrikanischen Länder Kenia und Sambia. Weitere Importe stammen aus Ecuador, Äthiopien und Italien.

Geringe Kosten

Rosenfarm am Lake Navaisha in Kenia aus der Luft
die Rosenfarm am Lake Navaisha Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

In Kenia sind die Bedingungen für den Rosenanbau besonders gut, denn die Arbeitskräfte sind preiswert und es fallen keine Heizkosten an. Dafür ist Kühlung wichtig, denn die geernteten Blumen müssen bei unter acht Grad Celsius transportiert werden, damit sie frisch bleiben. Liegt die Temperatur darüber, steigt der Stoffwechsel der Pflanzen an und sie verwelken schneller.

Vom Laster ins Flugzeug

Ohne Kühllaster geht also nichts. Auf mehrere Lkws verteilt legen die Blumen bei zwei Grad Celsius ihre erste Strecke auf dem Weg zu den europäischen Kundinnen und Kunden zurück. Etwa drei Stunden dauert die Fahrt bis zum Flughafen in Nairobi. Wie schon auf der Rosenfarm muss auch hier die Verladung schnell erfolgen, damit die Kühlkette nicht unterbrochen wird. Weil es tagsüber dafür zu heiß ist, wird nachts gearbeitet. Bevor mehrere Tausend Blumenkartons ins Flugzeug kommen, müssen sie vom Zoll geprüft werden.

Luftfrachtexperte Oliver Blum
Luftfrachtexperte Oliver Blum überacht das Verladen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Ein Luftfrachtexperte überwacht den Prozess und achtet darauf, dass die Fracht im Flugzeug sicher steht. Oliver Blum ist regelmäßig in dieser Aufgabe auf Flügen dabei: "Es ist wichtig, dass die Paletten ordentlich gebaut sind. Sobald du Überhänge hast, kann das den gesamten Ladeprozess dermaßen stören, dass die Abflugzeit gefährdet ist."

Gut gekühlt nach Frankfurt

Fracht wird in ein Flugzeug von Lufthansa Cargo verladen.
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Fünf Mal pro Woche fliegen die Piloten der Lufthansa Rosen aus Kenia nach Deutschland. Die müssen auch im Flugzeug gut gekühlt werden, immerhin legen sie mehr als 6.300 Kilometer Luftlinie von Nairobi nach Frankfurt am Main zurück. Nach einer Flugzeit von rund achteinhalb Stunden erreichen sie den Frankfurter Flughafen. Doch hier ist noch lange nicht Endstation. Im Gegenteil: Es muss wieder einmal schnell gehen.

Fahrt zur niederländischen Blumenbörse

Anschließend werden die Rosen erneut in Kühllaster verladen und von Frankfurt am Main ins 460 Kilometer entfernte Aalsmeer gefahren. In der niederländischen Gemeinde dicht am Amsterdamer Flughafen Schiphol befindet sich die größte Blumenbörse der Welt.

In den Hallen der größten Blumenbörse der Welt im niederländischen Aalsmeer.
Von Aalsmeer werden die Blumen weiterverkauft. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

In einem Hallenkomplex, der so groß wie 252 Fußballfelder ist, werden die Rosen umgeladen und in alle Welt weiterverkauft. Neben Rosen werden über 30.000 andere Pflanzensorten hier gehandelt; der Jahresumsatz liegt bei knapp 4,7 Milliarden Euro. In den Hallen herrschen durchgängig vier Grad Celsius, damit das. was gestern noch im Gewächshaus stand, frisch in die Läden kommt. Den Preis bestimmen die Händler mit, denn die Blumen werden in Aalsmeer versteigert. Per Knopfdruck kann jeder Händler kaufen. Wer zu früh bietet, zahlt einen hohen Preis, wer aber zu lange wartet, geht möglicherweise leer aus.

Zum Händler

Nach dem Verkauf beginnt der letzte Reiseabschnitt. Von Aalsmeer aus verteilen die Großhändler ihre Ware in ganz Europa. Wenn eine Rose etwa einen Blumenladen in Leipzig erreicht, hat sie mehr als 7.500 Kilometer zurückgelegt.

Warum deutsche Gärtnereien kaum noch Schnittblumen anbauen

Warum aber werden die Blumen importiert und nicht in heimischen Gärtnereien angebaut, so wie früher? "Wir können die Energiekosten nicht mehr stemmen", erklärt die Leipziger Gärtnerin Gudrun Kindler, und fährt fort: "Keiner kann so viel Geld für Energie ausgeben, da wären die Preise für die Blumen utopisch. Man kann das dann nicht verkaufen, weil es eben aus dem Ausland viel günstiger kommt."

Der Anbau von Blumen rechnet sich einfach nicht mehr. Seit dem Jahr 2000 ist der Bestand an Zierpflanzen-Gärtnereien in Thüringen um gut 76 Prozent zurückgegangen, in Sachsen-Anhalt um 74 Prozent und in Sachsen um mehr als 71 Prozent.

die Leipziger Gärtnerin Gudrun Kindler
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Um heute am Markt bestehen zu können, müssen Gärtnereien andere Wege suchen, wie Gudrun Kindler erklärt: "Unsere Standbeine sind einmal die Produktion von Topfpflanzen, Frühjahr- und Sommerstauden. Dann haben wir den Blumenladen, wo wir unsere Produkte selber verkaufen. Dann machen wir Pflanzenüberwinterung, stellen also mediterrane Pflanzen über den Winter in unsere Gewächshäuser. Und Gemüse, das der Kunde als Jungpflanze kaufen kann und dann im Kleingarten weiterkultiviert – das sind so die Sachen, die hier produziert werden."

Wer also einen Pflanzentopf aus heimischem Anbau kauft, unterstützt die Arbeit einer Gärtnerei unmittelbarer als mit dem Kauf einer Rose, die einen Weg von mehreren Tausend Kilometern zurücklegen musste.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | UMSCHAU | 11. Februar 2020 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. Februar 2020, 05:00 Uhr