Ausgetrockneter und gerissener Boden
Der anhaltend trockene und heiße Sommer macht den mitteldeutschen Landwirten noch immer zu schaffen. Bildrechte: imago/Steve Bauerschmidt

Mitteldeutschland Dürre-Sommer wirkt bei Landwirten nach

Für die einen war es ein Traumsommer, für die anderen eine wirtschaftliche Katastrophe. Während mancher Sonnenanbeter sich dieses Jahr über den ungewöhnlich heißen Sommer gefreut hat, war die anhaltende Dürre für viele Landwirte existenzgefährdend. Wir haben nachgefragt, ob Landwirte wegen der Dürre aufgeben mussten.

von Konstantin Kumpfmüller, MDR AKTUELL

Ausgetrockneter und gerissener Boden
Der anhaltend trockene und heiße Sommer macht den mitteldeutschen Landwirten noch immer zu schaffen. Bildrechte: imago/Steve Bauerschmidt

Für Wolfgang Vogel war es kein schöner Sommer. In Beiersdorf, einem kleinen Ort bei Grimma, hat der Präsident des sächsischen Landesbauernverbands seinen Betrieb. Auch ihn hat die Dürre schwer getroffen: "Das tut schon weh. Wenn man davon ausgeht, dass im Durchschnitt 33 Prozent der Einnahmen fehlen, dann ist die Liquidität schon angespannt."

Größte Ernteausfälle in Sachsen-Anhalt

Wolfgang Vogel, Präsident des sächsischen Bauernverbandes
Wolfgang Vogel, Präsident des sächsischen Bauernverbands. Bildrechte: MDR/Maren Beddies

Trotz angespannter Lage wird ein großer Betrieb wie der von Wolfgang Vogel die Dürre finanziell wohl überstehen. Bei vielen Landwirten in Mitteldeutschland ist die Lage ernster.

Denn vor allem Sachsen und Sachsen-Anhalt hat das Extremwetter 2018 hart getroffen. In Sachsen-Anhalt wurden die heißesten Temperaturen des Jahres gemessen. Der Niederschlag war hier am geringsten, die Ernteausfälle am größten.

Ein Problem, das immer noch akut sei, sagt Peter Deumelandt. Er ist Geschäftsführer des Kreisbauernverbands Jerichower Land. Viele Landwirte müssten jetzt Futter zukaufen, einige sogar die Zahl der Tiere verringern, weil das Futter nicht reiche.

Für die Futtermittelbaubetriebe selber ist das gravierendste Problem, dass ich die Futtergrundlage für den Winter nicht habe. Wir ernten ja im Sommer, Herbst das Futter, das für den Winter benötigt wird, um die Tiere satt zu kriegen, um Milch und Fleisch produzieren zu können.

Peter Deumelandt Kreisbauernverband Jerichower Land

Der Bodenfeuchteindex für die obersten 25 Zentimeter des Bodens am 17. Juli 2018
Die Dürre-Karte vom 17. Juli zeigt deutlich, wie stark betroffen Sachsen, Thüringen und vor allem Sachsen-Anhalt (blau umrandet) waren. Bildrechte: Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung GmbH - UFZ

Keine konkreten Zahlen zu Insolvenzen

Bundesweit rechnet die Wirtschaftsauskunftei Crif Bürgel mit elf Prozent mehr Insolvenzen in Folge der Dürre. Konkrete Zahlen für Mitteldeutschland konnten auf Anfrage von MDR AKTELL weder die Landwirtschaftsministerien noch die Bauernverbände in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen nennen.

Zwar hätten in Thüringen zwei Unternehmen nach dem Sommer Insolvenz angemeldet, ob das dürrebedingt war, ließe sich aber nicht sagen, schrieb das zuständige Ministerium.

Dürrehilfen zu umständlich zu beantragen

Dass es bisher keine Pleitewelle gibt, ist wohl auch der Dürrehilfe von Bund und Ländern zu verdanken. Auch Wolfgang Vogel hat sie für sein Unternehmen in Beiersdorf beantragt. Das Prozedere aber kritisiert er. Zu hohe Hürden, zu bürokratisch und bevormundend.

Ich sage es ganz deutlich: Ich habe es satt, immer wieder, wenn Katastrophen sind, beim Staat als Bittsteller aufzutreten. Ich bin Unternehmer und ich möchte als Unternehmer behandelt werden und möchte Instrumente in die Hand bekommen, bei denen ich für mich entscheide, was ich zu tun und zu lassen habe.

Wolfgang Vogel Präsident des sächsischen Landesbauernverbandes

Hilfe nur für existenzgefährdete Betriebe

Um Hilfen zu bekommen, mussten Betriebe nachweisen, dass die Ernten mindestens 30 Prozent unter dem Jahresdurchschnitt liegen und sie in ihrer Existenz gefährdet sind. Dafür werden auch Einkünfte und das Vermögen der Betriebsinhaber oder Gesellschafter geprüft. Bis zu 50 Prozent des eingetretenen Schadens  werden dann aus staatlichen Mitteln ausgeglichen.

Sachsens Landwirtschaftsminister Thomas Schmidt (CDU)
Sachsens Landwirtschaftsminister Thomas Schmidt. Bildrechte: SMUL/Atelier Klemm

Sachsens Landwirtschaftsminister Thomas Schmidt rechtfertigt den Aufwand: "Wenn so viel Geld in die Landwirtschaft fließt, darf man auch nicht vergessen, das anzuerkennen. Es ist kompliziert, da gebe ich den Landwirten recht. Wir haben auch versucht uns dafür einzusetzen. Aber trotzdem ist es eine sehr sehr große Hilfe und ich hoffe, dass den wirklich Bedürftigen damit auch geholfen wird."

Bauern: Risikorücklage würde helfen

Was aus Sicht der Bauernverbände dauerhaft für finanzielle Entspannung sorgen könnte, wäre eine steuerneutrale Risikorücklage. Landwirte könnten so in guten Zeiten eine steuerfreie Finanzreserve bilden, um in schlechten Zeiten Verluste eigenständig abfedern zu können.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 24. Dezember 2018 | 06:52 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 24. Dezember 2018, 05:00 Uhr