Erneuerbare Energien Solaranlagenbesitzer aufgepasst: EEG-Förderung läuft aus

Das neue Jahr hat gerade erst begonnen, aber einige Solaranlagenbesitzer sollten sich jetzt schon Gedanken über das nächste Jahr, also 2021, machen. Denn da läuft für rund 20.000 Haushalte in Deutschland die EEG-Förderung aus. Das heißt: Vom Netzbetreiber erhalten sie für ihren eingespeisten Solarstrom nicht mehr automatisch eine Vergütung, sondern sie müssen sich kümmern und den Strom verkaufen oder selbst verbrauchen.

Eine Solaranlage auf einem Eigenheim.
Was ändert sich für Solaranlagenbetreiber, wenn die EEG-Förderung ausläuft? Bildrechte: dpa

Haben Sie sich vor dem Jahr 2001 Ihre Solar-Anlage zugelegt? Herzlichen Glückwunsch, Sie waren damals Pionier und werden es nun auch wieder sein. Aber Sie sind nicht allein. In Mitteldeutschland betreffe das insgesamt 845 Anlagenbetreiber, erklärt die Bundesnetzagentur auf Anfrage von MDR AKTUELL.

Worauf Betreiber achten sollten

Sie sollten sich zunächst drei Fragen stellen, sagt Ines Rutschmann, Energie-Expertin vom "Finanztip", einer Internetseite für Verbraucher. "Erstens: Kann ich meine Anlage noch weiter betreiben, ist die technisch dazu noch in der Lage, ist sie noch fit? Wenn ja: Will ich sie auch weiter betreiben? Und was will ich mit dem Strom machen, lohnt sich das für mich?"

Denn der Solarstrom wird nun nicht mehr automatisch abgenommen und vergütet. Die Anlagenbetreiber müssen sich also um einen Abnehmer kümmern oder komplett auf Eigenbedarf umstellen. Letzteres sei für die meisten Betreiber am sinnvollsten, sagt Rutschmann, denn für den gekauften Strom bezahlt man im Schnitt 30 Cent.

Verbrauch lohnt sich mehr als Verkauf

Beim eigenen Strom zahle man weniger, rechnet die Expertin vor: "Die Anlagen sind abgeschrieben, es fallen hier nur noch Betriebskosten an, dann kostet die eigene Kilowattstunde vielleicht drei Cent pro Kilowattstunde, dazu muss man dann noch EEG-Umlage für den Eigenverbrauch zahlen, allerdings nur einen anteiligen Satz. Der liegt so bei 2,7 Cent. Dann wäre ich bei rund sechs Cent, die mich praktisch die eigene Kilowattstunde kostet."

Damit spart man mehr als 20 Cent pro Kilowattstunde. Dagegen lohne sich der Verkauf des Stroms nur in seltenen Fällen, sagt Rutschmann. Denn die hauptsächlich kleineren Anlagen der Privathaushalte (mit drei bis fünf Kilowatt), hätten einfach nicht genug Power, um mit den großen Stromlieferfirmen zu konkurrieren.

"Die Preise an der Strombörse liegen im Moment so bei vier Cent die Kilowattstunde. Mit den eigenen Betriebskosten, die ich noch habe, erzeuge ich vielleicht den Strom für drei Cent die Kilowattstunde, aber ich brauche ja auch noch jemanden, der Käufer des Stroms, der will ja auch noch etwas verdienen. Also es wird da schwierig, dass am Ende wirklich Gewinn aus dem Verkauf herauskommt."

Wann sich der Verkauf lohnt

Ein Verkauf lohne sich dann, wenn die Anlage mehr als 100 Kilowatt hätte, sagt Finanztip-Expertin Rutschmann. Oder wenn man direkt Abnehmer hat, also zum Beispiel Hausbesitzer ist und die eigenen Mieter beliefern kann. Auch wäre es möglich, einen Kaufvertrag mit Verwandten oder Freunden abzuschließen. Für die Einspeisung und Weiterleitung des Stroms würden dann Netzentgelte und Umlagen fällig.

Denn einfach so den überflüssigen Strom ins Netz "wild" einspeisen und sich zu sagen, dann verzichte ich aufs Geld, sei illegal, erklärt Rutschmann. Wenn der Netzbetreiber merke, dass da weiterhin Strommengen in sein Netz fließen, die er nicht zuordnen könne, dann habe er Sanktionsmöglichkeiten. Er könnte zum Beispiel auch irgendwann die Anlage vom Netz nehmen.

Gesetzgeber ist gefragt

Besonders wegen der vielen Besitzer kleiner Solaranlagen müsse hier der Gesetzgeber nachbessern. Rutschmann schlägt eine Bagatell-Grenze vor, sodass kleine Mengen auch ohne Abnehmer eingespeist werden dürfen. Beim Bundesministerium für Wirtschaft hält man von diesem Vorschlag eher wenig und bevorzugt die Direktvermarktung.

So teilte das Ministerium auf Anfrage von MDR AKTUELL schriftlich mit: "Erste Hinweise aus der Branche ergeben, dass einige Akteure kleinere Anlagen poolen wollen und so die Direktvermarktung organisiert werden könnte."

Abnahme technisch möglich, aber Struktur fehlt

Doch warum können nicht einfach die Stadtwerke, zum Beispiel, den Strom abnehmen? Sebastian Roß von den Leipziger Stadtwerken erklärt: "Rein technisch gesehen: definitiv. Das können wir machen. Trotzdem müssen wir warten auf die Regularien, wie das Ganze eben vergütet wird. Ob wir dann einfach den Börsenpreis rausgeben können. Es steckt ja auch ein kleiner Aufwand dahinter."

In den kommenden zwölf Monaten, darin sind sich die Experten einig, wird sich noch einiges auf dem Markt tun. Doch eins ist klar: Wer damals Solaranlagenpionier war, wird es auch heute sein.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 01. Januar 2020 | 05:00 Uhr

5 Kommentare

Strafrechts-Profit-eur vor 38 Wochen

@ erfurter Bub
nehmen sie bitte einen Stift und ein Blatt Papier und schreiben Sie alle Kosten und Energieverbräuche auf von der Förderung der Rohstoffe über die Lohnkosten der Angestellten (benötigen jede Menge Energie zum Leben) bis hin zur Entsorgung.

Sie werden sehr bald feststellen, dass diese Technik mehr Energie verbraucht, als sie bereitsstellt. Es ist ein Subventionsverbrechen zum Schaden des Landes insgesamt.

Die Entsorung ist nicht kostenlos. Sie wird nur von anderen bezahlt. Und das ist eine Riesenschweinerei, weil es neben den EEG-Subventionen eine weitere großzügige Sozialleistung an die Betreiber dieser Technik ist.

Der Erfurter Bub vor 39 Wochen

Was gefällt Ihnen denn an der kostenlosen Entsorgung der PV Module nicht? Die Recyclingquote von über 80%? Oder das es die Dinger überhaupt gibt? Muss ein Teufelswerk sein, Dinger die aus Sonne Strom und Warmwasser machen. Pfui Teufel nicht mit mir. Es lebe der Fortschritt!

Strafrechts-Profit-eur vor 39 Wochen

Da stellt sich dann die Frage der Entsorgung und des Recyclings der Solaranlagen.

Denn der Schrott wurde nur betrieben, weil man die Stromkunden per EEG-Umlage bestohlen hat.

Korruption nennt man sowas.