Schweine bekommen Raufutter in Form von Stroh in einer Raufe.
Wie gut hat das Tier gelebt Ein neues Tierwohllabel soll darüber Aufschluss geben. Bildrechte: imago/Marius Schwarz

Tierhaltung Tierwohllabel soll Fleischeinkauf transparenter machen

Mancher verzichtet ganz auf Fleisch – andere wollen wenigstens sichergehen, dass das Tier vorher gut gelebt hat. Doch das herauszufinden, ist nicht immer leicht – trotz oder wegen vieler Biosiegel und anderer Label. Nun ist auch noch das Label zur "Haltungsform" in vielen Discountern und großen Supermärkte dazugekommen.

Vera Wolfskämpf, Hauptstadtkorrespondentin MDR AKTUELL
Bildrechte: MDR/Karsten Möbius

von Vera Wolfskämpf, Hauptstadtkorrespondentin MDR AKTUELL

Schweine bekommen Raufutter in Form von Stroh in einer Raufe.
Wie gut hat das Tier gelebt Ein neues Tierwohllabel soll darüber Aufschluss geben. Bildrechte: imago/Marius Schwarz

Ein einfacher, viereckiger Aufkleber, darauf steht "Haltungsform". Es gibt vier Stufen, jede in einer anderen Farbe hervorgehoben. Den Vorteil erklären Handel und Landwirte so: Es geht nicht um schon wieder neue Kriterien, sondern um einen Überblick.

Koordinator Alexander Hinrichs erklärt, dass die Kennzeichnung eine Hilfestellung bieten soll, indem sie bestehende Label in die Stufen 1 bis 4 einordnet. 1 sei der gesetzliche Standard und 4 die höchste Stufe. In dieser Stufe seien dann beispielsweise Bioprodukte eingeordnet.

Lob von der Verbraucherzentrale

Die undatierte Grafik zeigt die Haltungskennzeichnung «Stallhaltung» (Stufe 1) der Initiative Tierwohl (ITW).
Die "Stallhaltung" des neuen Labels entspricht dem gesetzlichen Mindeststandard, also der branchenüblichen Haltung von Rindern und Puten. Bildrechte: dpa

Schön übersichtlich, lässt sich leicht vergleichen, lobt die Verbraucherzentrale. Der Bundesverband findet auch gut, dass viele Supermärkte und Discounter nun einheitlich kennzeichnen.

Trotzdem müssen die Verbraucher genau hinschauen: Stufe 1 "Stallhaltung" und Stufe 2 "Stallhaltung Plus" – das ist vielleicht klar. Aber die Stufe 3 heißt "Außenklima" – das bedeutet nur Frischluft oder halboffener Stall, nicht etwa Freilauf.

Den gebe es erst ab Stufe 4, sagt Jutta Jaksche vom Verbraucherzentrale-Bundesverband: "Erst dann ist gewährleistet, dass die Tiere Weidegang haben und dass sie annähernd ihre arteigenen Verhaltensweisen ausüben können. Also dass das Schwein wühlen und das Huhn picken oder Nester bauen kann."

Label nur auf verpacktem Fleisch

Noch ein Nachteil: Die neuen Kennzeichen gibt es nur auf verpacktem Rind, Schwein oder Geflügel. Die Ehrlichkeit fordert Jutta Jaksche auch an der Frischfleischtheke. So sollte dort das Personal ausreichend geschult sein, um auch auf Fragen antworten zu können.

Außerdem sollte Jaksche zufolge nicht der Eindruck erweckt werden, "dass es sich um gutes Fleisch handelt, nur weil es frisch und schön dargeboten wird – sondern das ist in der Regel ja der niedrigste Standard, nämlich der gesetzliche, der in der Fleischtheke verkauft wird".

Handel ist der Politik voraus

Der Handel plant jedenfalls, das Kennzeichen auszuweiten. Grünen-Politikerin Renate Künast ist dafür: Der Verbraucher könne sich so besser entscheiden. Nun sei der Handel der Politik und dem staatlichen Tierwohllabel allerdings voraus.

Renate Künast, Fraktionsvorsitzende Bündnis 90/Die Grünen
Renate Künast Bildrechte: imago/photothek

Wir haben jetzt das große Dilemma: Der Handel war frustriert, weil in der Politik jahrelang geredet, aber nichts gemacht wird.

Renate Künast | Grüne

Künast glaubt, es sei ein Fehler, auf der einen Seite die Haltungsform zu abzubilden, und dann noch ein Tierwohllabel, das mittendrin ist. Eigentlich bräuchte man der Grünen-Politikerin zufolge eine Haltungskennzeichnung, wo alles, einschließlich Bio drin ist, um sich anhand dessen entscheiden zu können.

Klar könne der Handel mehr Druck ausüben, weil der die Produkte vom Erzeuger kauft. Aber die Pläne von Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner findet Renate Künast zu verzagt.

Ministerin: "Tierwohllabel anspruchsvoller"

Die CDU-Ministerin weist das zurück. Sie kritisiert dagegen das neue Kennzeichen des Handels: Es garantiere kein Mehr an Tierwohl und keine Kontrolle, die Kriterien würden nur auf dem Papier gelten. Zudem sei das staatliche Tierwohllabel anspruchsvoller, weil es deutlich umfangreichere Tierwohlkriterien berücksichtige.

Bundesagrarministerin Julia Klöckner, CDU
Julia Klöckner Bildrechte: dpa

Wir schauen uns die Aufzucht des Ferkels an, den Transport, bis hin zur Schlachtung. Bei der Haltungskennzeichnung des Handels geht es nur um den Stall.

Julia Klöckner | CDU Bundeslandwirtschaftsministerin

Ob beispielsweise Ferkel betäubungslos kastriert wurden, spiele für die Stufen gar keine Rolle. Für das staatliche Label dagegen schon, das ab kommendem Jahr zunächst für Schweinefleisch geplant ist.

Die Hoffnung, dass das Wirrwarr an bunten Klebchen nicht noch größer wird, gibt es trotzdem: Die Bundeslandwirtschaftsministerin und der Handel sind generell dafür offen, die Kennzeichen zusammenzuführen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 01. April 2019 | 08:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 01. April 2019, 14:41 Uhr

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17 Kommentare

02.04.2019 11:41 Thomas 17

Das freiwillige Kennzeichnen nach Haltung ist m.E. Augenwischerei der Ketten und hat eher den Sinn, über vermeintlich "bessere" Haltung den Preis und damit den Umsatz zu erhöhen, weil dem Verbraucher suggeriert wird, auch das "bessere" Fleisch zu kaufen.

Da es sich ohnehin nur um abgepackte Ware handelt, bleiben lokale Erzeuger auf der Strecke, die frisch anbieten. Es wird also zusätzlich auch noch das industrielle Halten gefördert, das ja zu einem Gutteil für die kritisierten Zustände mit verantwortlich ist.

Ähnlich wie bei Bio ist das inzwischen nur noch Label und keine wirklich wertvolle Information über Zucht und Herkunft der Tiere.

01.04.2019 20:19 Peter 16

@13: "grüner Dünnschiss". Es scheint, Sie haben nur das Foto von Frau Künast gesehen, den Artikel aber nicht gelesen.
Das Tierwohllabel führen die Handelsketten Aldi, Lidl, Edeka, Rewe, Kaufhof ... ein. Na ja, wohl grün unterwandert.

01.04.2019 20:04 Kritischer Bürger 15

@Denkschnecke 8: +...Überhaupt scheint hier den werten Kommentatoren egal zu sein, was sie in sich herein schaufeln. Hauptsache billig....+
NE NICHT, Hauptsache billig! SONDERN= KANN MAN ES SICH ALS BÜRGER NOCH LEISTEN ODER NICHT! Warum vergessen solche Kommentare immer, das es NICHT NUR Wohlstandsbürger mit viel Geld hier in D gibt???
+...Komisch, viele Leute geben locker 5000,- mehr nur für ein Auto mit vier Ringen aus, das sie in der selben Qualität, Leistung und Ausstattung mir einem tschechischen oder spanischen S haben können....+
Was für andere Mitmenschen sichtlich ist und von Wohlstand zeugen soll in dieser Gesellschaft hat bei Vielen weitaus mehr Bedeutung als ob diese Wohlständler statt ein Brot beim Bäcker für über 2,50 Euro zu kaufen oder in Discounter für 1,20 Euro aufwärts. Genau so ist es mit Fleisch und andere Waren die nicht für andere Mitmenschen sichtbar sind etc.!

01.04.2019 19:32 Kritischer Bürger 14

Anderes Angebot: Politik; Wirtschaft, Handel für Großstädte können gern ggf. bei ausländischen Produzenten die Waren einkaufen, aber im Gegenzug so etwas wie Hofläden auf dem Lande nicht zu sehr mit Bürokratie überziehen, das diese dann 75% der Arbeitszeit pro Tag für Gesetze, Vorschriften etc. brauchen um aus eigene Viehhaltung dann Ware unter die Dorfbevölkerung zu bringen. Oder eben,auch bezogen auf Backwaren,vom Korn bis hin zum Bäckerbrot! Aber in dem man nun im eigenen Land entsprechende Hürden aufstellt wird die Produktion wegen Absatzmangel/Preisentwicklung gedrosselt! Viele Unternehmen gehen in Konkurs, was wiederum ArbPl.-Verlust zur Folge hat. Andererseits wird aus anderen Ländern billig importiert und die Preise hier bleiben für Gewinnbestrebungen einzelner. Denn Menschen werden so oder so das meist preiswerteste kaufen, auch wenn aus anderen Ländern kommt, wo billiger produziert, nicht so sehr kontrolliert wird,wie im "Beamten.- & Gesetzesparadies D"!

01.04.2019 19:27 retrot 13

Solange die Tiere durch halb Europe gekarrt werden,
ist das wie üblich grüner Dünnschiss.

01.04.2019 19:20 Kritischer Bürger 12

SAKASMUS AN: Nur das sich wohl einige Politiker/innen hier wichtiger tun wollen al sdas sie sind denn sicher wurden da auch BERATER mit ins "BOOT GEHOLT" damit der Anschein gewahrt wird das diese Politikerin sicherlich ihr Gehalt wert sein sollen. ... Sarkasmus aus!
Nette Frau
Wir schauen uns die Aufzucht des Ferkels an, den Transport, bis hin zur Schlachtung. Bei der Haltungskennzeichnung des Handels geht es nur um den Stall. Julia Klöckner | CDU Bundeslandwirtschaftsministerin...+
... WER SIND WIR? Die BÜRGER, die ENDVERBRAUCHER oder diejenigen welche als Kontrolleure meinen bei Mitmenschen noch irgend etwas an Vertrauen aufbauen zu wollen wenn am Ende die jeweilige Geldbörse der Bürger NUR SCHNELLER LEER WIRD! für weniger Verbrauchsgüter, Waren des täglichen Bedarfes!
OH, OH WO GEHT ES MIT D NUR HIN?

01.04.2019 19:13 Kritischer Bürger 11

Armen Mitmenschen wird es so etwas von egal sein ob da noch mehr Zeichen usw. auf Verpackungen nachlesbar sind sondern arme Menschen entscheiden nicht danach was und wie ein Tier lebte, transportiert wurde etc. sondern ob das Produkt BILLIG IST(!) so das man es sich als armer Bürger auch leisten kann oder nicht! Alles nur BÜROKRATIE und niemand der Bürger, welche ggf. nach solchen Aufdrucken entscheiden, kann je die Wahrheit dieser Aussagen privat oder persönlich überprüfen! Da steht die Schweigepflicht der ArbN in entsprechenden Bereichen bei entspr. ArbG im Weg. Also nur ein Grund wohl so nach und nach die Billigprodukte aus den Handel zu nehmen um auch hier wiederum nicht nach den Geldbeutelinhalten der Bürger zu fragen was diese sich demzufolge / danach NOCH LEISTEN können!

01.04.2019 17:51 Brennabor 10

Wenn alle Tiere artgerecht gehalten würden,
bräuchten wir solche "Label " gar nicht.
Im übrigen finde ich, dass viel zu viel Fleisch
produziert wird und das es viel zu billig im Preis
angeboten wird.

01.04.2019 17:37 Empathielos 9

Wie kann es sein dass wir 80 "Milliarden" Tiere (pro Jahr) ernähren können und trotzdem nur 1Millionen Menschen an Hunger leiden.
Fleischfresser wie ich, interessiert das Leid anderer Tiere und Menschen nicht darum kaufe ich auch billig Klamotten.
Ich weiß dass die Natur deshalb leidet aber ich lebe ja nur einmal.
Ich schlage und trete meinen Hund auch dreimal täglich. Kein Fleischfresser sagt etwas dagegen. Früher habe ich meine Hunde fünfmal am Tag geschlagen und getreten. Ein bisschen Moral ist bei mir auch noch vorhanden.
Aber wenn irgendwelche Jäger einen Elefanten oder Löwen erschießen bin ich richtig sauer.

01.04.2019 17:33 Denkschnecke 8

@3,1 Glauben Sie wirklich, dass Fleisch aus dem Ausland NICHT kontrolliert wird? Und das trauen Sie sich zu essen?
Überhaupt scheint hier den werten Kommentatoren egal zu sein, was sie in sich herein schaufeln. Hauptsache billig.
Komisch, viele Leute geben locker 5000,- mehr nur für ein Auto mit vier Ringen aus, das sie in der selben Qualität, Leistung und Ausstattung mir einem tschechischen oder spanischen S haben können. Ohne irgendeinen Mehrwert zu haben außer Prestige. Für dieses Geld kann ich zehn Jahre lang jede Woche 10,- mehr für besseres Essen ausgeben.