Die Sonne spiegelt sich in einem Solarpanel.
Photovoltaik-Anlagen speisen in die Stromnetze ein. Bildrechte: colourbox.com

Energiewende Stromversorger fordern regionalen Netzausbau

Durch den Umstieg auf Solar- und Windstrom müssen überall in Deutschland die Stromnetze umgebaut werden. Gerade entstehen gigantische und milliardenteure Stromautobahnen. Doch jetzt kritisieren regionale Stromversorger: Auch in den Städten und Gemeinden müssen die Netze besser ausgebaut werden.

von Johannes Schiller, MDR AKTUELL

Die Sonne spiegelt sich in einem Solarpanel.
Photovoltaik-Anlagen speisen in die Stromnetze ein. Bildrechte: colourbox.com

"Deutschland - Land der Kraftwerke" - so könnte man es formulieren. Durch die Energiewende liefern zum Beispiel in Thüringen hunderte Windräder, Biogas- oder Photovoltaik-Anlagen klimaschonenden Strom. Genau sind es 16.000, sagt Andreas Roß, Technischer Direktor beim Regionalversorger TEAG aus Erfurt. Alle Anlagen speisten in die Netze ein. Mit Ausnahme der großen Wasserkraft- oder Pumpspeicherkraftanlagen wie Goldistal oder die Saale-Kaskaden. "Die sind aufgrund ihrer hohen Leistung direkt an das Netz von 50 Hertz angeschlossen."

Politik setzt auf Stromautobahnen

Der Übertragungsnetzbetreiber ist zuständig für die Höchstspannungsleitungen, manchmal auch Stromautobahnen genannt. Nicht auf ihnen, sondern fast komplett in den kleineren Verteilnetzen von Stadtwerken und Regionalversorgern - also den Kreisstraßen - landet der Ökostrom.

Trotzdem konzentriert sich die Politik vor allem auf funktionierende Stromautobahnen, kritisiert Michael Ebling, Präsident des Verbands kommunaler Unternehmen. Das sei eine Verschiebung der Schwerpunkte beim Thema Regionalität. Der Verband fordert im Kern ein Bekenntnis zur dezentralen Energiewende. Unter anderem sollen die bundesweit 900 Stadtwerke und Regionalversorger mehr Verantwortung bekommen, wenn es darum geht, die Stromnetze zu stabilisieren. Außerdem soll es attraktiver werden, Geld in den Ausbau der Verteilnetze zu stecken.

Diese Netze müssen auch im Zuge der Digitalisierung noch fit gemacht werden. Das setzt voraus, dass jemand kräftig investiert.

Michael Ebling, Präsident VKU

Neue Akteure auf dem Markt

Mindestens 20 Milliarden Euro müssen laut einer Studie der Bundesregierung in den nächsten Jahren in die Verteilnetze fließen. Auch Andreas Roß von der Thüringer Energie AG sieht hier großen Nachholbedarf. Vor allem weil der Umbau des deutschen Energiesystems weitergeht. Bei der Energiewende sei man noch lange nicht am Ende.

So gebe es viele Herausforderungen mit neuen Akteuren auf dem Markt: Energiegenossenschaften, Erzeuger, die sich mit einer eigenen Photovoltaik-Anlage autark machten und "das ganze Thema E-Mobilität steht vor der Haustür", so Andreas Roß. Denn auch Elektroautos brauchen besser ausgebaute Verteilnetze.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 19.04.2017 | ab 05:38 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. April 2017, 05:00 Uhr

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1 Kommentar

19.04.2017 11:40 Graf von Henneberg 1

Aufhören, sofort, mit dem Elektro-Automobil-Wahn. Es ist in Deutschland flächendeckend ordentlich ausgebaute Elektromobilität vorhanden. Diese ist in der Lage auch sofort 50% des derzeitigen Straßen - Frachtaufkommens zu übernehmen. Das ist der einzig vertretbare Weg zur umweltverträglichen Mobilität. Damit wird auch das Thema Diesel und Umwelt auf den rechten Weg gelenkt.
Die Zukunft wird ohne Automobile gestaltet werden (müssen). Im Übrigen ist die Menschheit länger ohne dem Automobil ausgekommen als mit diesen.