Ein Friseur schneidet einer Person die Haare.
Barbier ist in Deutschland kein Handwerksberuf. Ohne Meisterbrief dürfen sie keine Haare schneiden. Einige machen es trotzdem. Bildrechte: colourbox

Unfaire Konkurrenz Friseure sehen zunehmende Zahl an Barbieren kritisch

Auf Höhe der Koteletten ist Schluss für Barbiere. Ohne Meisterbrief dürfen sie keine Haare schneiden. Denn Barbier ist in Deutschland kein Handwerksberuf. In einigen Läden wird sich aber dennoch nicht nur Bärten und Nasenhaaren gewidmet - ein Verstoß gegen die deutsche Handwerksordnung, der ansässige Frisöre zunehmend verärgert. Sie sehen die steigende Zahl an Barbieren als "unfaire Konkurrenz".

von Christine Reißing, MDR AKTUELL

Ein Friseur schneidet einer Person die Haare.
Barbier ist in Deutschland kein Handwerksberuf. Ohne Meisterbrief dürfen sie keine Haare schneiden. Einige machen es trotzdem. Bildrechte: colourbox

Im Nacken und den halben Hinterkopf hoch trägt Vincent seine Haare millimeterkurz rasiert, nur oben auf dem Kopf sind sie länger. Undercut heißt diese Frisur, und die lässt der 17-Jährige sich nicht beim Frisör nachschneiden. Stattdessen geht er zum Barbier. Weil der einen guten Preis anbietet.

Barbier ist kein Handwerksberuf

Scrollt man durch die Liste der 23 eingetragenen Barbiere in Halle, muten ihre Namen arabisch an. Für die Handwerkskammern in Deutschland eine Herausforderung. Denn hier gebe es den Barbier-Beruf im Grunde gar nicht, erzählt Jens Schumann, Pressesprecher der Handwerkskammer Halle: "Der Barbier ist kein Handwerk in unserem Sinne, weil es diesen Beruf nicht in der Handwerksordnung gibt."

Laut diesem Gesetz darf nur Haare schneiden, wer eine Frisörausbildung hat und in einem Salon arbeitet, in dem mindestens ein Mitarbeiter einen Meisterbrief hat. Den Barbieren bleibt da bloß die Rasur. Auf Höhe der Koteletten sei für sie Schluss, so Schumann. Erlaubt sei nur die Rasur bis zum Haaransatz. Und die orientalische Methode der Haarentfernung – in Nase, Ohren.

Haarschnitt ohne Meisterbrief

Das Problem: Viele Barbiere hielten sich nicht an die Handwerksordnung und schnitten einfach auch die Haare ihrer Kunden – ohne deutschen Meisterbrief im Laden, klagt Andreas Bär von der Verwaltung der Handwerkskammer Halle. Er sagt: "Das wird natürlich gemacht! Das wissen wir auch, dass das gemacht wird. Aber da sind uns halt ein bisschen die Hände gebunden – da können wir nur an die Gewerbeaufsichtsbehörden verweisen. Weil die müssen dann die Schwarzarbeit bekämpfen."

Vorbereitungskurse für Barbiere

Die Handwerkskammer lädt stattdessen Barbiere ein, bei ihnen Vorbereitungskurse und Frisör-Meisterprüfungen zu belegen. Auch für Kaniwar Bico ist das eine Option. Dem 20-Jährigen gehört ein Barbierladen in Halle. Er beteuert, sich an die Regeln zu halten – dass Frisöre trotzdem argwöhnten, merke er aber häufig. Viele deutsche Frisöre würden denken, er schneide auch Frisuren, aber das mache er nicht. Er färbe auch nicht, weil er allergisch dagegen sei.

Vor vier Jahren sei er aus dem Nordosten Syriens hergekommen – aus der Stadt al-Hasaka, in der schon sein Großvater Barbier gewesen sei: Dort habe er vier Jahre bei seinem Vater gearbeitet. Als Teenager habe er von ihm zwar auch das Haareschneiden gelernt – und sogar einen Meisterbrief gemacht. Ob der aber in Deutschland anerkannt wird, das prüfe die Handwerkskammer noch.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 17.08.2017 | 07:21 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. August 2017, 10:57 Uhr

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4 Kommentare

17.08.2017 16:05 gerd 4

1 Gerd. Namensvetter kann ich dir sagen erst mal ne
saftige Strafe und dann im Wiederholungsfall Entzug der Betriebserlaubnis .Das Problem ist diese ganze Handwerksordnung ist aus dem letzten Jahrhundert
und muss reformiert werden habe nichts dagegen wenn diese Leute Arbeiten denn aber gleiches Recht für alle,übrigens Arabische Herrenfriseure sind die besten der Welt das ist bekannt und den Bart rasieren die Super.

17.08.2017 15:53 Fragender Rentner 3

Na he, die Leute wollen doch arbeiten und ihr wollt sie nicht lassen?
So geht das nicht.
Zitat von Oben: Er beteuert, sich an die Regeln zu halten
Welche Regeln, die von wem aufgestellt wurden meint er?
Die der Handwerkskammer in Deutschland oder von wo?

17.08.2017 11:02 ewa 2

Wozu die Aufregung der Friseure?Seit Jahren können auch deutsche Staatsbürger ohne Meisterbrief im Berufsbild Friseur tätig sein, nämlich mit einer Reisegewerbekarte!

17.08.2017 07:23 Gerd 1

"Viele Barbiere hielten sich nicht an die Handwerksordnung und schnitten einfach auch die Haare ihrer Kunden – ohne deutschen Meisterbrief im Laden, klagt Andreas Bär von der Verwaltung der Handwerkskammer Halle. "

mal so in den Raum gefragt, welche Strafe hätte denn ein deutscher Friseur zu erwarten wenn er ohne Meisterbrief Haare schneidet?