Demonstrantin mit Fahne "Equal Pay Day".
Bildrechte: IMAGO

"Equal Pay Day" Wie viel verdienen Frauen wirklich weniger?

Frauen in Deutschland werden schlechter bezahlt als Männer. Um auf diese Ungleichheit aufmerksam zu machen, wird am Montag der "Equal Pay Day" begangen. Doch wie groß ist der Gehaltsunterschied tatsächlich?

Demonstrantin mit Fahne "Equal Pay Day".
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Zum "Equal Pay Day" sollen am Montag auch in Mitteldeutschland zahlreiche Aktionen auf die schlechtere Bezahlung von Frauen aufmerksam machen. Fraueninitiativen und -netzwerke laden zu Vorträgen, Diskussionsrunden und Infoabenden und verteilen Material an Straßenständen, unter anderem in Dresden, Saalfeld und Artern. Wir erklären Ihnen, was es mit dem "Equal Pay Day" auf sich hat.

Warum ist am 18. März "Equal Pay Day"?

Das Datum symbolisiert den Verdienstunterschied: Bis zu dem Tag arbeiten Frauen in Deutschland rein rechnerisch unentgeltlich, während Männer schon ab dem 1. Januar für ihre Arbeit bezahlt werden.

Entstanden ist der Aktionstag übrigens 1988 in den USA. Damals wurde er von der Vereinigung "Business and Professional Women" (BPW) initiiert. Der Deutschlandableger dieser Vereinigung startete den "Equal Pay Day" 2007 in der Bundesrepublik. Inzwischen ist BPW nach eigenen Angaben in rund 100 Ländern vertreten.

Wie groß ist der Gehaltsunterschied bundesweit?

Mitarbeiterin in einem Callcenter der Kasseanärzlichen Vereinigung
In Callcentern arbeiten überdurchschnittlich viele Frauen. Bildrechte: dpa

Eine Frau in Deutschland erhielt im Jahr 2018 nach Angaben des Statistischen Bundesamtes einen Stundenlohn von durchschnittlich 17,09 Euro brutto. Ein Mann dagegen bekam 21,60 Euro. Die Gehaltslücke beträgt damit 21 Prozent. Der Abstand ist demnach genauso groß wie im Jahr 2017. In Süddeutschland ist die "Pay Gap" am größten, in den neuen Bundesländern mit nur sieben Prozent am geringsten.

Was verdienen Frauen in Mitteldeutschland?

In Sachsen liegt das durchschnittliche Bruttoeinkommen von Frauen rund elf Prozent unter dem von Männern, heißt es aus dem Statistischen Landesamt. In einzelnen Berufen wird der Lohnunterschied besonders sichtbar: So verdiente im Jahr 2018 eine Verkäuferin im Durchschnitt 1.784 Euro, ein Verkäufer dagegen 2.202 Euro. Erfreulich sei aber, dass in Sachsen die Beschäftigungsquote von Frauen mit über 64 Prozent bundesweit am höchsten ist.

Frauen in Sachsen-Anhalt verdienen durchschnittlich 15,94 Euro brutto pro Stunde, Männer 16,39 Euro. Die Gehaltslücke liegt bei drei Prozent, teilte das Statistische Landesamt in Halle mit. Lediglich in Brandenburg ist die Lücke kleiner. Negativ wirke sich laut Arbeitsagentur aus, dass fast jede zweite beschäftigte Frau im Land in einem Teilzeitjob arbeite. Positiv sei, dass Frauen häufiger als Männer im öffentlichen Dienst arbeiten. Das hat die Folge, dass vollzeitbeschäftigte Frauen in Sachsen-Anhalt sogar mehr als Männer verdienen.

Der Bruttoverdienst von Frauen in Thüringen hinkt laut statistischem Landesamt dem der Männer rund neun Prozent hinterher. Auch im Freistaat sind besonders viele Frauen in Teilzeitjobs beschäftigt, was die Lücke vergrößert. Vollzeitbeschäftigte Frauen verdienen in Thüringen durchschnittlich monatlich 2.366 Euro brutto, Männer dagegen 2.497 Euro.

Was sind die Ursachen dafür?

Da sind sich Statistiker und Arbeitsagenturen einig: Frauen hätten wegen Kindererziehung und Pflege weniger Zeit, um die Karriereleiter hochzuklettern, teilt zum Beispiel die Landesarbeitsagentur in Sachsen mit. Zudem wählten sie häufiger Berufe, die geringer entlohnt werden, und hätten seltener Führungsposten.

Kindergartenkinder laufen auf ihre Erzieherin zu
Eine Erzieherin in einer Kita. Bildrechte: MDR/Jana Eschrich

Ein weiterer wichtiger Grund ist demnach: Frauen arbeiten deutlich häufiger in Teilzeit oder in Minijobs. Laut Statistischem Bundesamt hatte im Jahr 2017 fast jede zweite erwerbstätige Frau in Deutschland eine Teilzeit-Stelle; bei Männern war es nicht einmal jeder Zehnte.

Verantwortlich dafür könnte auch sein, dass bestimmte Jobs nach wie vor als typische Frauen- und typische Männerberufe angesehen werden. Das zeigt eine Studie der gewerkschaftlichen Hans-Böckler-Stiftung von Anfang März 2019. Während Frauen oft zu geringen Löhnen als Verkäuferin, Physiotherapeutin oder Erzieherin arbeiteten, hätten Männer häufig gut bezahlte technische Jobs in der Industrie.

Lassen sich die Löhne von Frauen und Männern überhaupt vergleichen?

Kritiker bemängeln, der "Equal Pay Day" vermittle den Eindruck, dass der Gehaltsunterschied einzig und allein durch Diskriminierung entstehe. Tatsächlich sei er aber auch damit zu erklären, dass Frauen - geschlechtsspezifisch sozialisiert - schlechter bezahlte soziale Berufe auswählten und öfter in Teilzeit arbeiteten, um Familienarbeit zu erledigen.

Statistiker nehmen diese Kritik auf und berechnen regelmäßig die sogenannte "bereinigte Gender Pay Gap". Damit sind Verdienstunterschiede zwischen Frauen und Männern gemeint, bei denen die berufliche Qualifikation, Teilzeitanstellungen sowie die Branche nicht berücksichtigt werden.

Demnach ist bei vergleichbarer Qualifikation und Tätigkeit die Gehaltslücke kleiner: Dann erhalten Frauen in Deutschland je Stunde sechs Prozent weniger Lohn als Männer, zeigen die jüngsten verfügbaren Daten der Statistiker.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR AKTUELL | 18. März 2019 | 10:55 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. März 2019, 05:00 Uhr

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24 Kommentare

19.03.2019 09:22 Hossa 24

Es ist Alltag das im Osten weniger verdient wird wie im Westen.
Leiharbeiter verdienen weniger wie die Stammbelegschaft für die gleiche Tätigkeit.Wenn der Arbeitgeber an Lohnkosten sparen kann,dann macht er es auch.
Die Gewerkschaften und Betriebsräte hat er ja meistens auf seiner Seite.

18.03.2019 22:24 Paule 23

Der Beitrag im Sachsenspiegel sollte Pflicht für alle 21%-Leute werden. In den folgenden Nachrichten war dann die Realität wieder den Bach runter gegangen. Warum gibt es Realitäten nur scheibchenweise?

18.03.2019 20:07 heribert54 22

Allein das Fähnchen sagt alles, armes Deutschland.

18.03.2019 19:34 Gerd Müller 21

toll - endlich - aber schon Abend - der Tag ist gelaufen und im Unternehmen hat uns Chef nicht informiert vllt. weil Chefin ^^
und Ihre Fam. genderorientiert alle nach Leistung behandeln und bezahlen

18.03.2019 16:33 Fragender Rentner 20

Für was die sich so alles Tage einfallen lassen?

Scheinbar nur um den Schein zu wahren und wollen sie wirklich mal eine Änderung für die Frauen durchsetzen?

Wir denken darüber nach, könnte es bestimmt wieder heißen !!! :-(((

18.03.2019 14:14 Gerd Müller 19

Es sollten alle Gehälter auch von Managern und Firmenchefs öffentlich gemacht werden, nur dann kann man Forderungen stellen die Marktgerecht und Menschenwürdig sind.
Geht die Schere noch weiter auseinander kommt es zum Kampf, in Frankreich ist es schon so weit!!

18.03.2019 12:07 Erik 18

@18.03.2019 08:48 Atheist aus Mangel an Beweisen

"Ganz einfach die Gewerkschaften fragen warum in ein und der selben Tarifgruppe zwei Spalten in Frauen und Männer unterschieden wird!"

Habe ich da Sarkasmus übersehen, oder meinen Sie das tatsächlich ernst?

18.03.2019 11:46 Anton 17

Herr Gott schuf Frau und Mann nicht gleich. Es wäre traurig für mich, in einer Welt zu leben, wo statt Mann und Frau nur etwas dazwischen zu sehen ist.

18.03.2019 11:43 Gaihadres 16

@Nr.6: Seit Sie Betriebsratsmitglied waren sind 30 Jahre vergangen. Kein mir bekannter Tarifvertrag unterscheidet noch zwischen Mann und Frau. Das ist mit dem Grundgesetz auch gar nicht vereinbar. Den Punkt können Sie gedanklich streichen. Wir haben 2019, @Nr.8: Ihre Ansicht. Das hat nichts mit dem Thema zu tun. @Nr.9: Weil das ein Anliegen für die ganze EU ist. Es gibt keinen Grund das ganze in alle Sprachen zu übersetzen. Englisch ist die Lingua Franka in der Wissenschaft und es ist völlig Okay das nicht ins Deutsche zu übersetzen. Wenn es Sie stört, dann übersetzen Sie es doch einfach für sich ins Deutsche.

18.03.2019 11:41 Harth 15

Da haben wir doch wieder diese politisch gefärbten Statistiken. Real betragen die Unterschiede der Einkommen von Frauen und Männern bei gleicher Qualifikation, gleichem Beruf und gleicher Berufserfahrung - laut ntv von heute - vernachlässigbare 2%. Glaube nur den Statistiken, die du selber gefälscht hast!