Nach Kohleausstieg Woher kommt in Zukunft der Gips?

In Deutschland wird womöglich der Gips knapp. Und das liegt am Kohleausstieg. Denn Gips wird nicht nur im Bergbau gewonnen, sondern auch aus den Abgasen der Kohlemeiler. Gibt man ihnen Kalk hinzu, reagiert dieser Kalk mit dem Schwefeldioxid und es entsteht blütenweißer Gips. Auf den wird die Industrie nach dem Kohleausstieg aber verzichten müssen. Wo soll der Gips stattdessen herkommen?

Gipstagebau bei Pößneck im Herbst
Gips wird nicht nur im Bergbau gewonnen, wie es oben im Bild dargestellt ist, sondern auch aus den Abgasen der Kohlemeiler in Kraftwerken. Doch diesen Weg gibt es nach dem Kohleausstieg nicht mehr. Bildrechte: imago images / CHROMORANGE

Eine weiße Staubschicht liegt über den Maschinen bei Casea im thüringischen Ellrich. Hier wird Gips aus einem Berg des Südharzes gebrochen, zermahlen und dann deutschlandweit verkauft.

Geschäftsführer Andreas Hübner sagt, die Nachfrage steige. "Der Gips, der hier im Werk Ellrich produziert wird, findet verschiedene Anwendungen. Einmal natürlich als Bau-Gips, in anderen Fällen als Dentalgips. In der Tierfutterindustrie als Kalziumlieferant und wenn Sie Speisepilze kaufen, braucht man dafür auch Gips, um diese herzustellen."

60 Prozent der Gipsherstellung würde wegfallen

Womöglich kann Hübner demnächst noch mehr verkaufen. Denn ein Großteil des in Deutschland genutzten Gipses stammt bislang aus Kohlekraftwerken. Er ist ein Nebenprodukt der Rauchgasentschwefelung.

Nach dem Kohleausstieg wird dieser Gips fehlen, sagt Lars Kothe, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Harzer Gipsunternehmen: "Sechs Millionen Tonnen Rauchgasentschwefelungsgips werden in Zukunft wegfallen." Das entspreche derzeit etwa 60 Prozent des in Deutschland verwendeten Gipses und das müsse durch verschiedene Maßnahmen kompensiert werden.

Abbau von Natur-Gips erhöhen

Kothe denkt dabei vor allem an den Abbau von mehr Natur-Gips – und zwar konkret im Südharz. Hier lagere rund die Hälfte der deutschen Reserven, sagt er. "Wir bräuchten mehr Rohstofffläche, die in Aussicht gestellt wird. Wir reden da über Verfahren, die sich über viele Jahre hinziehen. Da werden im Regelfall Planfeststellungsverfahren erforderlich sein, um eine Rohstoffreserve in Angriff zu nehmen."

Doch bei Naturschützern stößt das auf Widerstand. Beim Gipsabbau werden ganze Berge abgetragen. Burkhard Vogel, Landesgeschäftsführer des BUND, sorgt sich um den Erhalt der Gipskarst-Landschaft im Südharz: "Diese Landschaft ist tatsächlich einzigartig. Wir haben hier das größte oberflächlich anstehende Gipsvorkommen in Mitteleuropa. Wir haben eine besondere klimatische Situation, weil warmes Klima mit atlantisch feuchtem Klima zusammenstößt."

Dadurch habe sich eine ganz besondere Vielfalt von Arten dort angesiedelt, die es in der Form an anderer Stelle in Deutschland und Mitteleuropa nicht gebe, erklärt Vogel weiter.

Baustoff-Recycling als Alternative zum Natur-Gips

Vogel rechnet vor, dass der Kohleausstieg frühestens 2035 abgeschlossen sei. Einige Gipsunternehmen hätten aber schon heute genehmigte Abbauflächen weit über dieses Datum hinaus. Aus Sicht des Naturschützers muss der Gips aus der Rauchgasentschwefelung auch nicht komplett durch Naturgips ersetzt werden.

"Ein Bereich, der nach wie vor nicht vollständig ausgeschöpft ist, ist das Thema Baustoff-Recycling. Also Gips wird ja im Wesentlichen im Bau eingesetzt und bisher nur im geringen Umfang tatsächlich wiedergewonnen aus den Baustoffen." Dazu gebe es noch die Möglichkeit, Gipsplatten durch Holz und andere Rohstoffe zu ersetzen, so Vogel weiter.

Recycling würde nur einen kleinen Teil abdecken

Lars Kothe von der Arbeitsgemeinschaft Harzer Gipsunternehmen bestätigt, dass sich Gips unendlich oft recyceln lasse. Allerdings werde er meistens im Verbund mit anderen Stoffen verbaut. Das Trennen sei aufwendig. Eine halbe Million Tonnen Gips pro Jahr könne man durch Recycling gewinnen, sagt Kothe. Das decke aber nicht einmal zehn Prozent der Menge, die durch den Kohleausstieg wegfalle.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 07. Februar 2020 | 06:22 Uhr

4 Kommentare

Jan vor 33 Wochen

Die Idee, einen Teil des Gipsbedarf aus Recycling zu gewinnen ist doch schon mal ein guter Ansatz. Auch hier gilt, wie bei allem anderen, es sollte nur das produziert werden, was auch verbraucht wird.

Ekkehard Kohfeld vor 33 Wochen

Das können die ja nicht,auch bei andern Sachen werden viel wichtige Teile einfach ignoriert, bei der Beschaffung und Entsorgung.Was interessiert unser selbst ernannten Umweltengeln was in andern Länder passiert?😡😡😡

Uwe2020 vor 33 Wochen

Für einen Grünen ist das logisch, Gips gibt es im Gipsladen.