Paketzusteller
Der Verdi-Chef wirft den Paketzustellern vor, unterbezahlte Arbeitskräfte aus dem Ausland über Subunternehmen zu beschäftigen. Bildrechte: imago/Sven Simon

Stundenlöhne und Arbeitszeiten Bsirske: "Mafiöse Strukturen" beim Paketversand

Verdi-Chef Bsirske hat "mafiöse Strukturen" im Paketversand angeprangert. Im Auftrag etablierter Unternehmen würden ausländische Arbeitskräfte ausgebeutet. Er und sein Thüringer Kollege Günther sehen die Politik am Zug. Der in der Kritik namentlich genannte Paketzusteller Hermes erklärte: Man toleriere es nicht, wenn Servicepartner gesetzliche Regelungen bzw. die Sozialstandards unterlaufen.

Paketzusteller
Der Verdi-Chef wirft den Paketzustellern vor, unterbezahlte Arbeitskräfte aus dem Ausland über Subunternehmen zu beschäftigen. Bildrechte: imago/Sven Simon

Verdi-Chef Frank Bsirske beklagt kriminelle Machenschaften beim Paketversand. In den Zeitungen der Funke-Mediengruppe sprach Bsirske von "mafiösen Strukturen" und rief die Politik zum Handeln auf.

Schlechte Bezahlung und 16-Stunden-Tage

Frank Bsirske, verdi-Vorsitzender
Verdi-Chef Bsirske fordert, die Nachunternehmerhaftung in der Paketbranche einzuführen. Bildrechte: dpa

Laut Bsirske engagieren Firmen im Auftrag von etablierten Unternehmen wie Hermes andere Firmen, die Menschen aus Ländern wie der Ukraine, Weißrussland oder Moldawien für die Paketzustellung anstellen. Diese Arbeitskräfte hätten Arbeitszeiten von zwölf bis 16 Stunden am Tag, bei einem Stundenlohn von 4,50 Euro oder sechs Euro. Je mehr die Branche boome, umso größer werde das Problem.

Unternehmen wie Hermes engagieren Firmen, die wiederum andere Firmen beauftragen, die dann Menschen aus der Ukraine, aus Moldawien oder aus Weißrussland in die Lieferfahrzeuge setzen.

Frank Bsirske, Chef der Gewerkschaft Verdi Hamburger Abendblatt

Schwere Vorwürfe auch aus Thüringen

Frank Günther vom Verdi-Fachbereich "Postdienste, Speditionen, Logistik" in Thüringen sagte MDR THÜRINGEN, die Fahrer würden mit falschen Versprechungen angeworben - vor allem in Rumänien, Bulgarien, Litauen oder Polen. Ihnen werde gesagt, dass Deutschkenntnisse nicht nötig seien. Vielfach würden ihnen zunächst sogar Arbeitsverträge in ihrer Muttersprache vorgelegt. In Deutschland müssten sie dann aber häufig Verträge in deutscher Sprache und mit anderem Inhalt unterschreiben. Auch in Thüringen würden ihnen dann häufig die Pässe abgenommen. Sie würden in Mehrbettzimmern auf dem Land untergebracht, die Kosten würden ihnen direkt vom Lohn abgezogen. Einige würden als Einzelunternehmer beauftragt und müssten sogar das Lieferfahrzeug abzahlen. Wer aufmucke, stehe dann sofort ohne Geld und Unterkunft da.

Forderungen an die Politik

Verdi-Chef Bsirske forderte von der Politik, die sogenannte Nachunternehmerhaftung einzuführen: "Das bedeutet, dass der eigentliche Auftraggeber für die korrekten Arbeitsbedingungen bei allen Sub-Unternehmern verantwortlich ist." Das gebe es bisher nur in der Bau- und Fleischbranche.

Ein Hermes-Paketwagen auf der Straße
Paketzusteller wie Hermes sollen nach Auffassung von Verdi künftig auch für ihre Subunternehmer geradestehen. Bildrechte: IMAGO

Auch sein Thüringer Kollege Günther fordert, die Paketdienste auch für Arbeitsbedingungen und Löhne bei Subunternehmen haftbar zu machen. Dass gelte neben Hermes auch für DPD und GLS, da diese Zustellerfirmen nur mit Subunternehmen arbeiteten. Außerdem müsse der Zoll personell massiv aufgestockt werden, um nicht nur zu kontrollieren, sondern auch gerichtsfeste Ermittlungen abzusichern, um Verantwortliche aburteilen zu können. Auch die Arbeitgeberverbände müssten in die Pflicht genommen werden, ihrer Verantwortung gerecht zu werden und die Tarifbindung durchzusetzen. 

Hermes wehrt sich gegen Vorwürfe

Hermes teilte hinsichtlich der Vorwürfe mit, als Auftraggeber lege man großen Wert auf unternehmerische Verantwortung. Eine Unternehmenssprecherin erklärte, Hermes lasse sich von all seinen Servicepartnern vertraglich zusichern, "dass sie sich vollumfänglich an gesetzliche Vorgaben - insbesondere die Verpflichtung zur Zahlung des gesetzlichen Mindestlohns - halten".

Hermes toleriert es nicht, wenn für uns tätige Servicepartner gesetzliche Regelungen bzw. die Sozialstandards unterlaufen.

Hermes-Unternehmenssprecherin Deutsche Presse-Agentur

Darüber hinaus investiere das Unternehmen in den kommenden fünf Jahren über 100 Millionen Euro, die überwiegend in die Lohn- und Personalkosten in der Paketzustellung fließen. Zudem habe Hermes ein unabhängiges Auditsystem installiert, um die Einhaltung von Recht und Gesetz bei seinen Servicepartnern zu gewährleisten.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 23. Februar 2019 | 07:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. Februar 2019, 14:27 Uhr