Mittelstand Bundesamt mit Förderanträgen geflutet

Eine Redewendung besagt: Nichts ist so wertvoll wie ein guter Rat. Vielleicht hat die Bundesregierung auch deshalb beschlossen, kleinen Unternehmen in der Corona-Krise einen Unternehmensberater zu bezahlen. Bis zu 4.000 Euro sollte es geben, wenn man sich professionell beraten lässt. Doch die zuständige Behörde hat das Programm nun gestoppt. Tausende Unternehmer haben ihre Anträge umsonst gestellt – und einige Berater bleiben womöglich auf ihren Kosten sitzen.

Pächter einer Traditionskneipe  montiert einem Spuckschutz im Raucherbereich. Die Kneipe in der Innenstadt will unter Einhaltung der Corona-Hygienevorschriften wieder öffnen.
Damit mittelständische Unternehmen in der Corona-Krise umrüsten können, hat der Bund ein Förderprogramm aufgelegt. Das ist mangels Finanzierung nun gestoppt worden. Bildrechte: dpa

In der Krise konnten Unternehmer Michael Heitkötter um Hilfe bitten. Der Leipziger Berater sucht nach Strategien und nach neuen Produkten. Als wegen der Corona-Pandemie alle Messen abgesagt wurden, hat Heitkötter zum Beispiel einen Messebauer beraten: "Und was wir dann gemacht haben, wir haben Corona-Schutzmaßnahmen entwickelt. Also so Spuckschutz für Tresen und so weiter."

Sehr schnell hätten sie einen Prototyp entwickelt, einige Mitarbeiter aus der Kurzarbeit geholt, hätten diese Corona-Schutzmaßnahmen produziert. Und das habe wieder Möglichkeiten ergeben.

Über 30.000 gestellte Anträge

Die Beratung, so dachten jedenfalls alle Beteiligten, trage der Staat. Denn das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle, kurz BAFA, hatte extra eine Förderung aufgelegt: 100 Prozent Erstattung für Corona-Beratung. Doch das Programm wurde gestoppt. Denn die BAFA hatte mit 4.000 Anträgen gerechnet. Tatsächlich seien 33.000 Anträge eingegangen, sagt Amtspräsident Torsten Safarik. Die Nachfrage habe sie sehr überrascht.

Alle Förderprogramme stehen ja immer unter dem Vorbehalt der ausreichenden Haushaltsmittel, die zur Verfügung stehen müssen. Und auch für dieses Programm gab es eine bestimmte Menge von Haushaltsmitteln.

Torsten Safarik Amtspräsident

Insgesamt seien 15,34 Millionen Euro dafür reserviert gewesen.

Die Förderung erhält, wer schnell war

Nun wären eigentlich 130 Millionen Euro nötig, um alle Anträge zu bewilligen. Doch das Geld ist nicht da. Dass es knapp wird, muss man beim BAFA schon im April geahnt haben. Trotzdem konnte die Förderung noch bis Ende Mai beantragt werden. Der Präsident des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft, Mario Ohoven, spricht von einer chaotischen Planung. Wenn die Bundesregierung ein Programm für Mittelständler auflege, müsse sie wissen, dass es theoretisch knapp 3,5 Millionen Antragsteller gebe.

Nun erhält die Förderung, wer schnell war. Das BAFA geht nach Antragseingang vor. Für den Bundesverband Deutscher Unternehmensberater e.V. ist klar, warum der Staat weit mehr Anträge erhielt als erwartet. Er hätte die Beratungsleistungen nicht zu 100 Prozent fördern sollen, findet Präsident Ralf Strehlau.

Wenn etwas kostenlos für den Endkunden sei, dann sei es, glaube er, normal, dass es eine hohe Attraktivität habe: "Grundsätzlich ist da unsere Sichtweise, dass so eine Vollfinanzierung aus staatlichen Mitteln nicht glücklich ist, weil es einfach auch zu viele Mitnahme-Effekte gibt."

Und auch das Risiko bestehe, dass unseriöse Personen auf so etwas aufsprängen.

Beratung ohne sichere Bezahlung

Tatsächlich haben wohl auch windige Berater das Geld beantragt. Die aber, so versichert das BAFA, würden in einer Prüfung aussortiert. Der Leipziger Berater Michael Heitkötter wartet noch heute auf eine Rückmeldung zu seinen Anträgen. Mit der Beratung hat er längst begonnen.

Das sei, wie er inzwischen weiß, ein grundsätzlicher Fehler gewesen: "Aber hey, die Unternehmer brauchen jetzt die Möglichkeit, dass sie agieren können. Sie brauchen jetzt Hilfe. Also ich bin da ins unternehmerische Risiko gegangen."

Heitkötter habe nicht warten wollen, bis die Corona-Einschränkungen vorüber sind. Dafür geht er nun wahrscheinlich ohne Förderung aus und verhandelt mit den beratenen Unternehmern, ob sie ihn zumindest anteilig selbst bezahlen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 03. Juni 2020 | 05:53 Uhr

8 Kommentare

Bernd1951 vor 4 Wochen

In Abwandlung eines anderen Sprichworts gilt hier der Satz: "Eigenes Denken gefährdet die eigene Dummheit"
Ein Unternehmer müsste eigentlich genau wissen, was für sein Unternehmen geeignet ist, denn er sollte sein Unternehmen am besten kennen. Ein Berater kostet eine Menge Geld (in diesem Fall von uns allen) und die Konsequenzen aus der Realisierung der Ideen des Beraters trägt der Unternehmer dann selbst.

Bernd1951 vor 4 Wochen

Es ist wirklich eine "tolle" Idee eine Beratung, wenn auch nur bis 4000 Euro, zu 100% zu fördern. Das ruft ja dann "Trittbrettfahrer" geradezu auf den Plan.
Da sieht man doch deutlich, dass der Fachkräftemangel sogar bis ins Wirtschaftsministerium geht.
Zumal die Bezeichnung "Unternehmensberater" meines Wissens nach keine geschützte Berufsbezeichnung wie z. B. Steuerberater ist. Aber es ist ja nur unser aller Steuergeld, das dann woanders vielleicht nötiger gebraucht wird.

Altmeister 50 vor 4 Wochen

Die Idee der Regierung, kleinen Unternehmen in der Corona-Krise einen Unternehmensberater zu bezahlen, wurde m. E. vermutlich von einem regierungsberatendem Unternehmen entwickelt und dadurch in die Beschlussvorlage der Regierung eingebracht.