E-Auto
Aus der Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage der FDP geht hervor, dass in Sachen alternative Antriebe der Fokus klar auf E-Mobilität gesetzt wird - zu einseitig? Bildrechte: imago images / Jan Huebner

Verkehrswende FDP: Bundesregierung setzt einseitig auf Elektromobilität

Mit einer kleinen Anfrage wollte die FDP-Fraktion im Bundestag herausbekommen, wie weit in Mitteldeutschland der Ausbau der Infrastruktur für alternative Antriebe gediehen ist. Die Antwort der Bundesregierung belege nach Meinung der Liberalen, dass die Bundesregierung einseitig auf Elektromobilität setze. Der genaue Blick offenbart: Luft nach oben gibt es bei der Brennstoffzelle wie beim Erdgas-Antrieb - und selbst bei der batteriebasierten Elektromobilität.

von Nikta Vahid-Moghtada, MDR AKTUELL

E-Auto
Aus der Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage der FDP geht hervor, dass in Sachen alternative Antriebe der Fokus klar auf E-Mobilität gesetzt wird - zu einseitig? Bildrechte: imago images / Jan Huebner

Die Infrastruktur für alternative Antriebsarten ist in Mitteldeutschland weniger gut ausgebaut als im Rest des Landes. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage der FDP-Fraktion hervor. Torsten Herbst, Mitglied der Liberalen im Ausschuss für Verkehr und digitale Infrastruktur, kritisiert das insgesamt langsame Tempo bei der Energie- und Verkehrswende: "Die Infrastruktur für alternative Antriebe ist unterentwickelt".

Nach Einschätzung der FDP setzt die Bundesregierung in der Verkehrswende außerdem einen klaren Fokus auf den Aufbau einer Infrastruktur für E-Mobilität. Andere alternative Antriebe wie Erdgas oder Wasserstoff würden im Aufbau hinten angestellt, insbesondere in Mitteldeutschland.

Schwerpunkt E-Mobiliät

Eckehart Rotter, Sprecher beim Verband der Automobilindustrie, bestätigt das: "Wir verfolgen gemeinsam mit der Bundesregierung das Ziel, den CO2-Ausstoß von Neuwagen bis 2030 um 37,5 Prozent zu reduzieren." Bei der Entwicklung neuer Technologien habe man daher Prioritäten setzen müssen: Die schnelle Lösung sei der Sektor Elektromobiliät. Verbesserung und Ausbau der Wasserstofftechnologie stünden andererseits aber nach wie vor auf der Agenda, sagt Rotter.

Flächendeckender Ausbau von Wasserstofftankstellen bis 2015

Andreas Lischke vom Institut für Verkehrsforschung am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt widerspricht hingegen der These, dass die Elektromobilität bevorzugt würde. So gebe es bereits mehr Wasserstofftankstellen als es die Anzahl von Fahrzeugen mit Brennstoffzelle überhaupt nahelege.

Um den Ausbau eines Wasserstoff-Tankstellennetzes in Deutschland kümmert sich "H2 Mobility", ein Joint Venture, an dem auch Daimler, Linde, Shell oder Total beteiligt sind. Bis Ende 2019 sollen laut Andreas Lischke, der mit den Plänen des Unternehmens vertraut ist, deutschlandweit 100 öffentliche Wasserstoff-Stationen für Pkw zur Verfügung stehen.  

Ausbau findet vor allem in Ballungszentren statt

Der Ausbau beschränkt sich allerdings zunächst auf sieben deutsche Ballungszentren, nämlich Hamburg, Berlin, Rhein-Ruhr, Frankfurt, Nürnberg, Stuttgart und München – keines davon liegt in Mitteldeutschland. Wer Wasserstoff tankt, kann das bisher nur in Dresden, Leipzig und Magdeburg tun – ab Mai 2019 auch in Halle, eine weitere Wasserstoff-Tankstelle in Erfurt befindet sich noch in der Genehmigungsphase.

Torsten Herbst
Torsten Herbst, Generalsekretär der sächsischen FDP. Bildrechte: dpa

"Drei Wasserstofftankstellen in ganz Mitteldeutschland sind zu wenig", findet FDP-Politiker Torsten Herbst. Wasserstoff-Brennstoffzellen seien jedoch die Zukunft, vor allem für den Antrieb großer Lkw. Mit Investitionen müsse der Bund den Impuls zum Ausbau einer funktionierenden Infrastruktur geben.

Das Bundesverkehrsministerium wiederum betont, dass wasserstoffbetriebene Elektromobilität ein wichtiger Baustein sei bei der Umstellung auf alternative Antriebe. Der Bund fördere sie seit der Markteinführung 2006 – insgesamt seien über das "Nationale Innovationsprogramm Wasserstoff- und Brennstoffzelle (NIP)" rund 950 Millionen Euro Fördergelder geflossen. Das Geld sei vor allem für die Forschung genutzt worden – sie sei hier sogar bedeutend umfangreicher als im Bereich der batteriebasierten Mobilität.

Mit Erdgas in die mobile Zukunft?

Bei der Versorgung mit Erdgas steht Mitteldeutschland vergleichsweise gut da. Während das flüssige Erdgas LNG (Liquid Natural Gas) in Deutschland bisher nur in Ulm, Berlin, Hamburg und in Kassel getankt werden kann, gibt es allein in Mitteldeutschland 97 CNG-Tankstellen (CNG steht für "Compressed Natural Gas").

Deutschlandweit gibt es laut Bundesverkehrsministerium rund 900 CNG-Tankstellen. Damit sei ein "ausreichendes Netz für die Versorgung mit diesem Kraftstoff" gewährleistet. Fördermaßnahmen oder Investionen seien daher nicht vorgesehen. Der Aufbau eines LNG-Tankstellennetzes für Lkw soll unter Federführung von Energielieferanten in den kommenden Jahren deutschland- und europaweit vorankommen, sagt Verkehrsforscher Lischke. Spätestens im Jahr 2025 soll ein flächendeckendes LNG-Tankstellennetz zur Verfügung stehen.

In Sachen CNG stehe es um den Ausbau gar nicht mal so schlecht, sagt auch Dr. Jens Andersen. Der studierte Maschinenbauer gehörte zu den führenden Köpfen in Sachen alternativer Antriebstechnologien beim Autobauer VW. Den Doktortitel erlangte er 2014, das Thema seiner Dissertation war: "Erdgasbetriebener Ottomotor im Vergleich zu elektrifizierten Antrieben". Die Frage nach der mobilen Zukunft beantwortet Andersen eindeutig: "Erdgas!"

"Wir brauchen mehr Technologieoffenheit!"

Der fossile Rohstoff, der vorwiegend aus Methan bestehe, sei per se klimafreundlich, sagt der Ingenieur, der heute an der Ostfalia Universität Wolfsburg lehrt. "Methan ist ungiftig und verbrennt nahezu rückstandslos", erklärt Andersen. Eine Feinstaubbelastung drohe nicht. Erdgas lasse sich außerdem biogen aus Reststoffen oder synthetisch durch Windenergie herstellen und sei damit nahezu klimaneutral.

2018, vier Jahre nach Erlangen seines Doktortitels, nach insgesamt 28 Jahren bei VW, kehrt Andersen dem Wolfsburger Autobauer den Rücken. Warum die Bundesregierung einen so deutlichen Fokus auf E-Mobilität setzt, verstehe er bis heute nicht. In einer freien Marktwirtschaft einen Technologieschwerpunkt zu setzen, gefährde die Zukunft der Mobilität.

Der FDP-Abgeordnete Torsten Herbst stimmt ihm zu: "Wir brauchen mehr Technologieoffenheit", sagt Herbst. Nur so könne ein freier Markt funktionieren und ein Technologie-Wettbewerb zugelassen werden, der wichtig für den Fortschritt sei.

Nur wenige Ladestationen an Autobahnen

Außerdem ist selbst der Ausbau der Infrastruktur für Elektroautos längst nicht so weit fortgeschritten, wie man denken könnte: Laut Bundesregierung gibt es in Mitteldeutschland zwar mittlerweile 1.429 Normal- und Schnellladepunkte für Elektroautos - Stand Februar dieses Jahres. Vor allem an mitteldeutschen Autobahnraststätten mit insgesamt nur 64 Schnellladepunkten an 32 Standorten für E-Autos bestehe aber auch hier noch Nachholbedarf, sagt Torsten Herbst.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 27. Mai 2019 | 06:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 01. Mai 2019, 05:00 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

19 Kommentare

02.05.2019 19:03 Bernd L. 19

Max 15:
Die Schadstoffziele der EU führen bei einem Diesel auf einen Verbrauch von 2,2 Liter pro 100 km. Das ist technisch unmöglich. Wer solche setzt, hat keine Ahnung oder will die deutsche Autoindustrie vernichten. Die irrwitzigen Zielvorgaben fern jeglicher technischer Realität wurden von Fr (hat viele E-Automodelle) zusammen mit den europäischen grünen durchgedrückt. Die deutschen Grünen haben dabei gegen die deutsche Industrie gestimmt (wie eigentlich immer) und die Bundesregierung hat das geschehen lassen (Altmaier als Wirtschaftsminister).

02.05.2019 14:52 Chrisbob 18

Mal angenommen, der Strom wird in Deutschland in 30 Jahren komplett erneuerbar hergestellt. Aus 100 % erneuerbarem Strom ergeben sich laut einer Studie von Frontier Economics folgende Gesamtwirkungsgrade:
Batterieauto: 69 %
Brennstoffzellenauto: 26 %
Verbrennungsmotor mit Flüssigkraftstoff aus erneuerbaren Energien: 13 %
DESHALB ist es nachvollziehbar, auf batteriebetriebene Elektroautos zu setzen.

02.05.2019 07:02 Jimmy 17

@Anton, das mag alles sein, doch wie auch aus dem Kommentar von @wo geht es hin zu schlussfolgern ist, leben wir in diesem Land wohl in einer Ökodiktatur. Ob es dabei nun wirklich um die Umwelt oder einfach nur um viel Geld und Profit geht, kann jeder selbst spüren.

01.05.2019 22:48 JÖRG 16

Klar nur noch auf e Mobilität setzen und was passiert mit der Umwelt wo die Rohstoffe herkommen ach dem Politiker und Konzern egal kommt JA aus der dritten Welt und die oberen Leben IN der ersten was die Entsorgung der Batterie angeht hätte ich ne Idee wir verkleinern die dann und jeder Bürger kriegt eine IN den Arsch geschoben und läuft elektrisch durch die Gegend und die Reichen fahren mit teuren e Autos durch die Gegend und Politiker fliegen um die Welt um weiter Blödsinn IN der Welt zu beschließen.

01.05.2019 21:40 Max W. 15

@01.05.2019 14:16 Bernd L. (Brockenteufel:
Bei ihnen hat ja die Propaganda schon durchgeschlagen.
Die immer härteren Vorgaben durch die Politik haben den Betrug provoziert. Die neuen EU-Vorgaben sind unerfüllbar.)

Falsch - sie sind für die deutsche Autoindustrie nicht durchsetzbar, weil ihr die Technologie fehlt. Ihr "Argumentation" lässt ja hoffen für das, was die AfD hier abziehen wird. Ich nehmen an, unter Rückgriff auf bestimmte Informationsformate aus Rheydt am Rhein...

01.05.2019 21:37 Max W. 14

Merke: Es ist alles "Alternative", was der F(ür)D(en)P(rofit) spendet, ihr nahesteht oder diese "Partei" als Lobby-Rammbock benutzt, um auf seinen Profit zu kommen.
Ich schlage vor, diese Diskussion ausschliesslich mit Wissenschaftlern zu führen und die Apothekerlobby einfach zu ignorieren. Aus der Ecke ist schon mehr politischer Schaden angerichtet worden, als hier überhaupt aufzählbar.

Ich erinnere aus gegebenem Anlass nur an "Rückgabe vor Entschädigung" - wenige Stunden vor Unterzeichnung noch von der FDP in den Einigungsvertrag "eingebracht".

01.05.2019 17:52 Anton 13

Leider ist Gasodiesel in Deutschland verboten. Aber das wäre wirklich eine zukunftsfähige Technologie. In anderen Ländern ist sie weit entwickelt. Kleine Menge von Diesel wird für Zündung von Gasgemisch verwendet. Man braucht heutige Dieselmotoren dafür nur minimal umrüsten: statt Luft wird Gasgemisch eingesaugt und eingespritzte Dieselmenge wird um mehrfaches reduziert.

01.05.2019 17:10 Wo geht es hin? 12

Der Grundfehler für den ganzen Schlammassel liegt für mich im "Kyoto - Protokoll" und dem Pariser "Klimaabkommen". Dort wurde festgestellt, dass die Vorgaben von Kyoto nicht ausreichen, um eine wirkliche Verbesserung der Luftreinhaltung zu erzielen. Also wurden hektisch/aktionistisch völlig unrealistische, neue Vorgaben gemacht. Das WIE, also wie diese Vorgaben zu erreichen wären, hat niemanden interessiert. Mit anderen Worten: die hatten schon damals keinen realistischen Plan und das setzt sich heutzutage, mit noch viel mehr Aktionismus kaschiert, weiter fort. Und dann setzen diese "Experten" auch noch auf Teufel komm raus wieder mal auf das falsche Pferd: die E - Mobilität und vernachlässigen dabei fast schon strafbar hoffnungsvolle Alternativen. Aber so ist das, wenn Ideologie vor Fachwissen gestellt wird. Nix Neues in D...

01.05.2019 16:53 maheba 11

Ist doch völlig klar warum. Alle alteingesessenen Autohersteller im Land experimentieren mehr oder weniger nur mit der Option Elektroantrieb herum. Da ist doch der Inhalt der Loppyarbeit hierfür vorprogrammiert.
Die deutsche Autoindustrie hat ausgedient. Leider wird hier nur auf ein Pferd gesetzt, jeder macht mal Fehler.

01.05.2019 15:34 Fragender Rentner 10

Für die Herstellung und den Bau der Akkus wird die Umwelt wohl nicht belastet oder gar Raubbau an der Natur betrieben?

Nur damit welche in den Städten behaupten können wir haben dort dann saubere Luft?

Haben wir denn auf der Erde verschiedene Lüfte, einmal für den Bau und dann für den Betrieb der Akkus ?

Da findet wohl Weltweit kein Austausch der Luftmassen statt ???