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Amazon wächst und sucht neue Fachkräfte. Bildrechte: dpa

Neues Verteilzentrum in Erfurt Amazon sucht Soldaten

Fachkräfte sind knapp in Deutschland. Man muss sich also etwas einfallen lassen, wenn man welche braucht. Amazon zum Beispiel hat ein spezielles Programm für ehemalige Zeitsoldaten der Bundeswehr. In Erfurt wird gerade ein neues Verteilzentrum gebaut. Stellenanzeigen für das neue Werk richten sich speziell an ehemalige Zeitsoldaten.

von Uwe Jahn, MDR AKTUELL

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Amazon wächst und sucht neue Fachkräfte. Bildrechte: dpa

Das Unternehmen Amazon wächst – da werden Fachkräfte gebraucht. Im Logistikbereich bedeutet das beispielsweise Leute, die wissen, wie man unter Zeitdruck größere Mengen von A nach B bewegt.

Wir suchen dieses Jahr insbesondere Personal aus dem Militär für die folgende Rolle bei Amazon Operations: Bereichsleiter Logistik - Erfurt - Führungskräfte mit militärischem Hintergrund.

Aktuelle Stellenanzeige von Amazon

Zeitsoldaten: Arbeitssuche nach Ende der Wehrdienstzeit

An wen die Personalabteilung des Versandunternehmens da genau gedacht hat, hat MDR AKTUELL Amazon-PR-Manager Michael Schneider gefragt. Nach seinen Worten stellt sich für jeden Zeitsoldaten irgendwann die Frage, "wie soll es denn eigentlich nach dem Dienstzeitende bei der Bundeswehr weitergehen". Viele der Soldaten wechselten in die Wirtschaft. Dafür gebe es bei der Bundeswehr ein Berufsförderungswerk, das den Soldaten Hilfe beim Einstieg in den Beruf ermögliche. "Und so gibt es eben auch bei Amazon seit 2010 ein spezielles Programm, das eine gute Einstiegsmöglichkeit bieten soll", erklärt PR-Manager Schneider.

Wirbt Amazon der Bundeswehr Soldaten ab?

Amazon hat es mit den Soldaten: Auch in den Vereinigten Staaten, in Großbritannien, Frankreich und Spanien gibt es vergleichbare Programme. Ob die Bundeswehr nun fürchten muss, dass ihr die besten Leute abspenstig gemacht werden?

Soldaten
Viele Zeitsoldaten gehen nach Ablauf der Verpflichtungszeit in die Wirtschaft. Bildrechte: dpa

Dietmar Strey von der Universität der Bundeswehr Hamburg bleibt gelassen. Es gehe lediglich darum, den ausscheidenden Zeitsoldaten nach dem Dienst eine Perspektive zu bieten, glaubt er. Offiziere mit Studium verpflichteten sich Strey zufolge 13 Jahre. "Etwa 75 bis 80 Prozent der Zeitsoldaten verlassen nach Ablauf dieser Zeit die Streitkräfte und ich glaube, in diese Richtung zielt das Angebot."

Verträge der Soldaten nicht einfach kündbar

Auch, dass die qualifizierten Leute bei der Bundeswehr nun alles stehen und liegen lassen, und vor der Zeit gehen, sei nicht zu befürchten, sagt Dietmar Strey: "Die Zeitsoldaten haben quasi einen zeitlich befristeten Arbeitsvertrag, der in beide Richtungen bindend ist."

Auch wenn der Bundestag beschließen würde, die Streitkräfte dramatisch zu reduzieren, würden die Verträge nicht einfach aufgelöst. Und auch die Soldaten könnten ihren Vertrag nicht ohne weiteres kündigen.

Amazon: Soldaten sind gute Führungskräfte

Aber wenn sie dann rauskommen, sind sie bei Amazon gern gesehen. Meistens brächten sie eine gute Ausbildung mit, seien zuverlässig, diszipliniert und strukturiert, so heißt es. Da habe man wohl gute Erfahrungen gemacht, sagt PR-Manager Schneider:

Amazon-Fahne
In Erfurt entsteht zur Zeit ein neues Amazon-Logistikzentrum. Bildrechte: dpa

Letztendlich lernt man bei der Bundeswehr, wie man ein Team vertrauensvoll führt und seine Ziele gemeinsam erreicht. Das sind sehr, sehr wertvolle Erfahrungen auch für die Wirtschaft und auch für die Arbeit bei Amazon.

Michael Schneider Amazon-PR-Manager

Die gleichen Erwartungen habe man auch an Führungskräfte, die nicht beim Militär waren, fügt Schneider hinzu. Bewerben könne man sich auch ohne militärischen Hintergrund - zum Beispiel aktuell in Erfurt.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 25. Juni 2019 | 06:08 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 25. Juni 2019, 05:00 Uhr

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17 Kommentare

26.06.2019 19:52 Querdenker 17

Ich dachte immer die suchen „moderne Sklaven“ zur Profitmaximierung?

siehe „vice Sekundenregeln und Schikanen: Vom Irrsinn, bei Amazon zu arbeiten“

Zitat: „… "Kollegen werden abgemahnt, weil sie 16 Sekunden zu früh in die Mittagspause gegangen sind. Solche Dinge passieren täglich." ...“

Sollen die Soldaten jetzt auf die „modernen Sklaven“ aufpassen?

26.06.2019 18:26 Ralf112 16

Immer wieder interessant, dass doch fast jeder irgendwelche alten Geschichten von Anno Dazumal kennt.

Aber die Welt hat sich weitergedreht und mit ihr die Ausbildung bei der Bundeswehr. Seit der Aussetzung der Wehrpflicht muss die Bundeswehr mit anderen zivilen Firmen um ihre Mitarbeiter "kämpfen". Glauben Sie alle hier tatsächlich, dass auch nur ein einziger Mitarbeiter die ersten sechs Wochen bleiben würde, wenn noch immer Zustände wie die hier beschriebenen herrschen würden?

Und, dass Führungskräfte der Bundeswehr in vielen Firmen sehr willkommen sind, das ist nicht erst seit Amazon bekannt.

25.06.2019 22:57 part 15

Kadaver- Gehorsam statt Gewerkschaftsmitgliedschaft, Amazon und auch andere Klitschen im Versandhandel setzen lieber auf Führungskräfte als Drillinstruktor als auf Fachkräfte mit Erfahrung, die ihr Handwerk verstehen und mit Argumenten motivieren können. Überall wo es solche Reserve-Posten gibt, kommt es zu massiven Problemen mit der Belegschaft. Die ehemaligen BW- Angehörigen müssen sich förmlich wieder ins Normallleben kämpfen um akzeptiert zu werden von ihren Untergebenen. Frust am Arbeitsplatz ist damit vorgezeichnet und wohl auch gewollt von Amazon - Konzern, der jede Minute von Stillstand in der Bewegung der Mitarbeiter akribisch erfast und speichert zur späteren Verwendung. Auch in der DDR gab es die Reserve- Armee mit Verwendung in der Verwaltung mit ähnlichen Resultaten, nur waren dies eben keine reinen Anlernposten, das Ergebnis war trotzdem ebenso verheerend.

25.06.2019 20:09 Rasselbock 14

@:Schulze an Waldemar 10: Kann man nur beipflichten Ihrem Kommentar. Habe in der familie selbst mehrere böse Erfahrungen mit solchen Typen "Zeitsoldaten" machen müssen. Von BW Jobs kann man nur abraten. Nach ein paar Jahren BW werden solche dämlichen Mrthoden so verinnerlicht dass sie nicht mehr aus den leuten heraus zu bekommen sind und solche Leute im Zivillleben anecken müssen. Wenn AMAZON meiner solche Kräfte seinen für sie wertvoll werden sie bald vor einen deftigen Personalmangel stehen. Niemand kann zum Glück gezwungen werden bei diesem Sch*****haufen arbeiten zu müssen. Offensichtlich ist AMAZON ein besseres Bootcamp.

25.06.2019 19:58 Rasselbock 13

@waldemar_1959: Auf welchem intellektuellen Level sin Sie den stehengeblieben? "Zucht und Ordnung" Begriffe des alten Spiessers als aus dem Roman Der Untertan. Zucht und Ordnung wie wie sie ein Unternehmen braucht ensteht nicht durch dämliche Barrasmethoden sondern durch Corporate Identy, für Sie übersetzt, durch innere Identikfikation der Mitarbeiter mit ihrem Unternehmen. Dazu braucht man eine qualifizierte Führung, ein ordentliches Betriebsklima und nicht dummes Barrasgebrüll mit barscher Befehlsgebung. Ihre Wohnadresse ist wahrscheinlich so: Hinter dem Mond. Versuchen Sie mal Ihre Art Menschenführung im Bereich einer Hochschule......aber, dazu reicht es offenbar nicht bei Ihnen. Selbt an der Uni der BW in Neubiberg sind Ihre Methoden nicht gern gesehen.

25.06.2019 18:09 Ralf Richter 12

@10 waldemar_1959
"Auflehnung gegen Hierarchien innerhalb einer Unternehmensgruppe sind auch für jeden Arbeitgeber schlichtweg ein Graus."
Ich weiß nicht, was Sie für ein Zeitgenosse sind, aber ihre Vorstellung von der zivilen Arbeitswelt ist sehr fragwürdig. Haben Sie vergessen, daß ein Arbeitsverhältnis von einem vertraglich bestimmten, gegenseitigem Geben und Nehmen bestimmt sein sollte? Wo es aber zur Einbahnstraße wird, weil der Arbeitgeber am längeren Hebel sitzt und sämtliche Arbeitnehmermitbestimmung fehlt, dann kommt es zu dem, was Sie als "Auflehnung" bezeichnen. Und da sind zweifelhafte Führungskräfte mit militär. Hintergrund sehr willkommen.
P.S. Ich bin weder rot noch grün, aber unabhängig von der polit. Überzeugung habe ich einen Sinn für soziale Gerechtigkeit, weil eine stabile Gesellschaft diese benötigt, das gilt auch für eine Volksgemeinschaft, wenn Sie wissen, was ich damit meine.

25.06.2019 16:58 Schulze an Waldemar 10 11

"absolut unsinnige Kommentare von offensichtlich rot/grün-Gutmenschen." Allein mit dieser Bemerkung haben Sie sich völlig disqualifiziert. Ich bin weder rot noch grün noch gut. Ich habe den Kommiß 3 Jahre erlebt, und ich brauche mir nicht von Ihresgleichen vorflunkern lassen, was ich erlebt habe. Unsere Vorgesetzten hatten keine Ahnung von Menschenführung sondern waren gescheiterte Existenzen, die ihre sadistischen Gelüste auslebten und nicht selten an der Flasche hingen. Da ging es nicht um Disziplin sondern darum, mit menschenverachtenden Methoden den Charakter von Menschen zu brechen. Kameradschaft gab es höchstens bei Grundwehrdienstlern- und Zeitsoldaten, die zusammen im Dreck lagen, aber niemals zwischen Berufssoldaten und Untergebenen. Da wurde lediglich gnadenlos Druck ausgeübt. Das war keine Menschenführung, das war Lagerführung. Leute, die derart geprägt sind, als Aufseher in der Wirtschaft einzusetzen, ist geradezu pervers.

25.06.2019 15:01 Waldemar_1959 10

Das sind absolut unsinnige Kommentare von offensichtlich rot/grün-Gutmenschen.
Gerade die Führungsausbildung in jeder Armee vermittelt hervorragende Kenntnisse in der Menschenführung (Mitarbeiterführung) und Kameradschaft. Allerdings geht es natürlich häufig nicht ohne Disziplin. Auflehnung gegen Hierarchien innerhalb einer Unternehmensgruppe sind auch für jeden Arbeitgeber schlichtweg ein Graus.

25.06.2019 14:15 frank 9

Das kann nicht sein, das Fachkräfte knapp sind , ich denke wir haben Millionen davon geschenkt bekommen, so sagt jedenfalls die KGE von den Grünen.

25.06.2019 14:14 magdeburg 1965 8

@5Horst Schlämmer: Zitat"Künftig herrscht wieder Zucht und Ordnung" Zucht und Ordnung in der Bundeswehr, meinen Sie das ernst?