Erneuerbare Energien Ausbau von Windrädern an Land eingebrochen

Lange Genehmigungsverfahren und viele Klagen - die Windenergie steckt tief in der Krise. Eine neue Analyse zeichnet ein dramatisches Bild. Der Ausbau von Windrädern ist demnach fast zum Erliegen gekommen. Umweltschützer sprechen von einer verheerenden Situation.

Aufbau eines neuen Windrades im Windpark Pölzig 2 bei Gera
65 Prozent des Stromverbrauchs aus erneuerbaren Energiequellen wie Wind und Sonne: dieses Ziel hat die Bundesregierung für das Jahr 2030 gesetzt. Zuletzt lag der Anteil bei 44 Prozent. Bildrechte: MDR/LoréneGensel

Die Ausbaukrise bei der Windenergie an Land hat sich in diesem Jahr dramatisch zugespitzt. Wie eine Analyse der Fachagentur Windenergie an Land ergab, gingen von Januar bis Ende September dieses Jahres lediglich 148 Windenergieanlagen mit einer Gesatzleistung von 507 Megawatt ans Netz. Dieser Wert sei in den vergangenen fünf Jahren bereits im ersten Quartal erreicht worden. Damit liege die bisherige Neuanlagenleistung um 82 Prozent unter dem Durchschnitt der Vergleichszeiträume zwischen 2014 und 2018.

Das Forschungsflugzeug der TU Braunschweig über der Nordsee vor einem Windpark 3 min
Bildrechte: Institut für Flugführung/TU Braunschweig

Die Fachagentur korrigierte mit ihrer Analyse auch die Prognose für den Gesamtzubau bis Jahresende. Es sei davon auszugehen, dass die Schwelle von 1.000 Megawatt nicht erreicht werde, hieß es. Erst im Juli hatte der Bundesverband Windenergie seine Prognose auf einen Zubau auf rund 1.500 Megawatt heruntergeschraubt. In den Jahren 2014 bis 2017 waren nach Branchenangaben noch jährlich rund 4.600 Megawatt neu dazugekommen.

WWF: Verheerender Zusammenbruch des Windenergie-Ausbaus

Der Umweltverband WWF sprach von einem Zusammenbruch des Windenergie-Ausbaus in Deutschland. "Statt bestehende Hürden für den Windenergie-Zubau abzubauen, hat die Bundesregierung mit ihrem 'Klimapäckchen' mit der Abstandsregelung eine neue angekündigt", kritisierte WWF-Klimachef Michael Schäfer. Ein zukunftsfähiger Wirtschaftszweig werde hier an den Abgrund gedrängt.

Maßnahmenprogramm soll Ausbau wieder beschleunigen

Hauptgründe für die Ausbaukrise sind lange Genehmigungsverfahren und viele Klagen. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier hatte Anfang September angekündigt, mit einem speziellen Programm den Ausbau der Windkraft wieder voranzubringen. Dazu sollten mehr Flächen für Windkraftanlagen verfügbar gemacht und Genehmigungsverfahren beschleunigt werden. In Absprache mit den Ländern soll für neue Windkraftanlagen zudem ein bundeseinheitlicher Mindestabstand von 1.000 Metern zu Wohnhäusern gelten. Für mehr Akzeptanz von Windparks sollen Kommunen finanziell stärker von diesen profitieren.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 22. Oktober 2019 | 07:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. Oktober 2019, 10:36 Uhr