Ein Flüchtling aus Syrien und Auszubildender Elektroniker, zeigt Melanie Leonhard (SPD), Senatorin für Arbeit, Soziales, Familie und Integration, seinen Arbeitsplatz
Bundesweit machen derzeit 44.000 Geflüchtete eine Ausbildung. (Archivbild) Bildrechte: dpa

Ausbildung versus Hilfsjob Geflüchtete und ihre Integration auf dem Arbeitsmarkt

Als 2015 mehr als eine Million Geflüchtete nach Deutschland gekommen sind, setzten Politik und Unternehmen darauf, die Geflüchteten möglichst schnell in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Wer eine Ausbildung macht, so die Hoffnung, könne dann in Berufen mit Fachkräftemangel arbeiten. Tatsächlich macht der überwiegende Teil aber Helferjobs. Warum ist das so?

von Birgit Raddatz, MDR AKTUELL

Ein Flüchtling aus Syrien und Auszubildender Elektroniker, zeigt Melanie Leonhard (SPD), Senatorin für Arbeit, Soziales, Familie und Integration, seinen Arbeitsplatz
Bundesweit machen derzeit 44.000 Geflüchtete eine Ausbildung. (Archivbild) Bildrechte: dpa

Bundesweit machen aktuell 44.000 Geflüchtete eine Ausbildung. Die Zahl ist kontinuierlich gewachsen. Laut Institut für Arbeitsmarktforschung IAB könnten es aber noch viel mehr sein. 

Volker Lux, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Leipzig, ist skeptisch. Das hat zwei Gründe: Zum einen, weil bei den Geflüchteten die Motivation zur Flucht in den seltensten Fällen darin bestehe, in Deutschland eine Ausbildung zu absolvieren. Der zweite Grund sei, dass es sich nicht um große Gruppen handele, die hier mit einem Abschluss der zehnten oder elften Klasse komme, sondern die eine unterbrochene Erwerbs- oder Ausbildungsbiografien habe und sich damit den Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt wirklich hart erarbeiten müsse.

Mehr als die Hälfte macht Helferjobs

Für die Berufsschule ist ein Haupt- oder Realabschluss zwingende Voraussetzung. Den hätten viele Geflüchtete aber nicht, sagt Lux. Deshalb ergreifen beispielsweise in Sachsen-Anhalt mehr als 56 Prozent einen Helferjob, in Thüringen sind es fast 60 Prozent.

Auch der Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Leipzig, Thomas Hofmann, reagiert angesichts der Ausbildungszahlen verhalten. In der  Wirtschaftsregion Leipzig machen aktuell etwa 270 Geflüchtete eine Ausbildung in der Industrie oder im Handel. Der überwiegende Teil kommt aus Afghanistan oder Syrien. Zehn Prozent der Betriebe, die ausbilden dürfen, bilden auch ausländische Azubis aus. Für beide sieht Hofmann einige Herausforderungen:

Dinge, wie Sprache, Schulbildung, Aufenthaltstitel. Auch noch ein großes Problem ist, dass 40 Prozent der Asylverfahren noch nicht geklärt sind. Auch das ist eine Unsicherheit für unsere Betriebe, so einen Azubi einzustellen oder auszubilden.

Thomas Hofmann, Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Leipzig

Geflüchtete brauchen einen Aufenthaltstitel oder eine Duldung, um überhaupt arbeiten zu dürfen. Einigen droht, dass sie abgeschoben werden, wenn sie die Ausbildung beendet haben. Manche Chefs stellten deshalb erst gar nicht ein.

Häufig Jobs in Logistik, Handel und Gastgewerbe

Viele der Betriebe seien trotzdem erst einmal zufrieden mit den geflüchteten Azubis, sagt Hofmann. Trotzdem bleiben dieses Jahr wieder Tausende Lehrstellen frei. Das liege auch daran, dass die Azubis zu wenig in der Ausbildung bekämen, glaubt Volker Lux von der Handwerkskammer Leipzig. Ein Hemmnis sei, dass der Wunsch der Geflüchteten schnell in Arbeit zu kommen, schnell Geld zu verdienen, schnell Geld an ihre Familien zu schicken oder Schulden bei Schlepperorganisationen zu bezahlen, sehr ausgeprägt sei.

Besonders in der Logistik, im Handel, im Gastgewerbe und in der Produktion kommen viele Geflüchtete in Mitteldeutschland unter. Und das nicht selten über Zeitarbeitsfirmen.

Werner Stolz vom Interessenverband Deutsche Zeitarbeitsunternehmen findet es nachvollziehbar, dass Menschen mit geringen Sprachkenntnissen erst einmal einen Hilfsjob annehmen. Er sagt: "Hier muss man feststellen, dass der Architekt aus Syrien, der zunächst nur als Helfer eingesetzt wurde über Zeitarbeit, dann aber anschließend, nachdem er die deutschen Sprachkenntnisse besser erworben hat, besser integriert worden ist, anschließend ein Studium absolviert hat, und auf diesem Weg dann in seinen alten Beruf zurückgekehrt ist.

Eine Konkurrenz zwischen den Zeitarbeitsfirmen und den Ausbildungsbetrieben sehen alle Beteiligten nicht. Wohl aber, dass die Zusammenarbeit zwischen Jobcentern, Betrieben und Ausländerbehörden noch unkomplizierter werden müsste.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL FERNSEHEN | 31. Juli 2019 | 20:55 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 01. August 2019, 09:50 Uhr

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22 Kommentare

03.08.2019 08:23 Ekkehard Kohfeld EU - Wahl NRW SPD -14,5 % Ihr werdet immer weniger :-) 22

@ hercule 16
Alle Azubis die ich in meinen Kursen sitzen habe sind mehr als bemüht sich Wissen anzueignen.
##
Da habe aber ganz andere Erfahrungen gesammelt beim Blockunterricht,der größte Teil hat keine wirkliches Interesse am Unterricht,die sind nur anwesend weil sie müssen.Und nur die allerwenigsten werden die Prüfung schaffen wenn überhaupt einer so lange in der Ausbildung bleibt.
Und sie bilden wann aus?
!!!! 01.08.2019 15:03 hercule !!!!

02.08.2019 07:35 dmehl 21

Teil3: Ein "Nun sind sie halt' da." kann für dieses Prozess ja nun wirklich keine Grundlage und Basis sein. Nichts ist alternativlos, alles kann auch wieder gestoppt und rückgängig gemacht werden.
Wenn es keinerlei rechtliche und/oder sonstigen Beschlüsse / Grundlagen diesbezügl. gibt, dann sollte die Integration beendet / rückgängig gemacht werden.
Wohlgemerkt, es geht hier nicht um politisches Asyl oder Hilfe, sondern um Integration.
Vielleicht kann der mdr ja einmal einen Beitrag zu diesem Thema machen.

02.08.2019 07:28 dmehl 20

Teil2: Gab es eine Volksentscheid auf Bundesebene, in dem sich die deutsche Bevölkerung für oder gegen die Integration (mit allen ihren Folgen) aussprechen konnte ?
Gab es Volksbegehren, mit denen um die Durchführung von Integration seitens der deutschen Bevölkerung gebeten wurde ?
Wenn von alledem nichts zutrifft: wer hat dann wem, wann und wie das Recht gegeben, dieses Land so grundlegend, oft zum Schlechteren, umzugestalten ?
Es werden enorme finanzielle Mittel bereitgestellt, obwohl früher und in manchen Bereichen noch heute, angeblich kein Geld da war/ist - auf welcher Grundlage ?
Auf welcher Basis all die Anstrengungen und Maßnahmen ?

02.08.2019 07:18 dmehl 19

Integration ist mittlerweile (auch beim mdr) zu einem nicht zu kritisierenden Dogma geworden.
Über Integration wird (zu) viel berichtet. Warum eigentlich ? Woraus ergibt sich für die BRD und ihre Bewohner die Pflicht, Alle und Jeden integrieren zu müssen ?
Ist die Basis eine UN-Konvention oder ein anderer völkerrechtlich bindender Vertrag ? Wurde es seitens des EU-Parlements so beschlossen ?
Warum müssen denn dann nicht alle anderen EU Staaten gleichermassen Integration durchführen (Sie nehmen oft nicht einmal Flüchtlinge auf...) ?
Wo steht im Grundgesetz der BRD das Integrationsgebot ? Welches Gesetz wurde diesbezüglich hierzulande erlassen ?
Die im Bundestag versammelten Volksvertreter haben wann und wie die Durchführung der Integration beschlossen ?

01.08.2019 21:38 K. 18

Ich verstehe die Diskussion nicht. Ich erinnere mich an das Jahr 2015. Was wurde uns da nicht alles Wunderbares von Politikern, Kirchen, Wirtschaftlenkern, Sozialwissenschaftlern, etc.- über diese Schwemme junger Männer erzählt. Alles wären gut ausgebildete Spezialisten, Ärzte, Physiker, Intellektuelle. Eben richtige Bereicherer. Manche Politiker verglichen diese Menschen mit dem puren Gold. Und jetzt soll es Probleme mit der Integration geben? Quatsch, da ist der Schreiberling des Artikels doch rechter Hetze aufgegessen. Bei soviel angekündigten Hochniveau und Euphorie, muss die Integration inzwischen doch eine absolute Erfolgsstory sein. Oder sollte man uns 2015 über diese Flüchtlinge belogen haben? Hatte man damals deswegen so dicke aufgetragen, um uns nicht zu beunruhigen? Dieser Artikel wirft mehr Fragen auf, als er Antworten gibt. Wäre eine andere Flüchtlingspolitik nicht endlich an der Zeit?

01.08.2019 21:29 baldur von ascanien 17

Asylanten, Emigranten, Migranten und jetzt einfach nur noch Flüchtlinge? Wer daran glaubt, glaubt auch das Zitronenfalter Zitronen falten. Hört uns endlich auf zu belügen!

01.08.2019 15:03 hercule 16

Das Problem das die Flüchtlinge haben, ist einfach das sie unsere Sprache oft gut sprechen können, nur leider ist das Lernverständnis nicht sehr ausgeprägt. Man muss aber bedenken viele sind erst seit 3 Jahren hier. Alle Azubis die ich in meinen Kursen sitzen habe sind mehr als bemüht sich Wissen anzueignen.
Viele Kritiker sollten sich mal selber die Frage, stellen wie es ihnen ginge, wenn sie einen Job in Großbritannien annehmen würden. Ob sie auch in 3 Jahren perfekt Englisch sprechen, und vorallen schreiben könnten.

01.08.2019 15:02 Carolus Nappus 15

Bei 40% ist immer noch nicht das Asylverfahren abgeschlossen? Weil die selber nicht wissen, woher sie kommen, wie sie heißen und wann sie geboren sind? Oder weil keine Asylgründe vorliegen?
Und hier werden mal eben so nebenbei die wahren Fluchtgründe ausgesprochen: "Ein Hemmnis sei, dass der Wunsch der Geflüchteten schnell in Arbeit zu kommen, schnell Geld zu verdienen, schnell Geld an ihre Familien zu schicken oder Schulden bei Schlepperorganisationen zu bezahlen, sehr ausgeprägt sei."
Doof nur, dass die eben keine anerkannten Fluchtgründe sind.

01.08.2019 14:58 Fragender Rentner 14

Das sind doch meist nur Männer die man uns in so manchen Berufen im Fernsehen zeigt, richtig?

Wo sieht man die Frauen und wann werden sie im Fernsehen gezeigt, hoffe doch nicht, dass dies geheim ist?

01.08.2019 14:16 Hotzenplotz 13

Wer schon Analphabet in seiner Muttersprache ist, wird nie der Crack in der deutschen Sprache sein. Die meisten wollen einen Job, der höchstbezahlt ist, wenig körperliche Arbeit macht und viel Freizeit lässt, bei freier Arbeitszeiteinteilung. Richtige Arbeit wollen die wenigsten, Afrikaner begreifen zum Beispiel nicht, das die Frühschicht um 06.00 beginnt, 5 Tage hintereinander, und das man da jeden Tag hin muss, und nicht jeden 2. Tag so gegen 1000 erscheinen.