Autoindustrie Studie: E-Mobilität gefährdet 410.000 Jobs in Deutschland

Eine neue Untersuchung zur Entwicklung der Autoindustrie sieht knapp eine halbe Million Jobs durch E-Mobilität gefährdet. Kritiker sagen aber, die Studie gehe von einem unrealistischen Extremszenario aus. Was kommt auf die Branche zu?

E-Auto
Einer Studie zufolge gefährdet die E-Mobilität hunderttausende Jobs. Bildrechte: imago images / Jan Huebner

Rund 410.000 Jobs sollen laut dem Bericht der Nationalen Plattform Zukunft der Mobilität (NPM) bis 2030 in der Autoindustrie wegfallen. Die Studie vereint zwei frühere Untersuchungen zur E-Mobilität und betrachtet sowohl den Autobau als auch die Zulieferer von Teilen und Materialien.

Der Bericht spielt verschiedene Szenarien durch. Je mehr E-Autos bis 2030 gebaut würden, desto größer sei der Jobverlust. Das rühre daher, dass für Elektromotoren deutlich weniger Teile gebraucht würden und die Motoren weniger wartungsintensiv seien.

VDA: "unrealistisches Extremszenario"

Der Verband der Deutschen Autoindustrie (VDA) widerspricht der Darstellung des NPM-Berichts dagegen vehement. Die Annahmen gingen von einem "unrealistischen Extremszenario" aus, sagte VDA-Geschäftsführer Kurt-Christian Scheel dem "Handelsblatt".

Extremszenario deshalb, weil die Untersuchung davon ausgehe, dass bis 2030 noch kaum Fahrzeuge und Teile wie Batterien in Deutschland gefertigt würden und stattdessen importiert werden müssten. Sowohl der VDA als auch die Gewerkschaft IG Metall kommen hier laut Medienbericht aber zu einem gänzlich anderen Ergebnis. So werde die Produktpalette der E-Autos bis 2030 deutlich erweitert sein. VDA-Chef Scheel erklärt, dass sich diese allein bis 2023 auf 150 Modelle verdreifachen werde. Ein Großteil davon werde dann in Deutschland produziert.

Alte Jobs verschwinden – neue kommen hinzu

Einen Teil der Studie hält Scheel dem "Handelsblatt" zufolge dennoch für realistisch. Die NPM rechnet vor, dass rund 80.000 Jobs in der Antriebsfertigung der E-Autos abgebaut werden. Dennoch betont er, dass viele Unternehmen neue Wertschöpfungspotentiale identifizieren und ihre Geschäftsmodelle umbauen müssten. Große Autobauer und Zulieferer täten das bereits.

Als Beispiel wird Volkswagen genannt. Das Unternehmen habe zwar bis Ende 2019 23.000 Stellen in seinen Werken gestrichen. In einem "Zukunftspaket" plane der Konzern aber auch den Aufbau von 9.000 Stellen in Bereichen wie Elektrifizierung der Fahrzeugflotte und Digitalisierung. Außerdem sei in Salzgitter eine eigene Fabrik für die Fertigung von Batteriezellen geplant. Weitere 10.000 Jobs sollen in der Fahrzeug-IT entstehen – allerdings für Software-Ingenieure. Ein direkter Wechsel aus der Fertigung wäre hier nur sehr begrenzt möglich.

IGM: Kurzarbeit mit Qualifizierung verknüpfen

Auch die großen Zulieferer würden sich bereits jetzt auf die höhere Nachfrage in Sachen E-Mobilität vorbereiten, heißt es im "Handelsblatt". Allerdings bemängelt die IG Metall, dass gerade die kleinen und mittleren Zulieferer keine Strategien für den Wandel hätten, so Gewerkschaftschef Jörg Hofmann in der Zeitung. Diese Planlosigkeit sei es, was Arbeitsplätze gefährde. Er fordert zudem vom Staat, Kurzarbeit stärker mit Qualifizierungsmaßnahmen zu verknüpfen.

Sowohl die Autoren der NBM-Studie als auch die IG-Metall betonen, dass für einen sicheren Wandel die gesamte Wertschöpfungskette inklusive der Batteriezellenproduktion in Deutschland liegen müsse.

Wandel und Krise bei mitteldeutschen Zulieferern

Schon jetzt ist die Krise bei den Autobauern und Zulieferern angekommen. So geht die laut Wirtschaftsauskunftei Crifbürgel höhere Zahl insolvenzgefährdeter Unternehmen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen auch auf die große Anzahl an Autozulieferern zurück. Diese hätten derzeit mit Problemen zu kämpfen, sagte ein Sprecher MDR AKTUELL.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 18. November 2019 | 16:00 Uhr

19 Kommentare

Klartext vor 46 Wochen

Die kinder-ergo-zukunftslose faru Merkel sagte einmal zu Kindern bei einer Veranstaltung in ihrem Wahlkreis, diese werden später mal zurückblicken und sich wundernd fragen, warum man damals überhaupt Auto gefahren ist. Auch sagte sie einmal, es wird in Zukunft die Ausnahme sein, selbst ein Auto zu fahren. Ob sie das aufs autonome Fahren - schwachsinn Hoch3 bei unserer Infrastruktur - bezuogen hat, sagte sie damals nicht. Die Deindustriealiserung DEUs nimmt im stärker ihren Lauf ... die halten weder Ochs noch Esel auf.... Aber wehe, der Zahlmeister des Zentralismussystemes EU-ropa/EUdSSR fällt einmal weg.... Das wird ein Spaß!!!!

nasowasaberauch vor 46 Wochen

Ursache dieser eMobil–Hysterie ist die EU mit utopischen Grenzwerten für CO2. Wer die als Flottenwert nicht einhält zahlt Strafe. VW hat mit seinem Betrug der ganzen Branche und der Schlüsselindustrie in Deutschland einen Bärendienst erwiesen und spielt nun den geläuterten Vorreiter mit dieser zweifelhaften Technologie. Die Nachteile der eMobilität werden totgeschwiegen und die ebenso mit Zweifeln behafteten Vorteile gepuscht. CO2 frei und umweltfreundlich, wenn ich das höre stellen sich die Nackenhaare hoch. Wie dem auch sei, der SUV Boom ist ungebrochen und entscheiden tut immer noch der Verbraucher. Der ist näher an der Realität als es vielen Politikern lieb ist und das ist gut so!

der_Silvio vor 46 Wochen

"tremszenario deshalb, weil die Untersuchung davon ausgehe, dass bis 2030 noch kaum Fahrzeuge und Teile wie Batterien in Deutschland gefertigt würden und stattdessen importiert werden müssten."
Wird wohl auch so werden.
Aber nicht weil man dies 'müsste', sondern damit die Kosten der Produktion minimiert, und so die Gewinne der Konzernchefs und der Lobbyisten maximiert werden.
Dann werden die Teile für die so 'sauberen' Autos mit Schweröl verbrennenden Containerschiffen um die ganze Welt geschippert.
Größer kann die Ideotie kaum sein.