Bauarbeiten an den Fernbahngleisen.
Die Bahn startet eine Investitions-Offensive und wird 10 Milliarden Euro ins Streckennetz und in Bahnhöfe investieren. Bildrechte: imago/Hohlfeld

Investitionen ins Schienennetz Bahn baut an bis zu 800 Stellen gleichzeitig

Die Deutsche Bahn kämpft gegen den jahrelangen Sanierungsstau und die Überlastungen in ihrem Schienennetz. Der Konzern investiert in diesem Jahr die Rekordsumme von mehr als zehn Milliarden Euro in die Erneuerung des Schienennetzes und die Sanierung von Bahnhöfen. Bahnreisende werden in den kommenden Monaten weiterhin Geduld brauchen.

Bauarbeiten an den Fernbahngleisen.
Die Bahn startet eine Investitions-Offensive und wird 10 Milliarden Euro ins Streckennetz und in Bahnhöfe investieren. Bildrechte: imago/Hohlfeld

Bahnkunden müssen auch in diesem Jahr mit zahlreichen Einschränkungen durch Baumaßnahmen rechnen. In Spitzenzeiten werde es 800 Baustellen gleichzeitig geben, kündigte Infrastrukturvorstand Ronald Pofalla an. Neben Instandhaltungsvorhaben würden allein rund 50 Neu- und Ausbauprojekte geplant oder umgesetzt.

Baumaßnahmen auch in Mitteldeutschland

In das Schienennetz und die Bahnhöfe investiert die Deutsche Bahn die Rekordsumme von 10,7 Milliarden Euro. Vergangenes Jahr flossen 9,4 Milliarden Euro in die Infrastruktur. Der Anstieg geht zum Teil auch auf höhere Baupreise zurück. Den Großteil der Summe übernimmt der Bund.

eine Grafik zu Bauvorhaben in Sachsen-Anhalt 1 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Einschränkungen für die Fahrgäste sollen möglichst gering gehalten werden. "Wir bekommen das Fahren und Bauen immer besser in den Griff", sagte Pofalla. Obwohl mehr gebaut werde, sei die Zahl der damit verbundenen Verspätungen zurückgegangen. Damit Züge frühzeitig wieder rollen können, setzt die Bahn mehr Bauarbeiter ein und errichtet häufiger Hilfsbauwerke.

Auch in Mitteldeutschland wird an Strecken gebaut. Zwischen Halle und Magdeburg erneuert die Bahn ab Mitte Juni bis Jahresende zum Beispiel die Leit- und Sicherheitstechnik sowie Bahnübergänge. Auf der Verbindung von Weimar nach Erfurt und weiter Richtung Frankfurt am Main saniert der Konzern ab Mitte August bis Ende Oktober Brücken und Tunnel sowie ebenfalls die Leittechnik.

Engpässe reduzieren

Der Fokus liegt nach Angaben von Bahnvorstand Pofalla generell darauf, Engpässe im Schienennetz zu reduzieren – etwa durch neue Weichen und Überhol-Gleise. "An den neuralgischen Punkten steuern wir aktiv gegen den Rückstau, der sich auf das gesamte Netz auswirkt", sagte Pofalla.

Fast 30 Jahre alte ICE-Strecken

Ein Schwerpunkt sind Sanierungsarbeiten an Schnellfahrtstrecken, insbesondere an den Strecken zwischen Hannover und Würzburg sowie Mannheim und Stuttgart. Diese Strecken waren im Frühjahr 1991 die ersten Strecken für Personenzüge mit einer Geschwindigkeit von mehr als 160 Kilometern pro Stunde. Nach mehr als einem Vierteljahrhundert müssten die Gleise nun dringend erneuert werden.

Die Auswirkungen für Bahnkunden sind gravierend. Durch Sperrungen und Umleitungen werden zum Beispiel Züge zwischen Hamburg und Frankfurt, Berlin und Frankfurt sowie Hamburg und München 30 bis 40 Minuten länger brauchen. Wie die Bahn ankündigte, werden die Züge auch voller sein, weil weniger als üblich fahren würden.

Allein zwischen Hannover und Würzburg sind jährlich rund 15,5 Millionen Fahrgäste in Hochgeschwindigkeitszügen unterwegs. Die Arbeiten erfolgen daher in mehreren Etappen. Die Fertigstellung ist bis 2023 geplant.

Bahn im Krisenmodus

Die Bahn stand in den vergangenen Monaten massiv in der Kritik. Für negative Schlagzeilen sorgten vor allem Verspätungen und Zugausfälle. Der Konzern musste mehr als 50 Millionen Euro für Entschädigungen ausgeben. Zugleich stockt der Ausbau des Güterverkehrs. Es fehlt an Geld für notwendige Sanierungen. Der Bund als Eigentümer forderte von der Bahn deshalb ein Maßnahmenpaket.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 20. Februar 2019 | 06:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. Februar 2019, 21:22 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

5 Kommentare

21.02.2019 16:52 Carolus Nappus 5

Da wursteln eben nach wie vor zuviele Beamte und Politiker drin rum. Da gibt es dann ständig ein hin und her, wie man das allerorten in der Bildungspolitik beobachten. Jede Regierung bzw. jeder Minister will da eine andere Sau durch Dorf treiben und wähnt sich als der Schlauste. Einfach mal Fachleute machen lassen mit Blick über die nächste Bundes- oder Landtagswahl hinaus.
Möglicherweise hätte man viel eher viel mehr Strecken dicht machen müssen, um die Kapazitäten auf den Rest zu konzentrieren und dort dann eine gute Leistung anzubieten, anstatt überall ein bißchen Mist.
Ansonsten halte ich 800 Baustellen angesichts des Umfangs und der Belastung des Netzes für durchaus angemessen. Wenn das Netz einmal da ist, muss man es auch mal warten und kann nicht parallel ein neues bauen und dann das alte abreißen.

20.02.2019 19:53 GEWY38 4

@whocares, grandios. "Hätten sie mal..."
Stimmt hätten sie mal, hätten wir jetzt nicht bis zu 800 Baustellen. Dabei können wir noch froh sein. Hätten sie mal nicht ein Drittel ihres Schienennetzes demontiert wären es wohl noch 400 Baustellen mehr.
Bloß mal so zum Nachdenken.

20.02.2019 18:23 whocares_ 3

An alle (künftigen) Meckerer:
Macht die Bahn nichts, wird geschimpft ob des Investitionsstaus. "Hätten sie mal...".
Machen sie was, wird auch gemeckert.

Das ist genau so wie bei den Straßen: alle schimpfen über Schlaglöcher, wie schlimm das alles und nur Flickschusterei.
Wird eine Straße komplett gesperrt, um sie grundhaft zu sanieren, geht die Welt unter, weil man im Auto 2 km Umweg am Lenkrad kurbeln muss...
So mal zum Nachdenken!

20.02.2019 15:16 Fragender Rentner 2

Wenn die an 800 Stellen gleichzeitig bauen wollen, wo haben sie da wohl die Arbeitskräfte her?

Oder gibt es da auch Scheinbaustellen?

20.02.2019 14:39 Rasselbock 1

Typisch BWL, wir sparen, egal was es kostet. Als vor Jahren Fachleute vor zu grossem Rückbau warnten wurden sie verlacht. Politiker und sogenannte Ökonomen, sowas kann man doch nicht mehr ernst nehmen.