Richard Lutz
DB-Chef Lutz: Deutschland bekommt eine starke Schiene. Bildrechte: dpa

Deutsche Bahn Bahn-Chef Lutz: Klimapaket größtes Wachstumsprogramm

Die Deutsche Bahn rechnet nach dem Klimabeschluss der Bundesregierung mit mehr als 20 Milliarden Euro in den kommenden zehn Jahren, Bahn-Chef Lutz spricht vom größten Wachstumsprogramm der deutschen Eisenbahngeschichte. Verbraucherschützer üben dennoch Kritik.

Richard Lutz
DB-Chef Lutz: Deutschland bekommt eine starke Schiene. Bildrechte: dpa

Die Deutsche Bahn sieht im Klimapaket der Bundesregierung das größte Wachstums- und Innovationsprogramm in der 180-jährigen Geschichte der deutschen Eisenbahn.

Bahn-Chef Richard Lutz sagte am Sonntag in einer telefonischen Pressekonferenz: "Wir haben immer gesagt: Deutschland braucht eine starke Schiene. Seit Freitag können wir sagen: Deutschland bekommt eine starke Schiene." Nach Schätzungen des Konzernchefs bekommt der Bahnsektor mehr als 20 Milliarden Euro bis zum Jahr 2030.

Elf Milliarden Euro zusätzlich für die Schiene

So erhält die Bahn den Beschlüssen des Kabinetts zufolge von 2020 bis 2030 zusätzliches Eigenkapital von einer Milliarde Euro pro Jahr, die in die Modernisierung und den Ausbau des Bahnsystems fließen sollen. DB-Infrastrukturvorstand Ronald Pofalla erklärte, das Bahnnetz sei das Rückgrat der Mobilitätswende. Ohne massive Investitionen in die Schiene drohe die Mobilitätswende zu scheitern.

Bahn will auch Spar-Preise im Fernverkehr senken

Die Bahn kündigte an, dass Fahrkarten im Fernverkehr zehn Prozent billiger werden, sobald die beschlossene Senkung des Mehrwertsteuersatzes von derzeit 19 auf sieben Prozent in Kraft tritt. Den Super-Sparpreis wolle man künftig ab 17,90 Euro statt 19,90 Euro anzubieten. Mit Bahn-Card-Rabatt seien es 13,40 Euro. Ob auch die Bahncards 25 und 50 billiger werden, hänge von der genauen gesetzlichen Regelung ab.

Mehr Geld für ÖPNV

Zudem verwies die Bahn auf die deutliche Erhöhung der Bundesmittel für den Öffentlichen Personennahverkehr. Über die bereits im Koalitionsvertrag verankerte Erhöhung auf eine Milliarde Euro jährlich ab 2021 beabsichtige die Bundesregierung, die Mittel ab 2025 auf zwei Milliarden Euro pro Jahr zu erhöhen. Die Bahn erklärte, davon komme ein großer Teil dem Ausbau der Nahverkehrssysteme in den Metropolregionen zugute.

Kritik von Verbraucherschützern

Kritik kommt von den Verbraucherschützern. Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) erklärte, günstige Bahntickets allein würden nicht mehr Menschen zum Bahnfahren bewegen. "Die Bahn hat nicht nur ein Kapazitäts- und Zuverlässigkeitsproblem, sondern auch eine Qualität, die einiges zu wünschen übrig lässt", sagte die Leiterin des Teams Mobilität und Reisen beim vzbv, Marion Jungbluth, dem "Handelsblatt". 

Jungbluth regte die Schaffung eines Gremiums an, das als "Stimme der Fahrgäste" helfen solle, das Bahnangebot und den Service stärker an den Verbraucherwünschen zu orientieren. "Die Bundesregierung sollte die Gründung einer institutionellen Fahrgastvertretung fördern, die mittels unabhängiger Qualitätsberichte den zielgenauen Mitteleinsatz überprüft".

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 22. September 2019 | 14:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. September 2019, 15:29 Uhr

6 Kommentare

Auf der Sonnenseite des Lebens vor 3 Wochen

"Nach Schätzungen des Konzernchefs bekommt der Bahnsektor mehr als 20 Milliarden Euro bis zum Jahr 2030. "

ob das dann Zweckgebunden ist, oder ob er das für einen unterirdischen Bahnhof nimmt?

August vor 3 Wochen

Jeden Sonnabend wird im MDR Sachsen Anhalt ein kleines Dorf besucht und da sieht mann das ganze Drama ohne Auto geht nichts und die Einwohner sind zusammen älter als die Ersterwähnung des Ortes.
Das sind die Verlierer von Wende und Landflucht und müssen jetzt auch für den
Klimawandel und seine Folgen büßen. Der Nahverkehr bedient nur den Speckgürtel 25km um die Städte. Vor wenigen Wochen war der Aufschrei groß als die Städte als Gewinner der Zukunft galten und der Ländliche Raum als Abgehangen galt und Investionen sinnlos sind. Aber da hatt man schon ganze Arbeit geleistet sodas viele Orte bald wüst sind wie 1648.

MaP vor 3 Wochen

Na prima, da kann die Bahn ja mal langsam anfangen, die Strecken, die sie aus finanziellen Gründen alle stillgelegt und teilweise auch abgebaut hat, wieder aufzubauen und in Betrieb zu nehmen wenn das überhaupt möglich ist. Und was wird mit den ganzen maroden Bahnbrücken? Ich denke, die 20 Milliarden werden da gar nicht ausreichen. Aber größenwahnsinnig wie man ist, werden gleich erstmal zig neue Züge bestellt (kam in den MDRaktuell-Nachrichten).