Regional- und S-Bahnen Fehlende Lokführer – Pendlerzüge fallen aus

Seit Jahresbeginn sind bereits jetzt 4.000 Pendlerzüge ausgefallen, weil Lokführer fehlten. Im gesamten Vorjahr waren es 5.000 Regionalzüge. Die Bahn will mit Neueinstellungen gegensteuern, die Gewerkschaft pocht auf Ausbildung.

Wegen fehlender Lokführer sind im Nahverkehr der Deutschen Bahn seit Jahresbeginn fast 4.000 Züge ausgefallen. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters und beruft sich auf den Entwurf eines Briefes an Verkehrsminister Andreas Scheuer. Im vergangenen Jahr seien aus diesem Grund insgesamt 5.000 Pendlerzüge und S-Bahnen nicht gefahren.

Die Bahn habe deshalb schon 1.500 Lokführer eingestellt und gehe davon aus, den fehlenden Bedarf noch dieses Jahr schließen zu können. Eine Sprecherin der Bahn sagte, zu einem internen Entwurf wolle man sich nicht äußern.

GDL: Die Hälfte der Lokführer geht bald in den Ruhestand

Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL), der der Brief nicht vorliegt, wollte diesen nicht kommentieren. Allgemein teilte ein GDL-Sprecher MDR AKTUELL aber schriftlich mit: "Ausfallende Züge und fehlendes Personal sind an der Tagesordnung."

Der Sprecher kritisierte, dass noch 2017 Einsparpotenziale im Personalbereich gesehen worden seien. Bei der Bahn sei immer nur nach Budget und nicht nach Bedarf geplant worden. 2018 habe hier ein Umdenken stattgefunden.

Die GDL erkennt zwar an, dass der Demografische Wandel berücksichtigt worden sei – demnach geht gut die Hälfte der Lokführer in den kommenden Jahren in den Ruhestand – dennoch betont sie, dass das bedeute, "dass etwa 11.000 Lokführer zusätzlich fehlen werden – zu dem bereits bestehenden Mangel!".

Neue Lokführer müssen ausgebildet werden

Der Vorsitzende der GDL in Mitteldeutschland, Reinhold Vieback, zeigt sich deswegen wenig optimistisch, dass die 1.500 Lokführer, von denen die Bahn in dem Entwurf spricht, ausreichen werden. Zumal er davon ausgeht, dass diese zunächst ausgebildet werden müssten, ehe sie eingesetzt werden könnten. Der Markt sei leer, betont er.

Die GDL fordert, dass in allererster Linie ausgebildet und rekrutiert werden müsse, um dem demografischen Wandel im Lokführerberuf zu begegnen. Darüber hinaus müsse der Beruf des Lokomotivführers attraktiver werden. An den vergleichsweise unattraktiven Rahmenbedingungen Schichtdienst, Wochenenddienst, Feiertagsdienst lasse sich nichts ändern, aber im Umfeld ließen sich bestimmte Dinge sicherlich verbessern. Eine klare Trennung zwischen Beruf und Privatleben gehörten dazu, also keine kurzfristigen Bereitschaftsdienste.

Jeder vierte Zug im September unpünktlich

Die Deutsche Bahn hat im Nahverkehr Probleme, da sie zum einen Marktanteile an Wettbewerber verliert. Zum anderen werden wegen der Verspätungen und Ausfälle Strafzahlungen an die Bundesländer fällig. Im Fernverkehr hat die Bahn nicht nur wegen fehlender Lokführer, sondern auch wegen fehlender Züge Probleme. Im September war mehr als jeder vierte Zug unpünktlich.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 23. Oktober 2019 | 15:30 Uhr