Lohnplus von bis zu 30 Prozent Kritik und Verständnis für geplante Gehaltserhöhung für Bahnvorstand

Die Bahn erhält bis 2030 Milliardenförderungen vom Bund – auch, um bestehende Mängel nachhaltig zu beheben. Nun sollen mit dem Geld wohl auch die Gehälter einiger Bahnvorstände um ein Drittel steigen – auf 585.000 Euro im Jahr. Verkehrsminister Scheuer hält das für ein "falsches Signal". Verständnis kommt von der FDP.

Reisende warten neben drei ICE Fernzügen auf einem Bahnsteig im Hauptbahnhof.
Trotz Zugverspätungen und Ausfällen sollen die Gehälter des Bahn-Vorstandes steigen. Verständlich, sagt FDP-Politiker Jung. Kritik kommt von Verkehrsminister Scheuer. Bildrechte: dpa

Für die Führungsmannschaft der Deutschen Bahn könnte es ab kommenden Jahr eine satte Gehaltserhöhung geben. Wie es aus Aufsichtskreisen heißt, plant der Vorstand für einige seiner Mitglieder ein Plus von knapp 30 Prozent. Damit würde das Gehalt einiger Bahnvorstände von 400.000 auf 585.000 Euro jährlich steigen. Hintergrund ist ein internes Gutachten einer Unternehmensberatung, die die Gehaltsstruktur im Bahn-Vorstand untersucht hat. Demnach seien die Einstiegsgehälter für die Bahnvorstände im Vergleich zu anderen großen Unternehmen zu niedrig.

Verständnis von FDP-Politiker Jung

Verständnis gibt es dafür von FDP-Verkehrspolitiker Christian Jung. Bei den aktuellen Grundgehältern könne man durchaus über eine Erhöhung sprechen, so Jung. Sonst werde es schwer, Nachfolgerinnen oder Nachfolger für den derzeitigen Vorstand zu finden.

Skeptischer sieht Jung hingegen Boni-Zahlungen an einzelne Vorstandsmitglieder der Deutschen Bahn. Diese hatten über Jahre Beraterverträge mit Politikern und früheren Manager am Kontrollgremium vorbei abgeschlossen. FDP-Politiker Jung forderte Verkehrsminister Andreas Scheuer deshalb auf, bei den Gehältern des Bahnvorstandes zu differenzieren.

Kritik von Verkehrsminister Scheuer

Scheuer hatte die mögliche Gehaltserhöhung am Sonntag kritisiert. Angesichts von Zugausfällen und Personalmängel sei sie ein "falsches Signal":

Deshalb habe ich bereits letzte Woche meinem Vertreter im Aufsichtsrat deutlich gemacht, die Überlegungen zu stoppen. Ich bin überzeugt, dem werden sich die weiteren Vertreter des Bundes im Aufsichtsrat anschließen.

Andreas Scheuer, Bundesverkehrsminister

Für Scheuer gilt das Grundprinzip: erst bessere Ergebnisse, dann bessere Vergütung. Der Bund ist Eigentümer der Deutschen Bahn. Die Bundesregierung ist im Aufsichtsrat mit drei Mitgliedern vertreten – und der entscheidet letztlich über die Gehaltserhöhung.

Erst im Oktober hatte die Bundesregierung ein Klimapaket verabschiedet, von dem auch die Deutsche Bahn erheblich profitiert. Bis 2030 soll sie vom Bund 30 Milliarden Euro erhalten, um Mängel im Schienennetz und beim Personal zu beheben. 2018 waren wegen Lokführermangels knapp 5.000 Pendlerzüge nicht abgefahren. Auch in Mitteldeutschland sind viele Fernzüge unpünktlich. Verkehrsminister Scheuer hatte der Bahn deshalb erst kürzlich ein Ultimatum gestellt, in dem er ein Maßnahmenkonzept bis Mitte November forderte.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 04. November 2019 | 02:07 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. November 2019, 10:57 Uhr