Bananen
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Bananenpreise im Supermarkt Nur wenige Verbraucher kaufen Fairtrade-Bananen

Bananen kosten im Supermarkt oft weniger als einen Euro pro Kilo und damit halb so viel wie Äpfel. Die Bauern in Lateinamerika können davon kaum leben. Trotzdem haben es Fairtrade-Bananen in Deutschland schwer.

von Kristin Hansen

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In der Theorie stimmen die meisten Verbraucher zu: Bananen sollten nicht erwerbsmäßig von Kinderhänden geerntet werden. Und auch wenn die Ernte von deren Eltern übernommen wird, sollten sie so viel Lohn dafür bekommen, dass die Familie von der Arbeit leben kann. In der Praxis bedeutet das, im Supermarkt wenige Cent mehr pro Kilo für fair gehandelte Bananen zu zahlen. Doch im Alltag handeln viele deutsche Verbraucher noch gegenteilig. Das zeigt unter anderem ein gescheitertes Ansinnen von Lidl.

Lidl wollte Fairtrade-Vorreiter werden

Lidl wollte als erste deutsche Supermarkt-Kette nur noch Fairtrade-Bananen verkaufen – sowohl aus biologischem als auch aus konventionellem Anbau. Das verkündete das Unternehmen im Herbst 2018. Noch auf der Grünen Woche in Berlin im Januar 2019 bekräftigte Matthias Oppitz, Chef von Lidl-Deutschland, diesen Entschluss und verband ihn mit einem Appell an die anderen Handelsketten: "Insofern hoffen wir natürlich, dass da auch die Mitbewerber mitfolgen und wir da einen Standard gemeinsam setzen können", sagte Oppitz.

Preiskampf um Bananen

Prospekte werben für Verkaufsaktionen, bei denen Bananen zu einem Kilopreis zwischen 79 und 99 verkauft werden.
Anders als von Lidl erhofft. setzte die Konkurrenz auf Billig-Bananen und lieferte sich einen Preiskampf. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Hoffnung erfüllte sich nicht. Lidls Mitbewerber lieferten sich stattdessen einen Preiskampf um die billigsten Bananen. Der Kilopreis für konventionell gehandelte Bananen fiel auf bis zu 77 Cent. Diesem Preisdruck konnte Lidl nicht standhalten. Im Mai nahm das Unternehmen wieder billigere Früchte ohne Fairtrade-Siegel ins Sortiment auf. Gegenüber der "Umschau" erklärte Lidl: "Unsere Kunden haben zukünftig die Wahl zwischen drei Bananenvarianten, zwei von drei Bananen werden Fairtrade-zertifiziert sein. Damit bieten wir den Kunden die Möglichkeit, gemäß ihrer Wünsche und Lebensgewohnheiten einkaufen zu können. Der etwa 10 Cent höhere Verkaufspreis von einem Kilo konventioneller Fairtrade-Bananen im Vergleich zum konventionellen Angebot trug zur Nachfrage nach einer Banane zum Markteinstiegspreis bei."

"Fairtrade" fordert gesetzliche Regelung für fairen Handel

Dieter Overrath, geschäftsführender Vorstandsvorsitzende des Vereins Transfair
Dieter Overrath von Transfair Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Der Verein Transfair, der das Fairtrade-Siegel vergibt, kritisiert die Einstellung der deutschen Verbraucher: "Es liegt daran, dass wir den geringsten Anteil unseres Einkommens für Lebensmittel ausgeben. Wir legen mehr Wert darauf, was in der Garage steht als darauf, was in unserem Kühlschrank ist, und wir haben weiterhin einen sehr fokussierten Blick auf billige Preise", sagte der geschäftsführende Vorstandsvorsitzende Dieter Overrath im Gespräch mit der "Umschau". Er fordert gesetzliche Regelungen, um Produkte aus fairem Handel auch für deutsche Verbraucher attraktiv zu machen: "Vielleicht bedarf es eines Gesetzes, dass Unternehmen nachweisen müssen, dass sie die Menschenrechte in globalen Lieferketten gewährleisten, unter anderem mit existenzsichernden Löhnen. Eine andere Idee wäre, die Mehrwertsteuer für nachhaltige Produkte zu reduzieren, um mehr Konsumentinnen und Konsumenten dazu zu bewegen, auf solche Produkte zurück zu greifen."

Fairtrade-Absatz im vergangenen Jahr gestiegen

Insgesamt ist die Nachfrage nach Fairtrade-Produkten in Deutschland im vergangenen Jahr jedoch um 22 Prozent gestiegen, wie Transfair mitteilte. Jeder Deutsche gab 2018 durchschnittlich 19 Euro für fair gehandelte Produkte aus. Besonders beliebt waren Kakao und Kaffee mit Fairtrade-Siegel. Auch bei den Bananen stieg der Absatz der fairen Ware um immerhin sechs Prozent auf 92.000 Tonnen. Allerdings: Die fair gehandelte Ware machte nicht einmal ein Zehntel der Gesamtmenge aus, denn 2018 wurden rund eine Million Tonnen Bananen nach Deutschland importiert.


Fairtrade, bio, öko oder konventionell – eine Übersicht

Bananen aus konventionellem Anbau

Bananen werden hauptsächlich in Ecuador, Kolumbien und Costa Rica angebaut. Beim konventionellen Anbau werden auch Pflanzenschutz- und Schädlingsbekämpfungsmittel eingesetzt. So haben mehrere Labortests in den letzten Jahren ergeben, dass vor allem die Bananenschalen mit Pestiziden belastet sind. Nachgewiesen wurden auch Stoffe, die in der EU nicht zugelassen sind oder als krebserregend gelten. Zwar wird die Bananenschale nicht mitgegessen, allerdings können die Stoffe über die Hände auch in den Körper gelangen, wenn sie anschließend nicht gründlich gewaschen werden. Menschenrechtsorganisationen kritisieren zudem, dass auf konventionellen Bananenplantagen schlechte Arbeitsbedingungen herrschen. So müssen die Arbeiter teilweise bis zu 15 Stunden arbeiten und für Löhne weit unterhalb des vor Ort üblichen Mindestlohns.

Bananen aus biologischem Anbau

In den Labortests waren die untersuchten Bio-Bananen frei von Pestiziden. Auf den Plantagen der biologisch angebauten Bananen werden die Früchte in Mischkulturen angebaut. Dadurch können bestimmte Schädlinge auf ganz natürliche Weise fern gehalten werden. Bio-Bananen sind jedoch nicht zwangsläufig fair gehandelt. Im Handel gibt es Bananen mit verschiedenen Bio-Siegeln.

Bananen mit Fairtrade-Siegel

Fairtrade-Bananen
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Das Fairtrade-Siegel wird vom Verein Transfair für Bananen vergeben, die nach bestimmten Kriterien angebaut wurden. So darf auf den Plantagen nachweislich keine Kinderarbeit und Zwangsarbeit erfolgen, die Arbeiter vor Ort erhalten angemessene Löhne und es werden ökologische Mindeststandards eingehalten. Stiftung Warentest hat dem Fairtrade-Siegel im Jahr 2016 eine hohe Aussagekraft bescheinigt. Derzeit gibt es im Handel sowohl biologische als auch konventionell angebaute Bananen mit Fairtrade-Siegel. Bei letzteren dürfen Pestizide in geringem Maße eingesetzt werden.

Bananen mit dem Siegel "Rainforest Alliance"

Viele Bananen werden auch mit dem Siegel der "Rainforest Alliance" verkauft. Nach eigenen Angaben stammen Produkte mit diesem Siegel aus nachhaltiger Land- und Forstwirtschaft. Bei Stiftung Warentest war das Siegel 2016 jedoch nur mittelmäßig bewertet. Bananen mit diesem Label gelten nicht zwangsläufig als biologisch angebaut oder fair gehandelt.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR Umschau | 09. Juli 2019 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. Juli 2019, 16:03 Uhr