Medienbericht Weniger als ein Fünftel der Firmen bilden noch aus

Die Zahl der auszubildenden Firmen in Deutschland ist auf weniger als ein Fünftel gesunken. Tausende Bewerber gingen leer aus, berichtet das "Handelsblatt". Das Bundesbildungsministerium wollte die Zahlen nicht bestätigen. Der Berufsbildungsbericht liege erst als Entwurf vor, hieß es auf MDR-Anfrage. Der Deutsche Gewerkschaftsbund warnt, dass die Corona-Krise die Lage noch verschärfen könnte.

Ausbilder mit Lehrlingen an einem Schraubstock.
Ein Symbolbild: Ausbilder mit Lehrlingen Bildrechte: IMAGO

In Deutschland gibt es immer weniger Ausbildungsbetriebe. Das berichtet das "Handelsblatt" unter Berufung auf den neuen nationalen Berufsbildungsbericht des Bundesbildungsministeriums. Demnach sei im vergangenen Jahr die Zahl der ausbildenden Unternehmen auf weniger als ein Fünftel gesunken.

Konkret lag Anteil der Ausbildungsbetriebe dem Bericht zufolge bei 19,7 Prozent. Im Vergleich zu den Zahlen von 2009 sei das ein Rückgang von rund 3,5 Prozentpunkten. Selbst von den großen Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitern bildeten demnach ein Fünftel gar keine Auszubildenden mehr aus.

Tausende Bewerber gehen leer aus

Rund 25.000 Interessenten um eine Ausbildungsstelle sind laut Bericht im vorigen Jahr leer ausgegangen - ein Plus von 5.000 im Vergleich zu den Jahren 2014/15. Hinzu kommen demnach fast 50.000 Bewerber, die nach einer erfolglosen Ausbildungsplatzsuche weiterhin zur Schule gehen, jedoch nach wie vor Interesse an einer Lehrstelle haben.

Zahl der unbesetzten Lehrstellen sinkt

Erstmals seit vielen Jahren deutlich gesunken sei die Zahl der unbesetzten Lehrstellen. 53.000 Ausbildungsplätze blieben 2019 laut dem Bericht frei. In den Vorjahren war diese Zahl stetig gestiegen, 2018 lag sie bei knapp 58.000. Im Zehn-Jahres-Vergleich zu 2009 hat sich die Zahl der unbesetzten Stellen jedoch verdreifacht, heißt in dem Zeitungsbericht. Das Bundesgesundheitsministerium wollte die Zahlen auf Anfrage von MDR AKTUELL nicht bestätigen. Der nationale Berufsbildungsbericht sei noch in einer Entwurfphase. Man werde als Ministerium den Bericht aber wie in den Jahren zuvor entsprechend vorstellen, sagte eine Sprecherin.

DGB warnt vor Wegfall vieler Lehrstellen

Gleichzeitig warnte der Deutsche Gewerkschaftsbund, dass in diesem Jahr wegen der Coronavirus-Pandemie zahlreiche Lehrstellen wegbrechen könnten. Wenn 650.000 Betriebe Kurzarbeit angemeldet hätten, zeige das, wie groß die Herausforderungen im kommenden Ausbildungsjahr würden, zitiert das "Handelsblatt" die DGB-Vizechefin Elke Hannack.

Auch der Zentralverband des Deutschen Handwerks warnte vor einem Einbruch der Zahlen. Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer sagte, es müsse "unbedingt vermieden werden, dass Betriebe, die von der Krise massiv betroffen sind, in der Folge ihre Ausbildungsleistung einschränken oder gar einstellen müssen".

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 15. April 2020 | 09:30 Uhr