Hopfen und Malz Wie die Brauereien unter dem Corona-Lockdown leiden

Auch bei frühlingshaften Temperaturen bleibt der Besuch im Biergarten ein Wunschtraum. Den dadurch fehlenden Umsatz spüren immer existenzieller auch Deutschlands Brauereien. Ein Blick nach Sachsen.

Bierfass aus Holz mit Zapfhahn aus Messing.
Der fehlende Fassbierabsatz macht vielen Brauereien zu schaffen. Bildrechte: IMAGO

Wenn ein eiskaltes Bier ins Glas läuft, ist das ein Geräusch, dass Herzen höher schlagen und Kehlen schlucken lässt! Egal ob aus der Flasche oder frisch gezapft! Seit Jahrhunderten schon wird auch in Sachsen Bier gebraut. Nach Bayern und Nordrhein-Westfalen ist Sachsen drittgrößter Bierhersteller in Deutschland. Rund 2.500 Arbeitsplätze gibt es hier in den 71 Brauereien.

Fassbierabsatz fehlt

Die Brauereien sehen sich immer mehr einem verzweifelten Existenzkampf ausgesetzt, wie Barbara Sarx-Lohse vom Sächsischen Brauerbund erklärt: "Viele kleine und mittlere Brauereien, die machen den Großteil ihres Umsatzes mit Fassbier. Und da jetzt die Gastronomie seit über vier Monaten geschlossen ist, fällt dieser Absatzmarkt komplett weg. Die Brauereien haben das Problem, es gibt keine Hilfszahlungen, wie beispielsweise die November- oder Dezemberhilfen. Daher befürchten wir, dass, wenn der Lockdown noch länger andauert, es einige Insolvenzen geben wird und dann auch die Arbeitsplätze verloren gehen."

Im letzten Jahr haben die sächsischen Brauereien 250.000 Hektoliter weniger Bier verkauft als im Jahr davor, deutschlandweit gab es ein Umsatzminus von 23 Prozent.

Meist mittelständische Betriebe

Mehr als 310 Biermarken werden in Sachsen hergestellt, die meisten in kleinen und mittelständischen Betrieben, die oft nur in der Gastronomie verkaufen. Nur sieben Brauereien im Freistaat gehören zu Konzerngruppen, von denen hat keine ihre Zentrale in Sachsen. Und die Sachsen lieben ihr eigenes Bier, denn drei Viertel des hier produzierten Biers werden auch im Freistaat getrunken. Diese traditionsreiche Kultur könnte verloren gehen. Das macht auch Christian Fiedler zu schaffen, dem Inhaber der Fiedler-Brauerei im erzgebirgischen Scheibenberg:

Uns fehlt der gesamte Fassbierabsatz. Das sind bei uns 20 Prozent vom Gesamtumsatz, das sind bei uns jeden Monat 30.000 Euro, die einfach fehlen und es geht langsam ans Eingemachte.

Christian Fiedler Inhaber der Fiedler-Brauerei

Schwierigkeiten bei der Rückzahlung von Krediten

Fiedler erzählt: "Leider Gottes haben wir ein bisschen was wegschütten müssen. Wir haben dann noch versucht, aus dem dunklen Bockbier, was wir nicht verkaufen konnten im Herbst, noch einen Bockbierbrand zu machen. Wir haben vor Jahren viel investiert, um zu modernisieren, Stichwort Digitalisierung 4.0 und natürlich fehlt uns Geld jetzt zum Zurückzahlen dieser Verbindlichkeiten."

14 Mitarbeiter beschäftigt Christian Fiedler in seiner Brauerei und momentan versucht er mit dem Verkauf seiner Flaschenbiere im regionalen Einzelhandel das Unternehmen über Wasser zu halten. Fiedler ist einer der 300 Unterzeichner des offenen Briefes der Brauwirtschaft an Politiker von Bund und Ländern.

Keine Corona-Hilfe

Für seine Brauerei hat er bis heute nicht einen Cent an Corona-Hilfe gesehen und wenn der Lockdown noch länger anhält, wird er Leute entlassen müssen. Deshalb fordert er, endlich Kneipen und Restaurants wieder zu öffnen: "Vor dem Lockdown haben die alle ganz tolle Hygienekonzepte gebracht, und dann schließt man diese Gaststätten zu. Einige werden nicht mehr aufschließen, weil es nicht mehr geht, weil das Geld alle ist." Man könne mit diesen Konzepten Gaststätten wieder öffnen, ist sich Fiedler sicher. Und er spart nicht mit Kritik an der Arbeit der Politik: "Sowas kann ein Unternehmer nicht machen, was die da treiben. Als Unternehmer geht das nicht, da bist du weg vom Fenster."

Neben einer Öffnungsstrategie fordert die Brauereiwirtschaft Überbrückungshilfen, wie sie andere Branchen bekommen haben. Darüber hinaus Steuererleichterungen für Bier sowie die flexible Umfinanzierung von Krediten.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 24. Februar 2021 | 06:55 Uhr

2 Kommentare

Thueringer vor 1 Wochen

Das Lamentieren der Brauereien und deren zumindest teilweise berechtigten Sorgen sollte man schon etwas differenzierter betrachten. Als regelmäßiger Gaststättenbesucher durfte ich mir in der Vergangenheit von den Gastronomen an verschiedensten Orten Klagen über die extrem unterschiedliche Preisgestaltung zwischen Fassbier und Flaschenbier anhören, d. h., für den für 9,99 € in den Supermärkten angebotenen Kasten Bier wurde der Fassbiertrinker indirekt stets mit zur Kasse gebeten. Dass man mit dieser Preispolitik auch kleine Brauereien, die größtenteils vom Fassbierabsatz leben, in die Insolvenz treibt, ist/war dabei möglicherweise sogar ein erwünschter Nebeneffekt. Wie sich dieser Trend in der Corona-Krise verschärft, kann man zum einen gut an den Verkaufszahlen der Supermärkte und zum anderen an den aktuell immer stärker zum Flaschenbier greifenden Ausflüglern erkennen. Ob sich dieses Verhalten nach dem Ende der Pandemie grundlegend verändern wird, darf getrost bezweifelt werden.

Micky Maus vor 1 Wochen

"Auch bei frühlingshaften Temperaturen bleibt der Besuch im Biergarten ein Wunschtraum."

Warum, die hatten doch auf am Wochenende und die wurden reichlich genutzt.

Man durfte sich nur nicht hinsetzten. 😂