Verfallene Schule im Stadtzentrum von Strasburg, 2017
Bildrechte: imago/BildFunkMV

Marode Immobilien Brachen zunehmendes Problem für Länder und Kommunen

Brach liegende Gebäude stellen Länder und Kommunen vor zunehmend große Herausforderungen. In Zukunft könnte sich das Problem noch deutlich verschärfen, befürchten Experten.

Verfallene Schule im Stadtzentrum von Strasburg, 2017
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Brachen oft mit Schulden oder Hypotheken belastet

Brachen stellen Länder und Kommunen vor zunehmend große Herausforderungen: "Der Verkauf von Brachen ist schwierig, da sie in der Regel keinen positiven Wert haben." Das sagte Dieter W. Ruf dem MDR-Magazin "Umschau". Ruf ist stellvertretender Geschäftsführer des Staatsbetriebs Zentrales Flächenmanagement Sachsen (ZFM).

Das Problem mit den Brachen: Sie seien oft mit Schulden oder Hypotheken belastet oder mit hohen Kosten verbunden. Bei Industriebrachen etwa spielten Altlasten eine große Rolle. Auch marode Bausubstanzen und hohe Verkehrssicherungspflichten schreckten viele ab. "Aus diesem Grund gibt es entweder keine Nachfrage oder der Kaufinteressent muss umfangreiche Prüfungen vornehmen", sagte Ruf.

Wenn die Eigentumsverhältnisse ungeklärt bleiben oder Eigentümer sich nicht mehr kümmern, bleiben die Grundkosten deshalb an Ländern und Kommunen hängen. Diese sind dann für die Verkehrssicherung und Gefahrenabwehr zuständig. Zahlen über die Höhe dieser Kosten gebe es nicht. "Wenn man die Lasten, Kosten und Risiken zusammenrechnet und den Begriff ‚Brache‘ weiter auslegt, sprechen wir nach meiner Prognose in Sachsen auf jeden Fall von einer siebenstelligen Summe jährlich", so Dieter W. Ruf.

Kommunen treten Erbe an

Eine Frau geht an leerstehenden Häusern in Dresden vorüber.
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Zirka 1.500 Brachen befinden sich laut ZFM derzeit im sächsischen Landeseigentum, zehn davon gelten als Industriebrachen. "Die meisten Brachen, insbesondere Industriebrachen, sind aber nicht landeseigen, sondern herrenlos oder in Privateigentum", sagte Ruf. Das ZFM habe derzeit Kenntnis von zirka 800 "herrenlosen Flurstücken" im Freistaat. Bei etwa 35 dieser Grundstücke handele es sich um Industriebrachen. Als herrenlos gilt eine Brache, "wenn der Grundstückseigentümer gegenüber dem zuständigen Grundbuchamt erklärt hat, dass er auf sein Grundstückseigentum verzichtet, und wenn das Grundbuchamt die Verzichtserklärung im Grundbuch eingetragen hat", sagte Ruf.

Darüber hinaus bearbeitet das ZFM nach eigenen Angaben derzeit ca. 4.530 Fiskalerbfälle. Etwa jeder Dritte davon betrifft Immobilien. In diesen Fällen gibt es keinen Erben oder das Erbe wurde ausgeschlagen.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Umschau | 28. Mai 2019 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 28. Mai 2019, 14:44 Uhr