Figuren in Arbeitskleidung unterschiedlicher Branchen stehen vor Euro Geldmünzen im Wert von 8,50.
Menschen in Mitteldeutschland verdienen im Schnitt neun Euro weniger pro Stunde als die Hamburger Bevölkerung. Bildrechte: imago/Ralph Peters

Wo verdient man was? Osten holt bei Löhnen auf - und bleibt Schlusslicht

Ein Kellner serviert in Berlin für Mindestlohn, in München bekommt er fast das Doppelte. Ein Mechaniker aus Sachsen verdient weniger als sein Kollege in Hamburg. Ungleicher Lohn für gleiche Arbeit. Wie groß die Unterschiede genau sind, haben die Landesämter für Statistik jetzt in einer gemeinsamen Veröffentlichung verglichen.

von Marc Zimmer, MDR AKTUELL

Figuren in Arbeitskleidung unterschiedlicher Branchen stehen vor Euro Geldmünzen im Wert von 8,50.
Menschen in Mitteldeutschland verdienen im Schnitt neun Euro weniger pro Stunde als die Hamburger Bevölkerung. Bildrechte: imago/Ralph Peters

Wer möglichst viel Lohn für eine Stunde Arbeit bekommen will, der ist in Hamburg richtig. Dort liegt der durchschnittliche Brutto-Stundenlohn mit 29,77 Euro höher als in jedem anderen Bundesland. Es folgen Hessen, Baden-Württemberg und Bayern.

Auf Länderebene bietet die Statistik wenig Überraschendes: Die Ostländer stehen am schlechtesten da, allen voran Sachsen-Anhalt– wo man mit 20,28 Euro fast zehn Euro weniger verdient als in Hamburg. In Sachsen gibt es immerhin noch 20,87 Euro brutto in der Stunde, in Thüringen 20,39 Euro.

Große Unterschiede zwischen Stadt und Land

Innerhalb der Bundesländer gibt es jedoch große Ungleichheiten, sagt Oliver Holtemöller vom Institut für Wirtschaftsforschung in Halle.

Wir haben sehr starke Unterschiede zwischen Stadt und Land. Das gilt für Ost- und Westdeutschland.

Oliver Holtemöller, Institut für Wirtschaftsforschung

In Jena sind es zum Beispiel 22,87 Euro – also gut fünf Euro mehr als beim Thüringer Schlusslicht, dem Saale-Orla-Kreis. In Sachsen-Anhalt sind Halle und Magdeburg spitze, am wenigsten Geld pro Stunde gibt es im Landkreis Mansfeld-Südharz. Auch in Sachsen haben die großen Städte die Nase vorn: In Dresden und Leipzig gibt es in der Stunde vier bis fünf Euro mehr zu verdienen als im Vogtland oder im Erzgebirgskreis. Der liegt sogar deutschlandweit auf dem letzten Platz.

Zum Vergleich: In Wolfsburg gibt es mit 35,99 Euro fast das Doppelte wie im Erzgebirgskreis. Damit liegt die VW-Stadt an der Spitze aller deutschen Landkreise. Es folgen mit Ingolstadt und Erlangen zwei weitere Städte mit großen Konzernen – nämlich Audi und Siemens.

Dem Osten fehlen die Konzerne

Und darin zeigt sich einer der Hauptunterschiede zwischen Ost und West, sagt Karl Brenke vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung.

Es gibt in Ostdeutschland sehr viele kleine und mittelgroße Unternehmen. Die zahlen generell, auch im Westen, unterdurchschnittlich. Es fehlen die großen Unternehmen.

Karl Brenke, Institut für Wirtschaftsforschung

Insgesamt lässt sich festhalten, dass der Osten dem Westen bei den Löhnen weiter hinterherhinkt.

Den größten Lohn-Anstieg gibt es im Osten

Aber: Auch die größten Gewinner im Lohn-Vergleich liegen im Osten. So sind unter den zehn Landkreisen mit dem größten Anstieg ausschließlich ostdeutsche. Dazu gehören Dessau-Roßlau, der Saalekreis oder auch Zwickau. Hier stiegen die Löhne seit dem Jahr 2000 jeweils um rund 60 Prozent.

Dafür ist auch die demografische Entwicklung verantwortlich, sagt Wirtschaftswissenschaftler Brenke. "Im Osten schrumpft die Bevölkerung stärker als im Westen, vor allem die erwerbsfähige Bevölkerung. Es kommen also wenig Junge nach. Wenn die Arbeitskräfte knapper werden, müssen die Arbeitgeber auch höhere Löhne zahlen. Und das findet offensichtlich im Osten statt."

So verdient man in Dessau-Roßlau inzwischen im Schnitt mehr als in so manchem Landkreis in Niedersachen oder Rheinland-Pfalz. Und Dresden liegt auf Augenhöhe mit Garmisch-Partenkirchen oder Hildesheim.

Unter den zehn größten Verlierern der Statistik sind dagegen nur westdeutsche Landkreise.

Daten mit Vorsicht genießen

Keine Auskunft geben die Daten darüber, wo bestimmte Branchen besser oder schlechter verdienen. Also ob beispielsweise ein Bauarbeiter in Sachsen oder in Bayern besser dran ist. Und bei allen Vergleichen ist auch zu bedenken: Es geht um Brutto-Löhne. Steuern, Abgaben und die Lebenshaltungskosten entscheiden am Ende mit, was wirklich im Portemonnaie landet.

Land- und Stadtkreise mit dem höchsten Anstieg des Durchschnittslohns pro Stunde seit 2000
Stadt-/Landkreis Bundesland Durchschnittslohn in Euro (2016) Prozentuale Veränderung (in Prozent)
Dessau-Roßlau, SK Sachsen-Anhalt 21,25 62
Saalekreis Sachsen-Anhalt 20,93 62
Wittenberg, LK Sachsen-Anhalt 19,72 61
Burgenlandkreis Sachsen-Anhalt 19,91 61
Altmarkkreis Salzwedel Sachsen-Anhalt 19,17 60
Magdeburg, SK Sachsen-Anhalt 21,41 60
Zwickau, LK Sachsen 20,70 59
Anhalt-Bitterfeld Sachsen-Anhalt 19,53 59
Jerichower Land Sachsen-Anhalt 19,44 58
Börde Sachsen-Anahlt 20,16 58

Quelle: Statistische Ämter der Länder, Anmerkung: Für Thüringen lagen die 2016er-Zahlen nicht für jeden Landkreis aufgeschlüsselt vor.

Hinweis: Die hier genannten Daten sind Durchschnittswerte. Das heißt: Die Löhne aller Arbeitnehmer einer Region wurden addiert und anschließend durch die Zahl der Arbeitnehmer geteilt. Durch teilweise extreme Lohnunterschiede entsteht so ein Durchschnittswert, der nicht in der Mitte der Bevölkerung liegt. Das Statistische Bundesamt geht davon aus, dass nur ein Drittel der Beschäftigten in Deutschland mehr als den Durchschnittslohn verdient.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 29. Juli 2018 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 29. Juli 2018, 16:40 Uhr

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61 Kommentare

31.07.2018 21:32 Mediator an Thomas Walter(58) 61

Es würde wohl der Diskussion weiter helfen, wenn keine Dinge in meine Worte hineininterpretieren, die ich so nie gesagt habe.
1. Gute Stellen:
Blicken sie einfach mal über den Tellerrand, dann werden sie viele normale und gut bezahlte Jobs in ihrer Gegend erkennen. Suchen müssen sie aber selbst. Stichwort: Öffentlicher Dienst, Akademiker, Techniker, tarifgebundene AN.
2. Große Sprünge:
Die definiert naturgemäß jeder anders, aber wer wenig verdient, der muss leider auch seine Ansprüche runterschrauben. Manche Menschen können dies besser als andere. Wer mit wenig Geld ein Jet-Set leben führen will, der wird scheitern.
3. Multi Facharbeiter:
Entweder sind sie ein Allrounder, nach dem sich jeder die Finger schleckt, weil er unterschiedlichste Fachbereiche kombinieren kann, oder sie sind schlicht und ergreifend jemand der keinen seiner Berufe jemals richtig ausgeübt hat und somit wie ein Berufsanfänger gewertet wird. Schulische Umschulungen vermitteln oft nur begrenze Erfahrungen.

31.07.2018 20:53 Paule 60

Mediator, oder auch Herr Oberlehrer, lesen und verstehen sind zwei unterschiedliche Schuhe. Den Unterschied zu erkennen ist aber nicht jeden gegeben.

31.07.2018 18:07 Krause - "lieber nackt als rechtsextremistisch!" 59

@ 58:
Es wäre sehr nett, wenn Du die Quelle für diese 'Definition' des Wortes Lohn angeben könntest.

Der Lohn ist der Betrag, der einem vom Arbeitgeber für geleistete Arbeit gezahlt wird. Natürlich ist es schön, wenn der Lohn tatsächlich für die 'lebensnotwendigen Ausgaben' reicht. Da dies zwar theoretisch die Regel sein sollte, es praktisch aber nicht immer dazu kommt, gibt es Menschen, die - trotz Lohn - zum JobCenter gehen und "aufstocken" müssen. Dies könnte man vllt. mit einer 'Teilzeit-Arbeit' erklären, aber - komischerweise - passiert dies auch Vollzeitarbeitern.

Ergo kommen wir wieder zur 'benötigten Qualifikation' für einen Job, dem Angebot an qualifizierten Arbeitskräften und der dementsprechenden Bezahlung.

In der IT-Branche ist die Kundschaft stets überfordert und derzeit stark verunsichert - dazu noch die möglichen Effizienzsteigerungen durch Digitalisierung... wenn man da was kann, wird man 'fürstlich entlohnt'.

31.07.2018 15:02 Thomas Walter 58

@Mediator
falls Sie meinen Post richtig gelesen haben, sollte Ihnen aufgefallen sein, dass ich tatsächlich einen richtigen Beruf (bzw. Abitur+4 Facharbeiter)habe und dass ich uns nur als Beispiel für viele angegeben habe. Und als Frage zu Ihrer Statistik: Wo sind die Arbeitsstellen, die so hoch dotiert sind, um die ganzen schlecht bezahlten Jobs (Handel, Handwerk, Industrie, Gastronomie etc.), die ich hier in unserer Region(ABG, L, C, Gera) erlebe, zu relativieren? Und außerdem ist es wohl mehr als arrogant zu behaupten, dass nur Akademiker, Techniker o. ähnliche ein Anrecht auf normales Leben(bei Mindestlohn nicht möglich)haben!!!
Definition: Lohn ist das Entgelt für Arbeit, dass dem AN ermöglichen muss, alle lebensnotwendigen Ausgaben(Ernährung, Miete, Bekleidung,Kosmetik, Medizin etc.)zu bestreiten sowie ihm eine Teilnahme am gesellschaftlichen und kulturellen Leben seiner Zeit(Urlaub, Kneipe, Disco, Museen, Vereine etc.) gewährleistet.

31.07.2018 13:05 Mediator 57

@Paule(51)
Ach Paule, merken sie eigentlich was sie für einen Unsinn schreiben? Wer spricht denn jemandem seine Daseinsberechtigung ab? Man sollte aber so realistisch sein und akzeptieren dass es für Anlerntätigkeiten kaum Spitzenlöhne sondern wohl eher den Mindestlohn gibt. Vor dem Mindestlohn verdienten übrigens über 4 Mio Menschen WENIGER.

@Fragender Rentner(55):
Machen sie sich mal nicht lächerlich mit ihren starken Gewerkschaften die im Osten angeblich existiert haben. Im FDGB waren zwar über 90% der Arbeitnehmer organisiert, aber hier hat es sich wohl eher um eine gleichgeschaltete Parteiorganisation der SED als um eine Gewerkschaft die fähig und bereit war Arbeitskämpfe zu organisieren.

@part(52): Sie vergessen eines: Der Osten lieferte diese Produkte teilweise unter Produktionskosten in den Westen um Devisen zu erhalten. Nur deshalb waren diese Produkte dort konkurrenzfähig.

31.07.2018 12:13 Krause - "lieber nackt als rechtsextremistisch!" 56

@ 55:
Zitat "Wie wurde auch von den "guten Westunternehmen" gesagt, wir brauchen keine Konkurrenz im Osten, wir fahren unsere Betriebe im Westen hoch! :-("

Du wirst lachen, aber genau das ist der Sinn der Marktwirtschaft:
Wenn man als Unternehmen in einer bestimmten Situation die Nachfrage bedienen kann, bedient man diese Nachfrage und macht damit Gewinn.

"Konkurrenz belebt das Geschäft" ist zwar richtig, schmälert aber durch den Wettbewerb die Rendite. Wenn man eben noch Produktionsvolumen in Reserve hat, nutzt man diese bei steigender Nachfrage: genau dafür hat man sie ja eingeplant und finanziert.

"wenn die Betriebe weiter mit der stark organiesieren Gewerkschaft nach der Wende existiert hätten"

Dies ist offenbar nicht eingetreten. Deswegen sollte man betrachten, "was" diese 'Kombination' zu Fall gebracht hat.
Soweit ich das in Erinnerung habe, waren das 'Investitionsrückstände', die zu Schließung und damit auch zur Schwächung der Gewerkschaft(en). geführt haben.

31.07.2018 10:59 Fragender Rentner 55

@Mediator zu 37

Vielen Dank, dass du einem wieder mal das Wort im Mund rumdrehst. :-)

Sagen wir es mal so, wenn die Betriebe weiter mit der stark organiesieren Gewerkschaft nach der Wende existiert hätten, dann wären wir heute schon einen vergleichbaren Lohn in Deutschlang und der Rente!

Wie wurde auch von den "guten Westunternehmen" gesagt, wir brauchen keine Konkurrenz im Osten, wir fahren unsere Betriebe im Westen hoch! :-(

31.07.2018 08:48 Joas 54

"Fakt ist, dass es auch im Osten sehr viele gut bezahle Arbeitsplätze gibt, oder glauben sie, dass man Akademiker und hochspezialisierte Techniker für den Mindestlohn bekommt und halten kann?"

So ist es. Man braucht sicherlich auch ein bisschen Glück. Da aber immer weniger Fachkräfte in manchen Ost-Regionen zur Verfügung stehen, kann man als Akademiker in gefragten Berufen sehr gut verhandeln und ist voll im Bundesdurchschnitt, unter Umständen sogar darüber...

30.07.2018 23:09 Eulenspiegel 53

Also ich wundere mich immer über diese Leute die noch nie einer Gewerkschaft angehörten. Was die so alles von den Gewerkschaften wissen.
Ich für meine Person bin jetzt 50 Jahre Gewerkschaftsmitglied und da wollen dies Spinner mir noch was erzählen?
Mein Gott was tut ihr mir leid mit eurem Gejammer!

30.07.2018 22:41 part 52

Der Osten war früher bester Quelle- und Neckermann- Liferant neben hochwertigen Industriemaschinen. Heute sind die blühenden Wildkräuterlandschaften eben das erste Einfallstor für Billiglöhne mit wenig Arbeitsnomadentum. Die Industrie im Osten wurde leider abgebaut, wie damals von der Sowjetarmee, dafür gibt es heute das Industrienomadentum mit Fördermitteln. Hohe statistische Lohnentwicklung sagt aber noch nichts darüber aus ob der Arbeitnehmer nicht einen Teil seinen Jobs über die Mobilitötskosten selbst finanziert. Der Osten hat leider fast keine Auto -und Rüstungsindustrie, das macht sich bemerkbar, dafür aber riesige zusammenhängige Agrarflächen. Nimmt man aber die Höhe der dargestellten Durchschnittslöhne, dann müssen manche Personen mehr bekommen als, als sie wie wirklich verdient haben?