CleverShuttle-Fahrer Philipp steht vor seinem Taxi am Leipziger Hauptbahnhof.
CleverShuttle-Fahrer Philipp steht vor seinem Taxi am Leipziger Hauptbahnhof. Bildrechte: MDR/Ralf Geißler

Start-up expandiert CleverShuttle lässt Taxiunternehmen grübeln

Ein Taxi ist teuer. Ein Taxi mit anderen teilen, macht es günstiger. Diese Tatsache nutzt das junge Unternehmen CleverShuttle. Über eine App bringt die Firma Fahrer und mehrere Kunden zusammen, die in die gleiche Richtung wollen. Das Angebot gibt es bislang nur in Großstädten, doch das Start-up möchte expandieren und zwingt Taxiunternehmen zu einer Reaktion. Unser Reporter hat den Dienst getestet.

von Ralf Geißler, MDR AKTUELL

CleverShuttle-Fahrer Philipp steht vor seinem Taxi am Leipziger Hauptbahnhof.
CleverShuttle-Fahrer Philipp steht vor seinem Taxi am Leipziger Hauptbahnhof. Bildrechte: MDR/Ralf Geißler

Ich sitze in einem weiß-grünen Elektroauto, noch nagelneu. Ein sogenanntes CleverShuttle. Fahrer Philipp sagt gleich zu Anfang: Möglicherweise kommen noch Fahrgäste hinzu. Denn das Computersystem seines Fahrdienstes prüft ständig, ob rechts und links unserer Strecke noch andere Leute dasselbe Ziel haben wie ich.

Die Idee dazu hatten drei Freunde, einer von ihnen ist Bruno Ginnuth. Er berichtet: "Wir sind momentan etwa 50 Prozent günstiger als ein herkömmliches Taxi und das zum Festpreis. Das heißt, bei uns steht der Preis schon vor Fahrtantritt fest. Man definiert Start und Ziel und anhand dieser Strecke können wir schon sagen, was die Fahrt kosten wird."

Die Fahrer von CleverShuttle sind festangestellt und nehmen bis zu vier Leute mit. Dafür muss man als Fahrgast kleine Umwege in Kauf nehmen. Man kann die Fahrer nur mit dem Smartphone per App rufen – in Berlin, München und Leipzig. Doch der Dienst will wachsen. Die nächsten Städte auf Ginnuths Liste sind Hamburg, Frankfurt, Stuttgart und Dresden.

Taxibranche kritisiert - und will nachziehen

Die Idee hat auch die Bahn überzeugt. Sie hat in das junge Unternehmen investiert, will Kunden mit CleverShuttle günstig und schnell vom Bahnhof nach Hause bringen. Weniger begeistert ist die Taxibranche. Hans-Jürgen Zetzsche ist Vorstand im Landesverband Sächsischer Taxi- und Mietwagenunternehmen und klagt: "Natürlich nehmen sie uns Fahrgäste weg, das ist gar keine Frage. Der Hauptgrund ist ganz einfach tatsächlich der Preis. Der Preisvorteil, der aber nur dadurch entsteht, dass die Deutsche Bahn im Grunde ja sogar von Steuermitteln das Prinzip CleverShuttle subventioniert."

Zetzsche kritisiert, der Wettbewerb sei nicht fair. Taxibetriebe müssen sich ihre Tarife genehmigen lassen, CleverShuttle wird hingegen als Mietwagen eingestuft, fährt mit Sondergenehmigung und ist frei in der Preisgestaltung. Doch auch die Taxibranche will von dem neuen Angebot lernen, so Zetzsche: "Nichtsdestotrotz will das Taxigewerbe dieses Sharingmodell genauso anbieten. Da steht der Tarif noch so ein bisschen dazwischen und wir haben die entsprechende Software-Lösung für unsere Zentrale zum Beispiel noch nicht. Aber wir bitten unser Softwarehaus, uns das möglichst schnell zu Verfügung zu stellen."

Noch kein Gewinn erwirtschaftet

Mein CleverShuttle ist inzwischen am Zoo angekommen – ohne Umweg. Denn Fahrer Philipp hatte außer mir keinen weiteren Fahrgast: "Das ist dann auch sehr abhängig von der Tageszeit. Je mehr Leute fahren, umso höher sind natürlich die Chancen. Und jetzt zur Nachmittagszeit ist die Nachfrage noch nicht ganz so hoch, dass noch jemand zusteigt."

Am Preis ändert sich für mich nichts. Das Risiko, nur einen Fahrgast zu transportierten, trägt CleverShuttle. Die Nutzerzahlen wachsen schnell, doch Gewinn macht der Dienst bislang noch nicht.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 17.03.2017 | ab 5:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. März 2017, 05:00 Uhr

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6 Kommentare

18.03.2017 14:38 Ben 6

Naja die Taxibranche interessiert es kein bisschen, haben doch selbst ihre Apps. In Hamburg wurde zuletzt vom Hansafunk und der taxi.eu-App das Taxisharing getestet. Also mmmh. Wirklich.

17.03.2017 14:10 S. Pappert 5

Ich habe das CleverShuttle auch schon genutzt. Aus ökonomischen, aber auch aus ökologischen Gründen. Denn das Elektroauto-Konzept ist für mich ein wichtiges Argument. Herkömmliche Taxis sind ja bekanntermaßen überwiegend Dieselfahrzeuge - über deren Feinstaub und ähnliche Belastungen muss man hier nicht gesondert reden. Elektroautos sind abgasfrei und verringern den Lärm in den Großstädten. Klares Plus.

17.03.2017 12:10 Markus 4

Dafür muß man noch Smartphone kaufen, um Service überhaupt nutzen zu können... Insgesamt lohnt sich das kaum. Sowieso ist Taxi nur für besondere Fälle. Kein Problem, einmal im Monat einfach per Telefon Taxi zu bestellen, wie immer.

17.03.2017 09:43 AufmerksamerBeobachter 3

Genial, bahnbrechend - was für ein Esprit!!! Da ist ein Geistesblitz eingeschlagen! -- Wenn es nicht so öde und uralt wäre... Das Konzept flexibles Sammeltaxi ist nun wirklich ausgekaut und wird in der Form an vielen Uni-Städten in den Staaten von lokalen Taxifirmen seit Jahren praktiziert. Meine Erfahrung: Die Fahrzeit verdoppelt-verdreifacht sich, der Preis blieb in etwa gleich. Langsam wirkt es zwanghaft, Taxi-Sharing, Essenlieferdienst-Sharing... Gerade solche Arbeit am untersten Ende der Wertschöpfungskette teilen zu wollen, erscheint reichlich naiv. Da langt das Einkommen der entsprechenden 'old economy' schon hinten und vorne nicht und dabei war es eine Einzelperson!

17.03.2017 08:52 colditzer 2

Gähn, die Sache hat einen Bart, der reicht bis Moskau.
Dort bin ich schon Ende der siebziger mit dem sogenannten Marschrout-Taxi so gefahren.
Ohne Computer.

17.03.2017 07:06 Michael 1

Wenn jemand das Taxigewerbe sponsert, können die auch billiger fahren. Mit Sponsor ist es ggü. den Mitbewerbern unfairer Wettbewerb.